Freitag, 27. November 2020

„Schnell weg! Der Alte kommt!“

Wer ist für Sie Gott? Falsche Gottesbilder können uns die Lebensqualität rauben und den Glauben. Im Interview spricht P. Klaus Einsle LC über sein neues Buch.

Tauchen auch in Ihnen, wenn sie an „Gott“ denken, diese typischen Vorstellungen auf: der strenge Richter oder das fiese schlechte Gewissen im Hinterkopf? Falsche Gottesbilder sind eine echte Last. Sie rauben Lebensqualität.

Genau darum geht es im neuen Buch von Pater Klaus Einsle LC mit dem frechen Titel: „Schnell weg! Der Alte kommt!“

Aber hält das Buch, was der Titel verspricht? Darüber haben wir mit ihm gesprochen.

Interview mit P. Klaus Einsle LC über sein neues Buch

„Falsche Gottesbilder“, um dieses Thema geht es in Ihrem neuen Buch. Wir leben aber in einer Zeit, in der scheinbar immer weniger Menschen überhaupt noch über Gott sprechen bzw. sich mit Ihm beschäftigen. Geht Ihr Buch deshalb nicht vielleicht an den Menschen von heute vorbei? Für wen haben Sie das Buch geschrieben?
P. Klaus: Ich stelle im Buch eine These auf: „Alle Menschen haben Gottesbilder in sich; auch die, die nicht an Gott glauben.“ Das könnte der „abwesende Gott“ sein. Einer, unter dem viele leiden und den sie dann als nichtexistierend einordnen.

Ich schreibe das Buch für die vielen, die kein freies, Freude und Kraft vermittelndes Bild von Gott in sich haben. Und nach meiner Erfahrung sind das sehr viele – auch gute Christen.

Vielen Menschen scheint Gott heute der große Unbekannte bzw. Fremde, oder schlicht irrelevant zu sein. Gibt es vielleicht einen Bezug zwischen „Gottesbild“ und Gottesfremde?

Klar. Die Gottesfremde entsteht aus dem falschen Gottesbild des „abwesenden Gottes“ – im Buch als „Die schweigende Wand“ bezeichnet.

Was sind Gottes-„Bilder“? Sind „Bilder“ von Gott nicht grundsätzlich ein Problem?
P. Klaus: Gottesbilder sind Vorstellungen von Gott, die tief in unsere emotionale Welt hineinreichen. Es geht da nicht um „Wissen über Gott“. Denn die meisten Menschen wissen, dass Gott z.B. „die Liebe“ ist. Aber sie empfinden anders. Für sie fühlt er sich urteilen, bewertend, abweisend, kritisierend, gleichgültig usw. an. Und daher haben sie eine unfreie Beziehung zu ihm.

Sind diese Bilder verwerflich? Diese Frage ist irrelevant. Wir machen sie uns einfach. Sie sind einfach da.

Warum und wie entstehen Gottesbilder? Welche Rolle spielen dabei Elternhaus, Religionsunterricht und Gottesdienstbesuch?
P. Klaus: Im Kapitel „Wo kommen die Gottesbilder eigentlich her“ versuche ich die Ursachen aufzuzeigen: Kindheitserfahrungen und -prägungen, Introjektion und dann Projektion auf Gott. So entstehen Gottesbilder. Das Problem: für uns fühlen sie sich so selbstverständlich an, dass wir mit diesen falschen Bildern Jahrzehnte, oft ein ganzes Leben verbringen und nichts daran ändern. Was für ein begrenzter und freudloser Glaube.

Papst Franziskus spricht immer wieder über „Klerikalismus“ und prangert diesen in der katholischen Kirche an. Welche Verantwortung tragen insbesondere Seelsorger für unsere „Gottesbilder“?
P. Klaus: Persönlich habe ich wenig über Gott und seine Art zu sein in der Kirche gehört. Es ist einfach: Man kann nur geben, was man hat. Wenn ein Seelsorger ein belastetes Gottesbild hat, kann er nicht ein befreites weitergeben. Auch wenn es indirekt ist – durch ein fröhliches und erlöstes oder durch ein frustriertes und freudloses Gesicht –, gibt er doch immer das, was er in sich trägt. Und dadurch beeinflusst er die Menschen.

