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Donnerstag, 30. April 2020

Wie wir den Glauben leben

Vier Freunde und Mitglieder des Regnum Christi in Österreich erzählen, wie sie den Glauben in Zeiten von Corona leben und was sich für sie geändert hat

Tobias beim gemeinsamen GebetTobias beim gemeinsamen GebetZweimal täglich mit anderen gemeinsam beten, und das in Zeiten von „social distancing“? Geht doch! „Wir von ECYD beten auf Zoom jeden Tag um 8.30 Uhr und 20.30 Uhr“, schildert Tobias (14) aus Oberösterreich. „Meistens sind wir zwischen 8 und 10 Teilnehmer aus ganz Österreich, auch Pater Leonhard Maier ist dabei. Nach dieser Viertelstunde tauschen wir uns noch gemütlich aus. Das taugt mir voll und ist sehr hilfreich, weil ich sonst einfach nicht die Kraft hätte, die ich mir früher über die ECYD-Camps geholt habe. Natürlich wären normale Treffen besser, aber die digitalen sind auch sehr cool.

Anna (rechts) während der Liveübertragung vom 3. Sonntag in der OsterzeitAnna (rechts) während der Liveübertragung vom 3. Sonntag in der OsterzeitDen Sonntagsgottesdienst in der Pfarre vermisse er, sagt Tobias. „Aber wir waren als vergangenen Sonntag in einer Anbetung in der Nachbargemeinde. Das hat unserer Familie recht gutgetan. An einem normalen Sonntag wie früher hätten wir das wahrscheinlich nicht gemacht. Zu Ostern hat uns ein Priester die heilige Kommunion ins Haus gebracht. Wir beten nun auch als Familie mehr, meist am Morgen und am Abend, weil wir während der Woche mehr Zeit haben und wir Kinder nicht in der Schule sind.“

Auch habe er jetzt mehr Zeit mit als sonst zum Nachdenken, meint Tobias. Angesichts der sich überschlagenden Meldungen überlasse er alles dem Herrn. „Ich kann nämlich vieles von dem, was man an Neuigkeiten so hört, gar nicht einordnen.“ Dass die Familie am Land lebe, sei ein großes Geschenk, erwähnt er. „Denn wir können jederzeit rausgehen und vieles tun, was andere nicht tun können.“ Er genieße jedenfalls diese Zeit, freut er sich. „Ich wachse in der Beziehung zu Jesus Christus, ganz sicher, das merke ich, selbst ohne Eucharistie und hl. Kommunion!

Verbunden sein auf andere Weise

Martinas Söhne sehen sich gemeinsam das Heiligenbuch anMartinas Söhne sehen sich gemeinsam das Heiligenbuch anOb sich im Glaubensleben seit Beginn der Krise etwas verändert hat? „Das ist eine spannende Frage“, reagiert Anna aus Wien. „Ja“, antwortet sie dann nach längerem Überlegen. „Es hat sich viel geändert. Zum Beispiel ist mir der Rosenkranz ganz, ganz wichtig geworden. Mit dem Rosenkranz hatte ich nach meiner Bekehrung vor mehreren Jahren beten gelernt. Diese Vertrautheit, diese Meditation, ist jetzt so eingebettet in meinem Herzen, dass mich dieses Gebet vor allem in einer Krisensituation wie jetzt wieder sehr zum Herrn führen kann.Zum Herrn führe sie auch das Musizieren mit anderen, der Worship, jetzt sei man halt digital miteinander verbunden, aber agiere dennoch professionell. „Worship, das ist das eigene Gebet in der Musik, das ist Singen für den Herrn, ganz ohne Selbstzweck.“ Auch spüre sie in diesen Wochen eine viel intensivere Verbundenheit mit den Freunden aus der Kleingruppe des Zentrums Johannes Paul II. „Wir sehen uns zwar nicht persönlich und es passiert weniger, es gibt also weniger Aktion. Wir fokussieren uns bei unseren Chat-Treffen mehr auf Punkte, die tiefer verborgen sind, und gehen intensiver darauf ein. Wir lernen uns jetzt besser kennen.“ Diese digitalen Treffen verliefen zudem entspannter, man müsse nicht erst wo hinfahren, könne sich mehr Zeit fürs Gespräch nehmen, sieht die junge Frau darin auch Vorteile. „Es ist ein tiefes Verbundensein mit den Freunden, halt auf eine andere Weise.“ Im Glauben tiefer zu gehen, sei für sie ein zentraler Aspekt in dieser Krisenzeit, resümiert Anna. „Das ist zwar nicht immer einfach. Aber das Vertrauen in den Herrn und die Fürsprache für andere und die Welt wachsen.

