Dienstag, 31. März 2020

Sauerteig für die Welt

Die Apostolische Schule der Legionäre Christi – ein überholtes Modell? Antworten darauf geben Lehrer, Ordensleute und Eltern von Schülern.

Die Apostolische Schule der Legionäre Christi in Bad Münstereifel ist derzeit das einzige Knabenseminar im gesamten deutschsprachigen Raum. Die ersten in dieser Tradition entstanden nach dem Konzil von Trient (1545-1563). Allein in Deutschland gab es einmal mehr als 20. Die letzte große Gründungswelle war nach dem Zweiten Weltkrieg. Am 7. Oktober 2008 eröffnete die Apostolische Schule ausdrücklich als Ort der schulischen Ausbildung und des Unterscheidens einer möglichen Priesterberufung von Jungen. Ein überholtes Modell? Ein Gespräch zwischen Karl-Olaf Bergmann, Lehrern, Ordensleuten und Eltern von Schülern.

Fergus, Sie waren mit dabei, als die Apostolische Schule der Legionäre Christi vor elf Jahren in Bad Münstereifel eröffnet wurde. Was hat Sie ermutigt – ganz gegen den Trend – diesen Schritt zu wagen?

P. Fergus O´Carroll LC: Wir Legionäre Christi begannen unsere Arbeit in Deutschland 1989. Seitdem sind wir mit vielen Familien und jungen Leuten in Kontakt. Von Beginn an gab es junge Männer, die in unserer Ordensgemeinschaft ihre mögliche priesterliche und Berufung zum Ordensleben prüfen wollten. Viele, die heute Priester sind, sagen, dass der Gedanke, vielleicht einmal Priester zu werden, das erste Mal schon in ihrer Kindheit aufkam. Wir wollten mit der Apostolischen Schule deshalb einen Ort schaffen, an dem Jungen, die eine große Begeisterung für Gott in sich tragen, im Glauben wachsen können. Einen Ort, an dem sie im Herzen eine Großzügigkeit zu Gott und den Menschen entwickeln konnten. Als wir über dieses Anliegen mit Kardinal Meisner, der zu diesem Zeitpunkt Erzbischof von Köln war, gesprochen haben, hat er uns sofort darin bestärkt und seinen Segen dafür gegeben. Auch später hat er uns in Allem, was wir für unsere Schule brauchten, unterstützt.

Valentin, als Rektor der Schule verstanden Sie Ihre Arbeit als Priester vor allem darin, Wegbegleiter für junge Menschen zu sein. Was beinhaltet das für Sie?

P. Valentin Gögele LC: Das ist das Wichtigste. Da zu sein als Priester, als Mensch, als Freund, als geistlicher Vater. Das zu Tage zu fördern, was da ist, was da sein kann und die Seele, das Herz, den Charakter dieser jungen Menschen zum Strahlen zu bringen, so wie Gott ihn sich gedacht hat seit jeher. Unsere Schule in Deutschland hat mit Gottes Hilfe eine gewisse Vorreiterrolle eingenommen inmitten der 9 Apostolischen Schulen, die die Legionäre Christi weltweit tragen. Die Stärke der Apostolischen Schule liegt für mich darin, dass der Jugendliche selbst, seinem Alter entsprechend, zum Protagonisten wird. Das war eines unserer Anliegen. Wir haben in den letzten Jahren versucht, mit den Jugendlichen den Dialog aufzunehmen, um dieses Projekt gemeinsam zu gestalten.

Herr Poblotzki, Sie sind hier Lehrer und Schulleiter. Auf der Website der Schule steht, dass sie eine individuelle Förderung, ein harmonisches christliches Umfeld und hohe Lernstandards fördert. Was heißt das konkret?

David Poblotzki: Wie jede Schule es eigentlich sollte, möchten auch wir den Schülern ein ganzheitliches Lernen ermöglichen. Schulen sollen aber – das ist in allen Bundesländern schulgesetzlich bestimmt – nicht nur Wissen vermitteln, sondern jedes Kind zu einem Menschen heranbilden, der in verantwortungsvoller Teilhabe an unserer Gesellschaft, und unserem politischen Selbstverständnis steht.

