Regnum Christi - Politik heißt mitgestalten
Montag, 9. April 2018

Politik heißt mitgestalten

Volles Haus und viel Interesse beim Podiumsgespräch mit Wolfgang Bosbach in der Apostolischen Schule in Bad Münstereifel  

Es war ein richtig gutes Podiumsgespräch, das ich mit Wolfgang Bosbach (CDU) führen durfte! Wir haben keines der aktuellen Themen ausgelassen, ob die Debatten zu § 218 StGB und § 219a StGB, das Verhältnis von Kirche und Politik, den Begriff ‚wertkonservativ‘, die Rolle des Islam, Einwanderung, Familienpolitik, AfD oder die Zukunft der Volksparteien. Besonders dankbar bin ich über die Erfahrung von bürgernaher Politik, Sachkompetenz und Authentizität eines großartigen Menschen und Politikers“, freute sich Karl-Olaf Bergmann nach dem großen Diskussionsabend bei „Mittwochs im Collegium“. Rund 160 Gäste, so viele wie noch nie bei einem Abend dieser Veranstaltungsreihe, waren am 21. März nach Bad Münstereifel und in die Apostolische Schule gekommen, um einen der bekanntesten Politiker Deutschlands live zu erleben.

Auf Tuchfühlung mit einem der bekanntesten Politiker Deutschlands

Die gut gefüllten Stuhlreihen und erwartungsfrohen Gesichter im Publikum straften an jenem Abend das vielzitierte Wort von der „Politikverdrossenheit“ Lügen. „Das Interesse an den politischen Entscheidungen in diesem Land ist nach vor wie hoch“, konstatierte auch Wolfgang Bosbach. Leider sei dagegen eine wachsende Parteien- und Politikerverdrossenheit zu beobachten. Wolfgang Bosbach selbst kann sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. Aber es war ihm auch immer wichtig, den Kontakt zu "seinen Leuten daheim" nicht zu verlieren. Dafür ist er in über zwei Jahrzehnten der Bundespolitik jedes Wochenende in seinen Heimatort im Bergischen Land gefahren. Heimat, das ist für ihn dieser Ort, in dem er aufwuchs, als Lehrling und Einzelhandelskaufmann arbeitete. Das ist dort, wo seine Kinder geboren wurden und er nach dem Studium seine Anwaltskanzlei eröffnete, die er bis heute betreibt. Und es ist der Ort, „wo die Menschen mich persönlich kennen und mich trotzdem immer wieder gewählt haben.“ Das Augenzwinkern, das in diesem Zitat durchscheint, prägte das ganze Podiumsgespräch. Auf der orangefarbenen Couch saß ein durch und durch entspannter Mann, der sich augenscheinlich freute, ein wenig seines umfangreichen Wissens über die politische Arbeit des Bundestages mit den Schülern, Lehrern und Gästen der Apostolischen Schule zu teilen.

Politik ist weniger Macht als viel Arbeit

Wie viel Macht hat ein Politiker?“ Mit dieser Frage, die ein gängiges Klischee beleuchtete, eröffnete Karl-Olaf Bergmann das Gespräch und bekam die überraschende Antwort: „Das Gefühl Macht über andere Menschen auszuüben hatte ich nie.Tatsächlich gehe es darum, dass die Politik Gestaltungsmöglichkeiten biete, das Zusammenleben von Menschen zu regeln und idealerweise zu verbessern. Aus diesem Grund hatte Wolfgang Bosbach begonnen, sich politisch zu engagieren, zunächst in seiner eigenen Gemeinde, dann überregional und schließlich auf Bundesebene. Einige Vorurteile wurden an jenem Abend aufgebrochen. Wolfgang Bosbach nahm die Zuhörer mit hinter die Kulissen des Bundestags, wo weniger Glamour als viel Arbeit wartet. Tatsächlich hätte er in Bonn und Berlin die meiste Zeit in Fachausschüssen verbracht, in denen wichtige Fragestellungen mit Experten diskutiert würden. Dabei würden ein fundiertes Faktenwissen und ein klarer eigener Standpunkt mehr helfen, als eine geschliffene Sprache. „Politik ist keine Mathematik, unterschiedliche Meinungen ringen in einer Demokratie miteinander. Das ist normal. Lieber vertrete ich eine klare Meinung und ernte dabei Widerspruch. Viele tun sich mit einer einfachen Sprache schwer, weil sie fürchten, dann gelten sie nicht mehr als intelligent. Aber ich kenne keinen Beruf, wo man von morgens bis abends so viel Kontakt mit Menschen und ihren Sorgen hat.