Die Familie von Stefan vor der HauskapelleDie Familie von Stefan vor der HauskapelleZeit, die uns Gott schenkt

Bei uns hat sich absolut viel verändert“, blickt Martina aus Oberösterreich auf die vergangenen Wochen zurück.Wir beten nun in der Familie regelmäßig, am Abend immer den Psalm 91 – Unter dem Schutz des Höchsten – und den Rosenkranz. Mit unseren Söhnen lesen wir Heiligengeschichten. Diese Geschichten helfen uns, auch tagsüber über den Glauben ins Gespräch zu kommen, was wir von den Heiligen lernen können. Die Krise ist auch eine Zeit, die Gott uns schenkt, dass wir unsere persönlichen Beziehungen zu ihm stärken können, ist die Mutter überzeugt.

Die Gemeinschaft mit den anderen Gläubigen vor Ort fehle natürlich, räumt sie ein, aber an Stelle dessen sei halt Anderes und Neues getreten. „Wir musizieren in der Familie, gestalten einen Lobpreis und nutzen das Web beispielsweise dafür, um gute Musik zu hören.“ Sonntags feiere man via Livestream die heiligen Messen mit Pater Thomas Gögele LC in der Pfarre Asten oder mit den Priestern im Zentrum Johannes Paul II. in Wien oder auch mit Missio-Nationaldirektor Karl Wallner. (Missio ist das päpstliche Missionswerk in Wien)

Die Familie sei auch in Krisenzeiten frohen Mutes, freut sich Martina: Gott ist mit uns. Wir haben nie Angst gehabt und haben auch jetzt keine Angst, denn wir sind in seinen Händen, das wird uns aktuell sehr bewusst. Er trägt uns durch, egal, wie es weitergeht!“

Neue Vielfalt im Glauben

„Den Verzicht auf die physische Teilnahme an Gottesdiensten empfinden wir als junge Familie gar nicht so negativ. Denn seit dem Beginn der Krise ist unser Gebetsleben zu Hause in den Vordergrund gerückt und wir haben einiges dazugelernt, schildert Stefan aus Wien. „Es werden zwar wirklich viele Gottesdienste gestreamt, aber beim Thema Hauskirche sind wir quasi auf uns allein gestellt. In meiner Rolle als Ehemann und Vater stelle ich mir die Frage: Wie beten wir nun als Familie, was ist meine Aufgabe dabei, wie leben wir den Glauben gemeinsam? In diesen Wochen haben wir eine neue Vielfalt kennengelernt. Wir hatten früher schon regelmäßig gebetet, aber in dieser Krisenzeit ist es noch einmal etwas anders und besonders. Wir haben ein Gästezimmer, das wir jetzt auch als Hauskapelle nutzen. Neu ist jetzt, dass wir hier auch die Gottesdienste feiern. Am Ostersonntag haben wir dort um 5 Uhr Früh via Stream die Auferstehung gefeiert, das war sehr tiefgehend und berührend. Wenn wir Messen via Livestream mitfeiern, ist es spannend zu sehen, wie diese anderswo gestaltet werden und was die Priester uns in der Predigt mitgeben.

Das Glaubensleben sei jedenfalls in den vergangenen Wochen bereichert worden, resümiert Stefan: „Es hat für Mareike und mich an Tiefe gewonnen!“

 

 

 

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    Vier Freunde und Mitglieder des Regnum Christi in Österreich erzählen, wie sie den Glauben in Zeiten von Corona leben und was sich für sie geändert hat

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