Das, was Schule also möchte, ist ein ganz großes Unterfangen. Und das betrachten wir natürlich zusätzlich unter dem geistigen Aspekt. Als Jünger Christi, die wir alle sind und die alles von Gott geschenkt bekommen haben, wollen wir die Schüler nicht nur in intellektueller Hinsicht, sondern auch in sozialer und in der geistlichen Dimension fördern.

Der hohe Lernstandard wird deshalb nicht nur an Lehrplänen festmacht, sondern an einer individuellen Begleitung auf verschiedenen Ebenen. Diese individuelle Begleitung können wir dadurch bestmöglich gewährleisten, dass wir sehr kleine Klassen haben, die uns die Möglichkeit geben, jeden einzelnen Schüler an die Hand zu nehmen. Unter Anderem daraus ergibt sich auch unser familiäres Klima, unser starkes Miteinander, das Grundlage für die soziale Dimension dieser Bildung bietet.

Welches Bild haben Sie davon, was am Ende der Schulzeit, meist mit Abschluss des Abiturs, für den einzelnen Schüler herauskommen sollte? Sind es gute Noten? Ein frommer Christ? Neue Seminaristen?

P. Valentin Gögele LC: Ich habe das Bild von einem Menschen vor Augen, der in den Attributen seiner Persönlichkeit gewachsen ist und sich entfaltet hat. Ich sehe einen frohen und überzeugten Christen, der Jesus zu seinem Zentrum gemacht hat und sein Leben auf ihn ausrichtet. Ich sehe eine Art modernen Jünger, der sagt: Jesus ist mehr als nur ein historisches oder schönes Beispiel für mich, sondern ich habe ihn als Freund persönlich kennengelernt und liebe ihn. Ich denke an brennende Apostelherzen, die am Ende der Schulzeit sagen: Ja, ich möchte mein Leben in den Dienst Gottes stellen, um entweder als Priester oder als Laie, wo auch immer in seiner Kirche und in der Welt, wirken zu können.

Die Schule versteht sich speziell als ein Ort der Entscheidungsfindung für die eigene Berufung. Inwiefern kann bei einem Kleinen Seminar das Ziel der Priesterberufung betrachtet werden bei gleichzeitiger Wahrung der Freiheit jedes einzelnen Jungen?

P. Valentin Gögele LC: Die Apostolische Schule ist ein Ort, an dem das Samenkorn einer möglichen Berufung aufgehen kann. Das setzt voraus, dass da Gott sein Samenkorn in meinem Leben einpflanzt und ich es in dem Bewusstsein wachsen lasse, offen zu sein für das, was am Ende dabei genau herauskommt. Da ist es auch wichtig zu differenzieren, dass es den allgemeinen Ruf der Christusnachfolge gibt, sein Leben zu geben und zu sagen: Herr, ich vertraue Dir und ich weiß, dass der Plan, den Du für mich hast, mich zum Glück bringt. Dann in einem zweiten Schritt sehe ich, wo mich dieser Weg dann genau hinführt. Und wenn wir den ersten Teil gemeinsam mit den Jungen, den Eltern und der ganzen Gemeinschaft gut in den Blick nehmen, dann ergibt sich der zweite wie von selbst. Zu sagen: „Ich möchte einen Weg mit ihm gehen“, ist die Antwort der Freiheit jedes Einzelnen, bei der wir helfen wollen.

Frau und Herr Schäfer, Ihre beiden Söhne waren hier Schüler. Einer trat später bei den Legionären Christi ein, der andere studiert auf Lehramt in Köln. Was waren für Sie als Eltern die Gründe, um zu sagen, wir wollen, dass unsere Kinder diese Schule besuchen?