Ein rheinischer Katholik mit Verantwortung für die Menschen

Die Menschen mit ihren Sorgen ernst nehmen - auch das sollte Politik. Dieses Verantwortungsgefühl zieht Wolfgang Bosbach auch aus seinem christlichen Glauben. Als Kind einer gemischt-konfessionellen Ehe lebt er den überzeugt, aber nicht verbissen. Als rheinischer Katholik möchte er „hier unten so leben, dass ich oben gerade so hinein komme.“ Dazu gehört für ihn auch der Schutz des ungeborenen Lebens. Zu dessen Verteidigung war er in den 1970er überhaupt in die Bundespolitik gegangen. Damals war um den §218 StGB und die generelle Strafbarkeit von Abtreibungen gestritten worden. „Im Jahr 2018 wird nun über das Werbeverbot für Abtreibungen gesprochen. Ist das noch die CDU, in die Sie einmal eingetreten sind?“ fragte Karl-Olaf Bergmann einigermaßen fassungslos. Auch wenn Abtreibungen für Wolfgang Bosbach nach wie vor ein heißes Thema sind, begann er zunächst einmal damit, den Verlauf der Debatte um den §219a StGB ausführlich zusammenzufassen. Grundsätzlich wären Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland verboten, auch wenn unter bestimmten Voraussetzungen von einer Strafverfolgung abgesehen wird. Das Recht eines Arztes, über sein medizinisches Leistungsangebot zu informieren, ist davon zunächst unberührt. Wenn Abtreibungen zu solchen Leistungen gehören, wird es seiner Meinung nach künftig vor allem darum gehen, zu unterscheiden, wo die Information aufhört und die Werbung beginnt.

Heiße Eisen nicht ausgespart

Im Verlauf des Abends wurde die Stimmung wärmer, immer wieder durchsetzt von herzlichem Gelächter und freundlichem Applaus. Aber natürlich konnten bei einem ernstzunehmenden Diskussionsabend, selbst in einem so kleinen Rahmen, die sog. „Trigger-Themen“, die heißen Eisen unserer Tage nicht ausgespart werden. Nach dem Schutz des ungeborenen Lebens und der Frage, wie die Politik die ganz normalen Vater-Mutter-Kind-Familien unterstützen kann, wurde natürlich auch der inzwischen bekannte Satz von Horst Seehofer „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ erwähnt. Freimütig wie schon ganzen Abend gab Wolfgang Bosbach zu, dass er Seehofers Meinung teile. Besonders das Wort „gehören“ findet er in dieser Hinsicht wichtig, dass er so verstehe, dass Deutschland zwar eine jüdisch-christliche, aber keine islamische geschichtliche Prägung hat. Außerdem gäbe es so viele unterschiedliche islamische Konfessionen, dass man unmöglich von „dem Islam“ sprechen könnte. Als Beispiel führte Bosbach den Oman an, in dem ein viel liberalerer Islam praktiziert würde als im Nachbarland Saudi-Arabien. „In Oman gibt es keine Körperstrafen. Überhaupt habe ich weder mit Muslimen ein Problem, noch damit, wenn irgendwo in Deutschland eine Moschee gebaut werden sollte. Wenn allerdings christliche Bischöfe vor dem Besuch einer Moschee ihr Kreuz ablegen – damit habe ich ein Problem.“

Ein solches Verhalten verträgt sich nicht mit der Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit, die Wolfgang Bosbach auszeichnet. Auch Fairness im Umgang und Ehrlichkeit gehört zu den Werten nach denen er lebt. Vielleicht sieht er deswegen auch die Flüchtlingskrise bzw. ihre Bewältigung kritischer als viele seiner Parteifreunde. Besonders den Satz „Wir schaffen das“ findet er zu kurz gegriffen. „Wer ist wir und was ist das?“ fragte er rhetorisch seinen Gesprächspartner in Bad Münstereifel und konstatierte nüchtern, dass die Hauptlast der Aufnahme- und Integrationsarbeit bei den Kommunen und den Schultern von Ehrenamtlichen - wie seiner Ehefrau – ruhte. „Es ist ja nicht mit der reinen Aufnahme getan. Es geht auch um die anschließende Integration in Schule, Beruf und Gesellschaft. Dabei hat die Integrationskraft eines Landes auch Grenzen, besonders wenn diese Integration ehrenamtlich geleistet wird. Diese Ehrenamtlichen darf man nicht überfordern, weil sonst deren bereitwillige Hilfe ermüdet. Hier darf der Bund die Kommunen und die Länder nicht im Stich lassen.

Selfie mit Politiker

Trotz dieser ernsten Themen war der Abend geprägt von Heiterkeit und sogar einer gewissen Vertrautheit, ohne vertraulich zu werden. Neben der souveränen Gesprächsführung von Moderator Karl-Olaf Bergmann war das auch Verdienst von Pater Valentin Gögele LC und seinem Team an der Apostolischen Schule. Zu den Gästen, die sich über diese Gastfreundschaft freute, zählte auch Bad Münstereifels Bürgermeistern, Sabine Preiser-Marian. Der Endspurt des Abends gehörte, wie bei den Veranstaltungen von „Mittwochs im Collegium" üblich, den persönlichen Fragen und Begegnungen mit dem Referenten. Und dabei wollten mehr als die statistischen 80% ein Selfie mit dem Politiker haben.

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    Volles Haus und viel Interesse beim Podiumsgespräch mit Wolfgang Bosbach in der Apostolischen Schule in Bad Münstereifel  

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