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Mittwoch, 27. Mai 2020

Die Liebe, sie bleibt

Heiraten in der „Corona-Krise“? P. Thiemo Klein LC erzählt, wie er als Priester eine besondere Hochzeit erlebt hat.

Das soll eine Hochzeit sein? Bei meiner Ankunft gibt es keine Leute in der Kirche. Nur der Bräutigam mit Mund-Nasen-Schutzmaske stellt vor dem Altar einen Laptop auf, damit die Eltern die Trauung im Livestream sehen können. Zwei maskierte Trauzeugen treffen ein und sitzen in der Mitte der Kirche zwischen vielen leeren Bänken. Eheschließung ohne Familie, Gemeinde und Musik – ein bedrückendes Bild.

Die Braut trifft ein. Wir holen sie an der Kirchentür ab, ziehen durch das Mittelschiff ein und die Liturgie beginnt. Alles wirkt ganz ungewohnt still und kurz. Beim Vermählungsspruch trifft es mich dann: So verliebt, ruhig und völlig aufeinander konzentriert sieht man sonst kein Paar vor dem Altar. Hier geht es wirklich nur um die beiden Liebenden und Gott, der die Liebe ist. Die beiden wissen, warum sie heute in der Kirche heiraten – trotz der Umstände! Schlicht und einfach gelebter katholischer Glaube – ohne Extras.

Liturgie ist schön, wenn Glaube spürbar und Gott erfahrbar wird. Das geht auf vielerlei Weise. Als Katholiken sind wir nicht von den Umständen abhängig. Wir sind von Glauben, Hoffnung und Liebe abhängig. Wie der heilige Paulus schreibt: „Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung. Alles vermag ich durch den, der mich stärkt“ (Phil 4,12-13). Der Heilige Geist weht, wo er will! Es war jedenfalls eine der berührendsten Hochzeiten, die ich je erlebt habe.

Pater Thiemo Klein LC

 

 

 

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    Heiraten in der „Corona-Krise“? P. Thiemo Klein LC erzählt, wie er als Priester eine besondere Hochzeit erlebt hat.

  • Kategorie News : Aktuelles zum Thema Ehe & Familie und Erwachsenenbildung
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