Warum sollten wir, Ihrer Meinung nach, unsere Gottesbilder prüfen? Geht das so ganz ohne Hilfe? Welchen Beitrag will bzw. kann ihr Buch dabei leisten?
P. Klaus: Weil falsche Gottesbildes eine innere Last sind. Und Jesus ist gekommen, um uns in ein Leben in Fülle zu führen und in die Freiheit der Kinder Gottes.

Diese belasteten Gottesbilder zu reinigen ist keine einfache Aufgabe. Auch darüber gibt es ein Kapitel im Buch „Was mach ich jetzt damit“. Ich schlage einen beständigen Weg der Reinigung vor. Er beginnt wie die Anonymen Alkoholiker mit einer Aussage: „Ich habe falsche Gottesbilder in mir, die mich belasten. Und alleine schaffe ich es nicht, diese zu überwinden.“

In welchem Verhältnis stehen „Bilder“ von Gott zu unserer „Beziehung“ zu Gott?
P. Klaus: Da besteht eine direkte Linie. Unsere Bilder sind identisch mit unserer Beziehung. Anders geht es gar nicht. Das ist das Problem und das ist die Lösung.

Welches Gottesbild bzw. welche -beziehung haben Sie zu Gott?
P. Klaus: Ich musst jahrelang mindestens fünf oder sechs falsche Gottesbilder in mir reinigen. Es hat zuerst einmal lange gedauert, sie überhaupt in Worte fassen zu können. Da war Gott als die „beleidigte Leberwurst“, der „Polizist“, der „unzufriedene Chef“.
Alles das ist im Lauf der Jahre (fast) verschwunden. Für mich gibt es ein Wort, das Gott zusammenfasst: Papa.

Auch darüber gibt es ein Kapitel: Gott ist nicht ein lieber Opi, sondern ein Vater.

Pater Klaus Einsle LCPater Klaus Einsle LCWer ist Gott für Sie?
P. Klaus: Ein Papa gibt Sicherheit, schützt, führt aber auch in das Leben ein, übergibt Verantwortung, schätzt die Freiheit der Kinder.

Über welche Gottesbilder sprechen Sie im Buch?
P. Klaus: Es sind 15, die ich näher beleuchte. Dann noch sechs, die einfach kurz angesprochen werden. Hier sind sie: Die beleidigte Leberwurst, der unzufriedene Chef, der enttäuschte Vater, der nette Opi, der strenge Polizist, der knauserige Geizhals, der machtlose Machthaber, der kleinliche Moralapostel, der Kindergarten-Gott, der grausame Folterknecht, die neidische Spaßbremse, die verschlossene Wand, der kühle Dompteur, der strafende Richter. Und dann zähle ich noch auf: Der nervige Besserwisser, die abwesende Rabenmutter, der hilflos Überforderte, das selbstverliebte Karussell, die lästige Klette, der kaputte Cola-Automat, crazy Gender-Gaga, der sonderbare Nerd.

Welche „Bilder“ halten Sie für besonders problematisch und verbreitet in unserer Zeit?
P. Klaus: „Der unzufriedene Chef“: so viele Menschen leiden unter einem überbordenden Leistungsdruck. Und nicht wenige projektieren das auch auf den Glauben. Sie müssen immer mehr leisten und haben nie das Gefühl, dass es jetzt gut ist und Gott „zufrieden“ sein kann.

In einem Satz: Warum sollte jemand Ihr Buch kaufen?
P. Klaus: Weil er damit seinen Weg in die innere Freiheit und die Freude beschreitet, der auf der Wahrheit über unseren himmlischen Vater gründet.

Danke für das Gespräch!

Die Fragen stellte Karl-Olaf Bergmann.

Ab sofort bestellbar! Alle Infos hier.

► Das neue Buch von Pater Klaus Einsle LC ist ab nächsten Freitag (11. Dezember 2020) überall im Buchhandel erhältlich.

Sie können das Buch schon jetzt vorbestellen bei:

Verlagshaus J. S. Klotz
Am Anger 70, 75254 Neulingen, Deutschland
E-Mail: info@klotz-verlagshaus.de
Telefon: +49 152 04 33 49 94
(ISBN: 978-3-948968-40-3; Preis: 16,80 €)

Additional Info

  • Untertitel:

    Wer ist für Sie Gott? Falsche Gottesbilder können uns die Lebensqualität rauben und den Glauben. Im Interview spricht P. Klaus Einsle LC über sein neues Buch.

  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
  • Datum: Ja
  • Druck / PDF: Ja
  • Region: Deutschland, Österreich

    

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