Donnerstag, 17. August 2017

Vorbereitung auf künftige Aufgaben als Priester

Br. João Paulo Jäger LC beginnt sein Apostolisches Praktikum im Regnum Christi in Bayern. Im Interview stellen wir den Ordensmann aus Brasilien näher vor.

Im Sommer dieses Jahres kam Br. João Paulo (Johannes Paul) Jäger LC neu nach Deutschland, um hier sein Apostolisches Praktikum zu absolvieren. Br. Johannes Paul wird P. Martin Baranowski LC in der Kinder- und Jugendpastoral des ECyD und Regnum Christi in Bayern unterstützen. Mit 17 Jahren trat Br. Johannes Paul 2010 ins Noviziat der Legionäre Christi in São Paulo (Brasilien). Dort erwachte in ihm auch das Interesse für die Musik und er begann Orgel zu spielen. Nach der ersten zeitlichen Profess 2012 wechselte er für die Humanistischen Studien nach Monterrey (Mexiko), wo er zufällig begann Deutsch zu lernen. Von 2014 bis zum Sommer 2017 studierte er in Rom Philosophie, das er mit dem Bachelor abschloss.

Im Interview erzählt von seiner Familie, woher sein Nachname Jäger stammt, wie er die Legionäre Christi kennengelernt hat und mit welcher Motivation er sein Praktikum in Deutschland angeht.

 

Jäger ist ein deutscher Name. Stammen Sie aus Deutschland?

Br. Johannes Paul: Meine Urgroßeltern sind in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg aus Bayern ausgewandert und haben im Bundesstaat Santa Catarina im Süden von Brasilien einen neue Heimat gefunden. Dort bin ich geboren und aufgewachsen. Meine Großeltern väterlicherseits haben noch Deutsch gesprochen, die Familie meiner Mutter stammt jedoch aus Polen. Deshalb haben meine Eltern mit meinen drei älteren Geschwistern und mir zu Hause immer Brasilianisch gesprochen.

Wie kamen es zu Ihrem Vornamen Johannes Paul?

Br. Johannes Paul: Meine Großväter hießen Johannes mütterlicherseits und Paul väterlicherseits. Beide waren schon vor meiner Geburt verstorben, so dass meine Familie ihnen ein Andenken hinterlassen wollten. Daher kam meine Großmutter auf die Idee, beide Vornamen zu verbinden und mich nach dem damaligen Papst Johannes Paul II., den sie sehr verehrte, zu benennen. Das brachte der Familie Frieden und mir den Vornamen João Paulo – Johannes Paul.

Br. João mit seinen ElternBr. João mit seinen ElternWelche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit?

Br. Johannes Paul: Ich wuchs wohlbehütet auf einem Bauernhof auf. Meine Oma war immer sehr in der Pfarrgemeinde engagiert, und auch im Familienleben gehörten Glaube und Gebet selbstverständlich dazu – ich erinnere an verschiedene Gebetsgruppen, das gemeinsame Gebet des Rosenkranzes in der Familie, viele Novenen und anderen Formen der Volksfrömmigkeit. Ich habe eine vier Jahre ältere Schwester und zwei zehn und elf Jahre ältere Brüder. Als Jüngster der Familie erhielt ich von ihnen zahlreiche Hilfen, aber weil sie durch Studium und Arbeit oft außer Haus waren, blieb viel von der häuslichen Arbeit an mir hängen. Dennoch blieb ausreichend Freizeit, um mit meinen Geschwistern und Freunden mit dem Fahrrad durch die Felder zum Schwimmen und Angeln an einen nahegelegenen Fluss zu fahren.

Wie haben Sie die Legionäre Christi kennen gelernt?

Br. Johannes Paul: Das ist eine spannende Geschichte: Schon als Kind hatte ich den Wunsch, Priester zu werden, und war deshalb auch in meiner Pfarrei als eifriger Ministrant bekannt. Doch als eines Tages ein Legionär Christi meine Pfarrei besuchte und den Ministranten von der Apostolischen Schule erzählte, war nicht gerade nicht da. Doch meine Freunde, die von meinem Interesse am Priestertum wussten, gaben dem Pater meine Adresse und meinten, dass er mich einladen solle. Zunächst geschah nichts, erst einige Zeit später stellte meine Religionslehrerin, die das mitbekommen hatte, den Kontakt her, und so konnte ich die Apostolische Schule besuchen.

 

Wie war der erste Kontakt?

Br. Johannes Paul: Der erste Besuch in der Apostolischen Schule im Oktober 2006 hat mich fasziniert. Ich traf hier über hundert Jungen aus verschiedenen Teilen Brasiliens, und ich bewunderte die Freude, die Nächstenliebe und das Interesse am Gebet, die sie ausstrahlten. Das gemeinschaftliche Gebet, die Feier der heiligen Messe, die Gesänge und die Gemeinschaft begeisterten mich. Bislang wollte ich eigentlich immer Pfarrer werden, doch durch den Kontakt mit Patres aus verschiedenen Ländern wuchs in mir der Wunsch, Missionar und Ordensmann zu sein.

