Mittwoch, 19. September 2012

Entschlossen, in ein Kloster einzutreten

Kristina fragt P. Klaus Einsle LC

Lieber Pater Klaus,

Ich habe mich entschlossen in ein Kloster einzutreten. Dieser Gedanke erfüllt mich sehr mich Freude, Vorfreude und auch mit Neugierde. Ich habe mir vorgenommen nächstes Jahr, wenn ich mit meiner Ausbildung fertig bin, diesen Weg zu gehen.

Nur ist jetzt für mich eine weitere Hürde aufgetreten, nämlich die, in welches Kloster ich eintreten soll. Ich weiß nicht, ob ich in einen kontemplativen Orden eintreten soll oder auch nicht. Des Weiteren bin ich mir nicht sicher, ob ich meinen Beruf, den ich derzeit erlerne, weiter ausüben möchte. Ich habe nämlich festgestellt, dass ich die Zeit in völliger Ruhe und Abgeschiedenheit von der Außenwelt sehr genieße. Jedoch stelle ich mir dann die Frage, ob ich dass für längere Zeit aushalten kann.

Eigentlich wäre es für mich auch praktisch, ein paar Tage im Kloster zu verbringen, um herauszufinden, wie es für mich ist, im Kloster zu leben. Jedoch ist dies nicht ganz einfach, da ich noch bei meinen Eltern wohne und ich ihnen nicht einfach sagen kann, dass ich für ein Wochenende ins Kloster gehe. Für mich ist es sowieso schwierig, ihnen dies zu erzählen, wenn ich für mich das passende Kloster gefunden habe, dass ich diesen Weg gehen möchte. Dies erschwert mir sehr meine jetzige Lage. Ich weiß nämlich wie meine Eltern reagieren werden, wenn ich ihnen mein Vorhaben erzählen werde.

Die Einstellung meines Vaters zum Glauben ist nicht so wie die von meiner Mutter und mir. Er ist griechisch-orthodox, aber hat die katholischen Sakramente empfangen und er war auch Messdiener. Aber er hat eher eine negative Einstellung zum Glauben und ist auch aus der Kirche ausgetreten. Teilweise zieht er mich damit auf, dass ich doch ins Kloster gehen soll, da ich noch keinen Freund habe. Daher weiß ich jetzt schon, wie er reagieren wird, wenn ich ihm davon erzählen werde.

Bei meiner Mutter ist dies nicht so, jedoch wird sie mit meiner Entscheidung auch nicht zufrieden sein. Sie möchte nämlich, dass ich heirate und Kinder bekomme. Die Sachen von meiner kleinen Schwester bewahrt sie schon für meine Kinder auf. Mir macht der Gedanke Angst, ihr zu sagen, dass ich keine Kinder will, sondern ins Kloster gehen möchte. Ich weiß nämlich, dass sie es schlimm findet, wenn Kinder Priester werden oder in ein Kloster eintreten, da ich ihr von meinem Freund aus der Suchbewegung erzählt habe. Sie findet es sehr schrecklich für die Mütter, wenn eines der Kinder einen solchen Weg wählt. Vor kurzem habe ich ihr erzählt, dass mich eine Freundin aus der Suchbewegung gefragt hat, ob wir einmal eine Klostertour machen können. Darauf fragte mich meine Mutter entsetzt, ob ich ins Kloster gehen will und ich konnte nichts anderes als nein sagen. Es hat mir so in der Seele wehgetan, da ich meine Berufung verleugnet habe, da ich fühlen konnte, dass sie durch meine Antwort sehr erleichtert war. Ich bin teilweise schon am verzweifeln, da ich diesen Schritt unbedingt gehen will, aber andererseits ist da meine Familie, die diesen Schritt nicht oder vielleicht auch gar nicht akzeptieren kann. Vielleicht können sie mir eine Antwort auf mein Schreiben geben, die mir helfen kann. Schon einmal vielen Dank für das Lesen dieses Briefes.

Alles Gute und Gottes Segen!

Kristina

 

Liebe Kristina in Christus,

viele Grüße und herzlichen Dank für die Anfrage.

Es ist wunderbar zu sehen, wie Gott Menschen heute beruft, Ihm zu folgen und sich ganz in seine Nachfolge zu begeben. Mich erreichen viele Briefe von Menschen aller Altersstufen, die mir von der gleichen Sehnsucht erzählen. Und auch von den Sorgen und Nöten, die die Entscheidung zu einer Berufung mit sich bringt.

Liebe Kristina, Sie sprechen von Ihren Eltern und den Schwierigkeiten, die sie wohl mit Ihrer Berufung haben würden. Dazu kann ich eigentlich nur die Worte Jesu aufnehmen und weitergeben: Die Liebe zu Gott muss höher stehen als die Sorge um die Meinung anderer, sogar wenn es sich um unsere Eltern handelt. Kristina, ich nehme an, Sie sind bereits volljährig. Dann müssen Sie Ihr Leben jetzt selber leben und auch dafür verantwortlich sein. Weder Ihre Eltern noch sonst jemand soll Sie von Ihren Überzeugungen abbringen, vor allem nicht, wenn es sich um einen Ruf Gottes handelt.

Wir können uns gerne einmal treffen, um persönlich darüber zu reden. Ich wohne in Düsseldorf und hoffe, dass es Ihnen möglich sein wird, dorthin zu kommen.

In der Zwischenzeit beten wir gemeinsam dafür, das Gott Ihnen das nötige Licht gibt, um Ihnen den Weg mit Klarkeit zu zeigen, und die Kraft, ihn auch zu gehen.

In Christus,

P. Klaus Einsle LC

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    Kristina fragt P. Klaus Einsle LC

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