Mittwoch, 19. September 2012

Bin ich berufen?

Kristina fragt P. Klaus Einsle LC

Sehr geehrter P. Klaus Einsle LC,

mich beschäftigt wie auch andere die Frage, ob ich berufen bin. Deshalb schreiben ich ihnen mein Anliegen.

Kurz etwas zu meiner Vorgeschichte.

Ich bin im August 1984 geboren, katholisch getauft, zur Kommunion gegangen und gefirmt. Jedoch war ich bis zum 19. April 2005 bekennender Atheist. Ich habe mich nie besonders mit dem Thema Religion auseinander gesetzt. Doch am 19. April des Jahres 2005 kam es ganz anders.

Die letzten Tage von Papst Johannes Paul II. hatten mich sehr interessiert. Ich war sogar etwas traurig darüber, dass der Papst gestorben war. Seitdem war ich von diesem Thema nicht mehr abzubringen. Ich verfolgte alles, soweit dies mein Terminplan zuließ, was mit dem Begräbnis und dem Konklave zu tun hatte. Sobald ich zu Hause war, wurde der Fernseher eingeschaltet, um ja nicht den weißen Rauch zu verpassen.

Und dann geschah es. Weißer Rauch! Für mich war es klar. Es konnte niemand anderes sein, als Joseph Kardinal Ratzinger.

Ich hatte zuvor weder von ihm etwas gehört, konnte mir nichts unter der Person vorstellen und ich wusste noch nicht einmal was ein Kardinal war.

Und ich hatte Recht. Joseph Kardinal Ratzinger wurde Papst. Seitdem kam alles ins Rollen. Ich wollte mehr über diesen Mann erfahren, der so gläubig ist, was für mich unvorstellbar war. Je mehr ich über ihn lass, desto sympathischer wurde er mir. Durch das Lesen seiner Bücher habe ich eine ganz andere Einstellung zum Glauben bekommen. Ich konnte mir etwas darunter vorstellen, nach den 10 Geboten zu leben, was früher für mich ein Unding war. Seitdem bin ich kein Atheist mehr.

Es kam dann auch dazu, dass ich mit meiner Familie den Urlaub in Bayern verbracht habe, um mir die Orte anzusehen, wo der Papst gelebt hatte.

So kam es, dass wir wieder einmal gemeinsam durch eine Kirche gingen. Mir kam aus heiterem Himmel der Gedanke ins Kloster einzutreten. Auch der Gedanke, eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen war mir nicht mehr wichtig. Jedoch glaubte ich, dass es nur ein Hirngespinst war. Jedoch hatte ich mich geirrt.

Seit Oktober nehme ich an einer Suchbewegung teil, bei der es darum geht, nach dem Sinn des Lebens und nach Gott zu suchen. Ein Mitsuchender hat uns im März eröffnet, dass er in Kloster eintreten will. Ich war total überrascht. Jedoch habe ich schon bei seiner Begrüßung gemerkt, dass er sich sehr verändert hat und so viel Freude und Energie ausstrahlt, wie ich es bei keinem Menschen zuvor erlebt habe.

Seitdem kreist wieder dieser Gedanke in mir, ob ich berufen bin. Ich bin die ganze Zeit auf der Suche nach Informationsmaterial, was mir vielleicht hilft herauszufinden, ob ich berufen bin. So bin ich auch auf diese Seite gestoßen. Dass man hier Fragen stellen kann, hat mich sofort angesprochen, da ich niemanden habe, mit dem ich über dieses Thema reden kann. Das fehlt mir sehr. Ich habe zwar einen geistlichen Begleiter, jedoch kann ich mit ihm darüber nicht sprechen.

Ich bedanke mich schon einmal im Vorhinein.

Gottes Segen!

Kristina
    

Dein Reich komme!

Liebe Kristina in Christus,

herzlichen Dank für Deine schönen Zeilen, die Du an mich gesandt hast.

Es ist herrlich zu sehen, wie unterschiedlich Gott Menschen ansprechen kann. Auch Deine Erlebnisse sind ein schönes Zeugnis dafür, dass Gott uns Menschen sucht, dich sucht.

Eine Berufung ist eine Liebesgeschichte zwischen zwei Personen eine davon ist der Mensch, die andere Gott. In diesem Fall bist Du die Auserwählte. Nun liegt es an Dir, diesem Ruf zu folgen und auf die Einladung zu antworten, oder aber Gott eine Absage zu erteilen. Denn Gott zwingt nicht, sondern lädt ein und wartet, auf die freie und liebevolle Antwort des Menschen.

Wenn Gott ruft, dann ruft er nicht im allgemeinen, sondern sehr konkret: sehr konkrete Personen, auf einem sehr konkreten Weg. Wenn wir den Ruf Gottes spüren, dann sollen wir uns auf die Suche machen, um den Weg zu finden, auf dem er uns haben möchte. Dieser Weg ist der erfüllendste, den wir in unserem Leben gehen können. Auch andere sind möglich, aber nur einer ist der, den Gott sich für uns ausgedacht hat.

Nun stellt sich uns aber die Frage: Wie kann man den Weg finden, den der Herr in seiner Liebe und Güte mit einem gehen will? Drei sind die normalen Mittel, die ich Dir ans Herz legen möchte:

1. Antwort auf die Frage: Was kann und was will ich gerne tun? Man nennt das auch die Frage nach Eignung und Neigung. Durch die Antwort darauf werden wir uns klarer über Gottes Ruf werden.

2. Das tägliche Gebet: in der Stille unseres Herzens, im vertrauten Dialog mit dem Gott unseres Lebens, entdecken wir seinen Willen; im Gebet wird Gott uns mehr Klarheit geben und uns führen.

3. Die Begleitung durch einen erfahrenen geistlichen Begleiter. Dieser wird gemeinsam mit uns versuchen, denn Willen Gottes zu erkennen und uns führen, leiten und ermutigen.

Liebe Kristina, letzlich möchte ich sagen, dass eine Berufung Zeit braucht. Sie reift wie eine Pflanze, langsam und solide. Daher bete, suche, nimm Hilfe in Anspruch. Und lass Dich langsam führen. Gott wird mit Dir einen schönen Weg gehen, wenn Du möchtest.

Ich begleite Dich mit meinem Gebet und würde mich freuen, später zu hören, wie es Dir ergangen ist. Gott segne Dich.

Dein

P. Klaus Einsle LC

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    Kristina fragt P. Klaus Einsle LC

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