Donnerstag, 7. November 2019

Erreichbar und nah

Was meint Heiligkeit eigentlich? Und was verstehen Menschen „wie du und ich“ darunter? – Verschiedene Antworten und Impulse von Menschen von heute.

Teresa und EmanuelTeresa und EmanuelEs ist ein oft gehörter Begriff: Heiligkeit. Aber was heißt das eigentlich? Der Blick auf die Heiligen „schützt vor Schwarzseherei“, sagte Kardinal Christoph Schönborn am Vorabend des diesjährigen Allerheiligenfestes. Und was verstehen Menschen „wie du und ich“, Christen im Alltag, unter Heiligkeit? Wie genau suchen sie danach? Auf welche Weise glauben sie, heilig werden zu können?

Franz Schöffmann hat sich zum Thema ein wenig im Regnum Christi und „Zentrum Johannes Paul II.“ in Wien umgehört und verschiedene interessante Antworten zusammengetragen.

Teresa & Emanuel: „Sich jeden Tag neu für die Liebe entscheiden“

„Heiligkeit ist für uns ein konkretes Ziel und Teil unserer Berufung als Ehepaar. Wir glauben, dass wir uns gegenseitig in Liebe, tiefem Respekt, Annahme und Hingabe aneinander und an unsere Kinder und Mitmenschen, Stück für Stück diesem Ziel näherbringen können. Heiligkeit ist für uns eine Frucht aus der konkreten Gemeinschaft mit Jesus, die in den täglichen Freuden und Leiden des Alltags stattfindet. Uns ist klar, dass wir uns diese Heiligkeit durch noch so viel Gutes-Tun nicht erarbeiten oder durch die eigene Leistung erwirken können, denn alles ist Gnade und nur durch Gottes Liebe existieren wir überhaupt.“   

„Holiness is what I long for, Holiness is what I need, Holiness is what you want from me. So take my heart and form it, take my mind, transform it, take my will conform it, to yours, oh Lord.“ (Donnie McClurkin)

„Heiligkeit bedeutet nicht Perfektion, sondern Fehler machen, hinfallen, schwach sein dürfen, damit Gott in uns stark sein kann! Dann aber wieder aufstehen, mich jeden Tag neu für die Liebe entscheiden – egal, wie müde oder überarbeitet ich bin, einander verzeihen, nicht verurteilen, sondern mit einem barmherzigen, wohlwollendem Blick auf den anderen schauen, das Gute in den anderen suchen und darüber reden, anstatt schlecht zu reden, andere Meinungen und Sichtweisen gelten lassen, anstatt auf meiner subjektiven Wahrheit zu beharren, geduldig, liebevoll und gütig sein. Aus diesem Wissen, dass ich zutiefst geliebt und gewollt bin von Gott, kann ich mich hingeben und zur Verfügung stellen. 

AlexandraAlexandraDie heilige Messe und die Beichte sind für uns Nahrung und wie ein Turbo-Lift Richtung Heiligkeit und hier erleben wir Gottes Größe und Barmherzigkeit. Eines unserer Lieblingsgebete (Nikolaus von Flüe, 1417-1487) lautet: ‚Mein Jesus, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir, mein Jesus, schenke alles mir, was mich näher bringt zu Dir, mein Jesus, nimm mich ganz mir und mach mich ganz zu eigen Dir!‘“

Alexandra: „Jesus zu lieben ist der erste Schritt zur Heiligkeit“

„Gerade jetzt zu Allerheiligen macht man sich Gedanken über das Heiligsein. Heilig – wow – ein großes Wort. Aber was genau heißt das? Ist das nur etwas für Priester und Geistliche? Papst Franziskus erinnert uns immer wieder daran, dass Jesus uns alle dazu aufruft, nach Heiligkeit zu streben. Wir sind dazu berufen, heilig zu werden. Aber wie?

Ich denke, Jesus zu lieben ist der erste Schritt zur Heiligkeit. Alles aus der Liebe zu ihm heraus zu tun. Ich persönlich neige dazu, ein Controlfreak zu sein. Es fällt mit sehr schwer, die Kontrolle über eine Situation abzugeben, zu vertrauen. Aber genau das will Jesus von mir, ihm zu folgen, ihm zu vertrauen, seinen Willen zu tun, auch wenn ich mal überhaupt nicht weiß, wohin er mich führt. 
Lucia und Hans-PeterLucia und Hans-Peter

Ich glaube, es sind wirklich die kleinen Situationen im Alltag, in denen wir nach Heiligkeit streben können. Jemanden ein Lächeln schenken, auch wenn wir uns selbst gerade gar nicht gut fühlen, jemanden Zeit schenken, auch wenn wir selbst gerade gestresst sind.“

Lucia & Hans-Peter: „Sich ganz der Liebe Gottes öffnen“

Für das Ehepaar Hauser sind die Sakramente Wegbegleiter zu Heiligkeit.