 

Sind Sie dann auf die Apostolische Schule gegangen?

Br. Johannes Paul: Nach meinem Besuch wollte ich eigentlich sofort auf die Apostolische Schule wechseln. Doch meine Eltern waren zunächst gar nicht so begeistert von dieser Idee: Meine Mutter konnte sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass ich auf eine Schule gehe, die über drei Stunden von zu Hause entfernt liegt. Mein Vater hatte aufgrund einer Krankheit sein rechtes Bein verloren und schätze daher meine Mitarbeit in unserem landwirtschaftlichen Betrieb. Doch ich ließ nicht locker und nach drei Monaten gaben meine Eltern mir schließlich ihre Erlaubnis zum Schulwechsel. So kam ich mit 14 Jahren auf die Apostolische Schule.

Wie ging dann Ihr Weg weiter?

Br. Johannes Paul: Drei Jahre verbrachte ich in der Apostolischen Schule in Curitiba. Mit 17 Jahren trat ich ins brasilianische Noviziat der Legionäre Christi in São Paulo ein und verbrachte dort zwei Jahre. Dort erwachte auch mein Interesse an der Musik und ich begann, Orgel zu spielen. Nach der Profess 2012 beendete ich mein Abitur – das war in Brasilien so üblich – und wechselte zu den humanistischen Studien nach Monterrey in Mexiko. Ohne zu ahnen, dass ich einmal nach Deutschland kommen würde, begann ich dort aus eigenem Antrieb, etwas Deutsch zu lernen. Auf die Zeit in Mexiko folgte die große Reise nach Europa. Von 2014 bis zu diesem Sommer durfte ich in Rom Philosophie studieren und mit dem Bachelor abschließen. Dabei interessierte mich besonders die Beziehung zwischen Glaube und Vernunft. Beschäftigt habe ich mich dabei mit dem Proslogion des hl. Anselm von Canterbury und der Enzyklika Fides et ratio vom hl. Papst Johannes Paul II.

Br. João (ganz hinten) mit den Teilnehmern des Sommerkurses der Apostolischen SchuleBr. João (ganz hinten) mit den Teilnehmern des Sommerkurses der Apostolischen SchuleWie hat sich Ihre Berufung entwickelt?

Br. Johannes Paul: Zunächst einmal musste in der Apostolischen Schule mein Verständnis reifen, was eine Berufung überhaupt ist und was eine Ordensberufung beinhaltet. Im Noviziat überforderte mich zuweilen das straffe sportliche Programm, während der humanistischen Studien kam mir auch mal der Gedanke, ob ich mich nicht als Mönch in ein Kloster zurückziehen sollte. Dennoch wuchs in mir im Laufe der Zeit im Gebet vor der Eucharistie immer mehr die Gewissheit, dass das Ordensleben bei den Legionären Christi mein Weg der Nachfolge Christi ist. Sehr dankbar bin ich meinen Oberen und Ausbildern, die mich auf diesem Weg im Laufe der letzten Jahre mit viel Geduld, Gebet und ihrem Beispiel begleitet haben. Besonders wichtig ist mir, meinen Berufungsweg an der mütterlichen Hand von Maria zu gehen.

Haben Sie damit gerechnet, Ihr Praktikum in Deutschland zu verbringen?

Br. Johannes Paul: Obwohl ich während meiner Ausbildung immer wieder auch Deutsch gelernt hatte, war ich vollkommen überrascht, als mich an einem Nachmittag im Mai die Nachricht erhielt, dass ich zum Praktikum nach Deutschland geschickt würde. Zunächst rechnete ich damit, im Ausbilderteam der Apostolischen Schule eingesetzt zu werden. Doch später erfuhr ich, dass ich für Kinder- und Jugendarbeit in Bayern vorgesehen war und mit P. Martin Baranowski zusammenarbeiten werde. Nachdem der erste „Schreck“ verflogen war (lacht), freute ich mich darauf, eine neue Sprache und Kultur kennen zu lernen. Natürlich war mir auch bewusst, dass es nicht so einfach wird.

Was erwarten Sie von Ihrer Zeit in Deutschland?

Br. Johannes Paul: Während meiner ganzen Ausbildungszeit habe ich immer wieder in Pfarreien und Schulen beim Religionsunterricht ausgeholfen und an verschiedenen Orten schon einige Erfahrungen in der Jugendarbeit gesammelt. Ich freue mich nun, nach dem Philosophiestudium in direkten Kontakt mit Kindern und Jugendlichen zu kommen, Zeugnis für meinen Glauben zu geben und mich dadurch weiter auf meine künftige Aufgabe als Priester vorzubereiten. Jetzt aber heißt es erst mal Deutsch lernen. Da ich mit P. Martin Baranowski viel unterwegs sein werde, möchte ich auch noch den Führerschein machen.

 

Additional Info

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    Br. João Paulo Jäger LC beginnt sein Apostolisches Praktikum im Regnum Christi in Bayern. Im Interview stellen wir den Ordensmann aus Brasilien näher vor.

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