Mittwoch, 13. Oktober 2021

Was ist, wenn Gott dich ruft?

Warum entscheidet sich eine 22 Jahre junge Frau, ans andere Ende der Welt zu fahren, um dort mit den Gottgeweihten Frauen des Regnum Christi zu leben und die Kandidatur zu beginnen? Interview mit Raphaela Kloiber.

Raphaela Kloiber kommt aus einem kleinen Ort südlich von München. Sie ist 22 Jahre alt, war Postulantin bei den Gottgeweihten Frauen des Regnum Christi in Chile macht gerade die Kandidatur in Monterey (Mexiko).

Im Interview mit Samuel Jeschke erzählt sie über ihre Entscheidung, Gott zu folgen und die Komfortzone zu verlassen.

Raphaela, erzähl uns erst mal, was Kandidatur bedeutet!
Raphaela:
Die Kandidatur bei den Gottgeweihten Frauen ist vergleichbar mit den zwei Jahren Noviziat bei Ordensgemeinschaften. In dieser Zeit prüft man, ob das Leben der Gottgeweihten Frauen der Weg ist, auf den Gott einen ruft. Also zwei Jahre Ausbildung und Zeit, auf die Stimme Gottes zu hören.

Wie hast Du eigentlich das Regnum Christi kennengelernt?
Raphaela:
Meine Eltern haben die Legionäre Christi zufällig in Medjugorje kennengelernt und seitdem besuchten sie uns regelmäßig zu Hause. Ich bin dann später zu den ECYD-Camps des Regnum Christi gefahren und habe dort die Gottgeweihten Frauen kennengelernt.

Hast Du Dir damals schon gedacht, dass Du das einmal Gottgeweihte Frau werden willst?
Raphaela:
Nein, gar nicht. Als Teenager von dreizehn Jahren war es nicht so cool, in die Kirche zu gehen. Meine Mutter musste mich anfangs immer sehr motivieren, zum Gottesdienst zu gehen, bis ich mich eines Tages entschloss, Sommer-Coworker zu werden. Der Sommer mit den Gottgeweihten hat dann auch mein Leben verändert: Ich habe gemerkt, dass der Glaube etwas Lebendiges ist und dass es noch andere Mädchen gibt, die authentisch den Glauben leben.

Was hast Du als Sommer-Coworker gemacht?
Raphaela:
Vor allem habe ich mit anderen zusammen Jesus als Freund kennengelernt und gemeinsam haben wir uns aktiv an der Kinder- und Jugendarbeit des Regnum Christi beteiligt. Wir haben Camps organisiert und sind als Teamleiter für die Mädchen da gewesen. Da stellte ich fest, wie glücklich man wird, wenn man gibt. Ich bin dann auch weiterhin als Teamleiterin auf Camps und regelmäßig zu den Gottgeweihten Frauen nach Düsseldorf gefahren, weil seitdem ein Feuer in meinem Herzen brennt.

Was hattest Du für Pläne bevor Du in die Kandidatur gegangen bist?
Raphaela:
Nach dem Abitur war mir klar, dass ich ein Jahr Gott schenken möchte, das heißt, dass ich ein Coworkerjahr machen wollte. Danach war mein Plan, Kommunikationswissenschaften zu studieren, zu heiraten und fünf Kinder zu bekommen. Doch nach dem Coworkerjahr habe ich mir gedacht, warum nicht noch ein zweites Jahr dranhängen? Tief in mir hatte ich bereits den Gedanken: „Was ist, wenn Gott Dich ruft?“, aber diese Türe wollte ich aus Angst nicht öffnen, weil ich mir dachte: Wie verrückt! Während einwöchiger geistlicher Exerzitien habe ich gespürt, dass Gott uns frei geschaffen hat, und wir die Möglichkeit haben uns zu entscheiden. Und er hat mich freigegeben. Da hab ich mir gesagt: Klar! Ich studiere! In Köln habe ich dann tatsächlich das Studium der Kommunikationswissenschaften begonnen, bis alles in mir immer unruhiger wurde und ich wusste, dass es der falsche Weg ist. Tief drinnen war die Sehnsucht zu groß geworden, das Leben der Gottgeweihten zu leben und für Jesus dazu sein. Da habe ich entschieden, den Schritt weiterzugehen und den Willen Gottes herauszufinden. Also bin ich als Postulantin für sechs Monate nach Chile gegangen, um das Regnum Christi und die Gottgeweihten Frauen besser kennenzulernen.

Wie hat Deine Familie und Dein Freundeskreis auf Deine Entscheidung reagiert?
Raphaela:
Meine Familie und Freunde haben mich glücklich gesehen und gesagt, ich solle meinen Weg gehen. Sie haben mich unterstützt, auch wenn es erst mal ein Schock für sie war.

Was war schwierig für Dich und was hat Dir auf dem Weg geholfen?
Raphaela:
Wenn man die Familie, die eigene Kultur und Sprache verlässt, verlässt man die Komfortzone. Erst in Chile habe ich Spanisch gelernt. Als ich dort ankam, konnte ich noch nichts auf Spanisch sagen. Für mich war Gott der einzige Fels, er war jetzt mein Zuhause. Es hat mir geholfen, auf ihn zu vertrauen. Meine Motivation war, dass ich spüren konnte, dass Gott alles füllt, was fehlt. Es ist Gott, der die Freude gibt, die wirklich übersprudelnd ist. Mir half der Psalm: „Du legst mir größere Freude ins Herz als andere haben bei Korn und Wein in Fülle“ (Ps 4,8). Ich gehe gern auf Partys, aber er gibt mir größere Freunde als die Party des Jahrhunderts.

Was machst Du jetzt? Wie lang bleibst Du in Mexiko?
Raphaela:
Momentan bin ich im zweiten Jahr der Kandidatur und dieses Jahr ist sehr intensiv. Jetzt geht es um die Entscheidung, wo Gott mich haben will. Wenn Gott will, dann lege ich im August 2022 das erste Mal die Gelübde ab und dann geht es nach Spanien, um dort drei Jahre zu studieren.

Wie beschreibst Du die Entscheidung einer 20-Jährigen sich Gott zu weihen in einem Wort?
Raphaela:
Freiheit. Je mehr wir Gott folgen, umso freier werden wir.

Liebe Raphaela, danke für das Gespräch!

(Das Interview führte Samuel Jeschke.)

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    Warum entscheidet sich eine 22 Jahre junge Frau, ans andere Ende der Welt zu fahren, um dort mit den Gottgeweihten Frauen des Regnum Christi zu leben und die Kandidatur zu beginnen? Interview mit Raphaela Kloiber.

  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
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  • Region: Deutschland

    

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