Petra Schäfer: Wir haben unsere Kinder nicht geschickt, sondern unsere Kinder haben gesagt: Wir gehen da hin. Ich glaube, dass eine innere Sehnsucht sowohl im Spirituellen als auch im Intellektuellen und im Kameradschaftlichen unsere Kinder zu diesem Schritt geführt hat, es auszuprobieren. Ich spüre, ich bekomme hier eine Antwort auf meine Sehnsucht, die ich in mir habe.

Martin Schäfer: Als ich auf dem ersten Elternsprechtag war, habe ich gemerkt, was hier für eine Gemeinschaft ist, da ist mir klargeworden: In dieser kleinen Einheit fängt der Sauerteig an, der später in die gesamte Gesellschaft gehen kann.

Die Schule besteht nun seit über elf Jahren. Wofür sind Sie besonders dankbar?

P. Fergus O´Carroll LC: Ich danke vor allem für das Vertrauen der Eltern in die Kirche und in uns, weil sie uns ihre Kinder anvertraut haben und wir versuchen durften, sie auf den Weg mit Gott zu begleiten. Diese gemeinsame Arbeit war für mich eine tiefe Gnade.

David Poblotzki: Ich danke für den Geist der Gemeinschaft und der Einheit, der eine große Kraft ist, aus der wir alle täglich schöpfen.

Wenn Sie in die Zukunft schauen. Wo sehen Sie die Apostolische Schule in den nächsten 10 Jahren?

David Poblotzki: Ich sehe diese Schule als einen Ort, an dem der christliche „Sauerteig“ wächst, der später aufgeht. Die Früchte werden hoffentlich an den verschiedensten Stellen in Kirche und Gesellschaft aufgehen: Studenten, Männer, die dann weiter verantwortungsvoll im Berufs- und Familienleben stehen, oder vielleicht Ordensmänner oder Diözesanpriester. Darauf bin ich sehr gespannt.

P. Valentin Gögele LC: Ich bitte Gott darum, dass diese Schulgemeinschaft aber auch jeder Einzelne sein ganzes Vertrauen auf die Güte und Größe Gottes setzen, dass wir alle nie müde werden, daran festzuhalten und mit viel Freude und Mut ihm alles anvertrauen.

Pater Daniel Egervári LC (Rektor): „In unserer Apostolischen Schule finden Jungen und junge Männer ein klar auf Berufungsförderung und Berufungsklärung ausgerichtetes Umfeld. Ein hoher Lernstandard mit individueller Förderung durch engagierte Lehrer hat sein Fundament in einer aktiven Gemeinschaft und einem altersgerechten geistlichen Leben.“

 

Zu den Personen: Fergus O’Carroll LC war von 2008 bis 2011 Gründungsrektor der „Apostolischen Schule“ in Bad Münstereifel. 2011 übernahm P. Valentin Gögele LC von ihm diese Aufgabe, bevor er 2018 zum Territorialdirektor der Legionäre Christi in West- und Mitteleuropa ernannt wurde, seit dem 15. September 2019 ist er Leiter der Regnum-Christi-Föderation in West- und Mitteleuropa. David Poblotzki ist Lehrer, seit 2016 kommissarischer Schulleiter und seit 2020 Schulleiter der Schule. Seit ihrer Gründung 2008 besuchten bzw. besuchen über 100 Jungen die Apostolische Schule, davon traten elf in das Noviziat der Legionäre Christi ein, acht legten bisher ihre Profess ab und drei traten in Diözesanseminare oder andere Gemeinschaften ein.

Besuchen Sie die Apostolische Schule im Internet:

www.apostolischeschule.de

Sie finden die Schule auch im sozialen Netzwerk „Instagram“ unter:
www.instagram.com/apostolischeschule_lc 

 

Additional Info

  • Untertitel:

    Die Apostolische Schule der Legionäre Christi – ein überholtes Modell? Antworten darauf geben Lehrer, Ordensleute und Eltern von Schülern.

  • Kategorie News : Aktuelles zum Thema Kinder und Jugend
  • Datum: Ja
  • Druck / PDF: Ja
  • Region: Deutschland

    

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