„Heiligkeit hat für uns nichts mit Perfektion zu tun, früher dachten wir das. Heute streben wir Heiligkeit in unserer Ehe und unserem Leben an, was für uns bedeutet, unser Denken, Reden und Tun an der Liebe und dem Willen Gottes orientieren zu wollen. Es bedeutet für uns auch die Bereitschaft, sich ganz der Liebe Gottes zu öffnen und alles seiner unendlichen Liebe und Allmacht anzuvertrauen. Gott ist die Quelle unseres Glücks, von unserem Partner sollten wir das nicht erwarten. Dies hat uns auf einen wunderbaren Weg geführt, wo es freilich auch Abstürze gibt und wir dabei einander und andere verletzen. Wir durften lernen, uns in diesen Momenten ganz besonders von Gott geliebt und angenommen zu wissen, uns wieder neu auf die Liebe auszurichten und auf den Weg zu machen. Der Empfang der Sakramente ist uns dabei ein sehr kostbarer Wegbegleiter geworden.“

Christoph mit FamilieChristoph mit FamilieChristoph: „Demut ist ein Kennzeichen der Heiligkeit“ 

Die Heiligkeit zeige sich in den kleinen Dingen, ist Familie Link überzeugt. 

Bei Heiligkeit denke ich an Ignatius von Loyola, der interessanterweise am Anfang Soldat war und als solcher Rom für sich und seine Familie erlangen wollte. Er wird verwundet, bekehrte sich und versuchte immer noch Ruhm zu erlangen, aber diesmal religiös. Und er wird tatsächlich erst heilig, nachdem er diese weltliche Komponente – dass ich im Ausgleich etwas dafür bekomme, wenn ich mich heiliggemäß verhalte – ablegt“, schildert Christoph (hier mit seiner Frau Helena und den Töchtern Apollonia und Magdalena bei einem Herbstspaziergang).

Ich glaube, dass das Kennzeichen der Heiligkeit die Demut ist. Ich hatte früher eine große Bewunderung für die Blutzeugen, die habe ich immer noch, weil das ein sehr starkes Zeichen ist. Wir fokussieren uns gerade als Familie – und ich mich als Person – auch auf so etwas wie der Heiligkeit der kleinen Dinge. Gott hat mich an diesen Ort, in diese Welt gesetzt – und das muss ja irgendetwas bedeuten. Ich muss mich selber heiligen und ich kann andere Menschen dabei unterstützen, sich selber zu heiligen. In dem Sinn also missionarisch wirken – über dieses Stärken der Brüder und Schwestern. Das ist der Ruf der Heiligkeit, glaube ich, vielleicht auch ein Stück weit der Demut, nicht der großen Dinge. Inhaltlich ist Heiligkeit für uns die Hingabe an Gott, das Hören auf sein Wort. Heiligkeit zeigt sich in den kleinen Dingen.“

Papst Franziskus: „Heilige sind keine Symbole, sondern uns nah“

Wir alle seien zur Heiligkeit berufen, erinnerte er beim Angelus-Gebet am 1. November 2019.

„Die Heiligen aller Zeiten, die wir heute gemeinsam feiern, sind nicht nur Symbole, entfernte, unerreichbare Menschen. Im Gegenteil, sie sind Menschen, die mit den Füßen auf dem Boden gelebt haben; sie haben die tägliche Mühe der Existenz mit ihren Erfolgen und Misserfolgen erlebt und im Herrn die Kraft gefunden, immer wieder aufzustehen und den Weg fortzusetzen.“

Heiligkeit sei kein Ziel, das wir „mit eigenen Kräften“ erreichen, erinnerte der Papst. Sie sei auch kein Gut, das gekauft oder umgetauscht werden könne. Heiligkeit sei vielmehr „ein Geschenk und eine Berufung“, so Franziskus, sie werde „durch Gottes Gnade und unsere freie Antwort darauf“ erlangt. Der Same dieser Heiligkeit sei die Taufe, fügte Franziskus an. „Es geht darum, dass uns immer bewusster wird: Wir sind auf Christus aufgepfropft, so wie die Reben mit dem Weinstock verbunden sind, und deshalb können und müssen wir mit ihm und in ihm als Kinder Gottes leben. Heiligkeit bedeutet somit, in voller Gemeinschaft mit Gott zu leben – schon jetzt, während unserer irdischen Pilgerfahrt.“

Mit Liebe und Nächstenliebe. Dieser Weg sei eine gemeinsame Berufung der Jünger Christ, erinnerte der Papst. Und er zeige sich als Übernahme von Verantwortung im Alltag: Es gehe darum, eine ernsthafte und tägliche Verpflichtung zur Heiligung unter den Bedingungen, Pflichten und Umständen unseres Lebens einzugehen und zu versuchen, alles mit Liebe und mit Nächstenliebe zu leben.

Die Heiligen seien Vorbild. Sie ließen uns den „Mut schöpfen, sie nachzuahmen“, so der Papst. Dabei seien viele von ihnen Zeugen einer Heiligkeit „von nebenan“, derer, die in unserer Nähe leben und die die Gegenwart Gottes widerspiegeln“ (vgl. Apostolisches Schreiben „Gaudete et exsultate“, Nr. 7)

 

 

 

Additional Info

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    Was meint Heiligkeit eigentlich? Und was verstehen Menschen „wie du und ich“ darunter? – Verschiedene Antworten und Impulse von Menschen von heute.

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  • Region: Deutschland
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