Eine internationale Studiengruppe: Mitbrüder aus Korea, Indien, Kanada, Deutschland. Ich studiere hier derzeit im dritten Semester Theologie an der päpstlichen Hochschule „Regina Apostolorum“. Hier treffe ich fast die „ganze Welt“. Unter meinen Kommilitonen sind Seminaristen aus Spanien, Kroatien und Italien, aus Indien und Korea, aus Nigeria, dem Sudan und der Elfenbeinküste, und auch die amerikanischen Kontinente sind von Kanada bis Brasilien beinahe vollständig vertreten. Die (sprachliche) Verständigung ist da nicht immer einfach. Jeder Tag birgt auch in den alltäglichsten Sachen ein Abenteuer.
Wandern, Sport und Natur - wichtige Momente für das Gemeinschaftsleben als Ordensmann. „Out-of-the-box“-denken
Br. Rafael ist außerdem einer der Busfahrer der Gemeinschaft der Legionäre Christi in Rom, bei Ausflügen, Wallfahrten und Veranstaltungen. Fußballspielen oder einfach nur zum Beisammensein. Aber auch geistlich gehen mir da immer wieder neue Horizonte auf. Wir Menschen tendieren ja gerne dazu, nicht sehr weit über unseren Tellerrand hinauszuschauen. Wenn man dann auf Menschen aus einer anderen Kultur trifft, merkt man plötzlich auch, wie sehr die eigene Gottesbeziehung bereichert wird, oftmals auch richtiggehend befreit werden kann, indem man dazu „gezwungen“ wird, „out-of-the-box“ zu denken. Für die Seminaristen aus dem Sudan beispielsweise ist Christenverfolgung nicht nur ein Begriff aus den Fürbitten des Sonntagsgottesdienstes, auch nicht eine Erfahrung des medialen Geschehens, wie wir das ja hier in Europa meist „nur“ erleben. Nein, viele aus diesem Land im Nord-Osten Afrikas haben Familienangehörige, die für ihren Glauben tatsächlich als Märtyrer gestorben sind.
Vielseitig: Haircut - alles was die Ordensleute selbst erledigen können, packen sie an. Solide-katholische und umfassende Ausbildung
Als Allgäuer fühlt sich Br. Rafael in den Bergen immer wie zu Hause. Derzeit helfe ich auch in der Personalabteilung der Generalverwaltung unserer Ordensgemeinschaft aus, bin für meine Mitbrüder ab und zu Friseur, und viele weitere, anfallende Arbeiten im Haus packen wir zusammen an: abwaschen, putzen, kochen usw. Vor einiger Zeit hat Gott mir auch einen Kindertraum erfüllt: Ich konnte in Rom den Busführerschein der Klasse D absolvieren.Freude und Dankbarkeit
Zur Person
Br. Rafael Böhm, 29, stammt aus der Pfarrei St. Martin in Marktoberdorf. 2012 trat er ins Noviziat der Legionäre Christi ein und legte 2014 seine ersten Gelübde ab. Anschließend studierte er in Monterrey, Mexiko, sowie in Rom, Italien. 2018 begann er ein zweijähriges Praktikum als Erzieher für die Oberstufe an der Apostolischen Schule der Legionäre Christi in Bad Münstereifel (Erzdiözese Köln). Derzeit studiert er Theologie an der päpstlichen Hochschule Regina Apostolorum in Rom, um sich auf die Weihen vorzubereiten.
Die Erstveröffentlichung des Beitrages erfolgte im Pfarrboten der Pfarreiengemeinschaft Marktoberdorf, Ausgabe 2021.
