Jemand hat mir eine schöne Überlegung zum Evangelium vom ersten Adventsonntag zukommen lassen: Alle Menschen werden Christus sehen. (vgl. Lk 21,27) So lautet das prophetische Wort im Evangelium. Und sie werden in der Krise sehen, dass es Menschen gibt, die auf einen Erlöser warten. „Richtet euch auf und erhebt euer Haupt, denn eure Erlösung ist nahe!“ (Lk 21,28) Es ist der Glaubensakt inmitten des Sturms. Es ist gegen alle Hoffnung voll Hoffnung zu glauben. (vgl. Röm 4,18) Es ist anscheinend ein sinnloser Schrei, wenn dich alle verlassen, deine besten Freunde dich verraten haben, deine Kinder gestorben sind, dein Besitz vernichtet wurde, deine Gesundheit im Argen liegt und dein Ehepartner dir zuruft, „Fluche Gott und stirb“ (Hiob 2,9 ELB): „Doch ich, ich weiß: Mein Erlöser lebt, als Letzter erhebt er sich über den Staub. Ohne meine Haut, die so zerfetzte, und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen, meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd. Meine Nieren verzehren sich in meinem Innern.“ (Hiob 19,25-27)
Hast du Angst? Bist du bestürzt? Findest du dich ratlos? Verwirrt? Manchmal bedarf es nicht viel. Manchmal reicht schon ein ehrliches „Herr! Rette mich!“ (Mt 14,30). Sodass er uns entgegeneilt. Sofort die Hand ausstreckt. Uns ergreift. Uns aus den Tiefen emporzieht. „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? (Mt 14,31). Ein „Jesus, ich vertraue auf dich!“ ist ein Schauen auf Ihn, nicht auf die Wellen. Das „Richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe!“ (Lk 21,28) ist kein Trick für die Psyche. Kein „positives Denken“. Es ist ein Sich-Öffnen für die ganze Kraft Gottes, die mir in Bethlehem entgegeneilt. Ein Sich-Öffnen für die Umarmung des anscheinend so machtlosen Kindes, das in der Krippe liegt. Wenn das Meer tobt. Wenn die Kräfte des Himmels erschüttert werden. (vgl. Lk 21,25-26) Übergebt euch nicht der Angst, der Bestürzung, der Ratlosigkeit. Richtet euch auf! Schaut auf den Herrn!
Wie erheben wir unser Haupt? Wie bereiten wir uns vor, sodass wir vor den Menschensohn hintreten können, der uns in Bethlehem entgegeneilt? Wie können wir der Welt gerade in der Krise bezeugen, dass es Menschen gibt, die einen Erlöser erwarten?Wachen & Beten
Zu einem ist es das Wachen und das Beten. Das Wachen im Beten. Das Wachen beim Beten. Die Grundintuition von Christen aller Zeiten ist in der Krise immer dieselbe gewesen: Gebet. Und wenn es besonders schwierig wird, wenn es gilt, den Himmel besonders zu bestürmen: Gebet, das von Fasten begleitet wird. Mancher „Dämon“ wird nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben (vgl. Mk 9,29 & Mt 17,21, Fußnote). „Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; dann, in jenen Tagen, werden sie fasten.“ (Lk 5,35).
In diesem Sinn möchte ich jeden, aber eben auch uns als Glaubensgemeinschaft, einladen, drei Tage für eine echte Einheit in unserem Land zu beten und auch zu fasten. Es liegt eine große Kraft darin, wenn eine Gruppe von Menschen in der Einheit vor dem Herrn betet und fastet. Ein Beispiel ist das Zentrum Johannes Paul II. in Wien – dort ist von Dienstag, 30. November, bis Donnerstag, 2. Dezember, Anbetung. Man kann auch online via Livestream mitbeten (auf dem YouTube-Kanal des Zentrums). Vielleicht kannst ja du mit einer Gruppe, deiner Familie oder in deiner Pfarre etwas Ähnliches machen.
Man kann fasten, wie man es für angemessen hält. Für den einen wird es heißen, etwas weniger zu essen oder eine Mahlzeit ausfallen zu lassen. Für den anderen wird es heißen, drei Tage nur flüssige Nahrung oder nur noch Wasser zu sich zu nehmen. Es geht nicht um einen Leistungssport. Vor allem nicht darum, sich zu vergleichen oder besser zu machen als jemand, der äußerlich „weniger“ oder „mehr“ macht. Es geht um unsere Liebe zum Herrn und durch ihn für die Welt. Und da kann es helfen, ab und zu mal etwas „Verrücktes“ zu tun, was unsere Liebe zum Entfachen bringen kann. Und in drei Tagen wird man schon nicht sterben. Aber zugleich soll ich auf mein Herz schauen und einfach das dem Herrn schenken, womit ich glaube, dass er eine Freude hätte und was mir Frieden gibt.
Unser Land, unsere Welt braucht unser Gebet aber vielleicht auch gerade jetzt das für uns so schwierige Pauluswort des stellvertretenden Leidens: „Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinen irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.“ (Kol 1,24). Danke für dein Gebet!Ich zeige euch noch einen anderen Weg. (vgl. 1 Kor 12,31)
keiner wankt in diesen Bedrängnissen. Ihr wisst selbst. Für sie sind wir bestimmt … wir haben es euch vorausgesagt, dass wir in Bedrängnisse geraten werden; und so ist es auch eingetroffen.“ (1 Thess, 3, 2-4) Es geht also um dasselbe Thema des Evangeliums, darum, sich durch den Glauben aufzurichten und das Haupt zu erheben, wenn das Meer tobt, wenn die Kräfte des Himmels erschüttert werden. Das ist also der Kontext für das, was dann am Ende des 3. Kapitels kommt: „Euch aber lasse der Herr wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, … damit euer Herz gefestigt (gestärkt) wird und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott, wenn Jesus kommt.“ (1 Thess 3, 12-13) Was geschieht hier?Euer P. George Elsbett LC





