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Dienstag, 14. Mai 2019

„Die Wahrheit wird euch befreien“

Standpunkt des Regnum Christi und der Legionäre Christi in Bezug auf den Gründer Pater Marcial Maciel – von Karl-Olaf Bergmann

Der Satz aus dem Johannesevangelium, „Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien“ (Joh 8,32), steht vielleicht wie kein anderer für den „Weg einer authentischen und tiefgehenden Erneuerung“ (Papst Franziskus, Brief an den Päpstlichen Delegaten für die Legionäre Christi, Kardinal Velasio De Paolis, vom 19. Juni 2013), den das Regnum Christi und die Legionäre Christi 2009 unter Papst Benedikt XVI. begannen und unter Papst Franziskus als dessen Nachfolger fortsetzen und voranbringen konnten.

Der Wahrheit ins Auge sehen

Die Person des Gründers Pater Marcial Maciel (1920 - 2008) steht dabei bis heute im Mittelpunkt einer Geschichte, die über viele Menschen tiefes Leid, Schmerzen und Demütigungen gebracht hat. „Es schmerzt uns, dass viele Opfer und Menschen, die in Mitleidenschaft gezogen worden sind, vergeblich auf eine Bitte um Vergebung und Versöhnung von Pater Maciel gewartet haben“, schrieben die Teilnehmer des Außerordentlichen Generalkapitels der Legionäre Christi in einer eigenen Erklärung zum Gründer im Februar 2014 in Rom.

Die eigene Geschichte ist immer Teil des eigenen Lebens, das gilt für Menschen wie für Organisationen. Was geschehen ist, kann nicht ungeschehen gemacht werden. Der Wahrheit muss ins Auge gesehen werden. Unter Umständen muss die eigene Geschichte gründlich aufgearbeitet und erforscht werden. Ein ehrlicher Umgang mit der Geschichte ist Voraussetzung für Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit, sichert Gegenwart und bereitet den Weg in die Zukunft.

P. Maciel und Benedikt XVI.

Als Präfekt der Glaubenskongregation war der damalige Kardinal Joseph Ratzinger maßgeblich für die 2001 erfolgte Neuordnung der kirchlichen Strafverfolgung von Priestern im Falle des Missbrauchs von Minderjährigen verantwortlich. Auf dieser Grundlage konnte die Glaubenskongregation kurz darauf die Verjährungsfrist hinsichtlich der Straftaten von Marcial Maciel aufheben und ein Verfahren gegen ihn eröffnen. Dieses endetet nach der Papstwahl von Benedikt XVI. mit der Verurteilung von Maciel im Mai 2006.

Im Juli 2009 leitete Benedikt XVI. für die Legionäre Christi weltweit eine „Apostolische Visitation“ ein, um der Wahrheit über P. Maciel auf den Grund zu kommen, um das Ausmaß des Schadens ausmachen zu können, den sein „sehr schwerwiegendes und objektiv unmoralisches Verhalten“ verursacht hatte, und um festzustellen, welche Maßnahmen der Reinigung und Erneuerung für die Institution erforderlich sein würden. Der Abschluss der „Apostolischen Visitation“ (1. Mai 2010) und die Einsetzung eines Päpstlichen Delegaten am 9. Juli 2010 für die ganze Gemeinschaft stellten somit Meilensteine in der Geschichte der Legionäre Christi und des Regnum Christi dar. Sie wurden zur Grundlage des Erneuerungsprozesses, der mit dem Abschluss des Außerordentlichen Generalkapitels der Legionäre Christi im Februar 2014, der damit verbundenen Wahl einer neuen Ordensleitung und Verabschiedung neuer Ordensregeln, einen vorläufigen Höhepunkt fand.

Die eigene Geschichte lässt sich nicht abschütteln, im Gegenteil: Sie bleibt immer Teil einer Biographie und macht sich im Bewusstsein fest. Aus der Geschichte gilt es deshalb zu lernen, das erfordert Aufrichtigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Das betrifft konkret auch den Umgang mit der Person des Gründers der Legionäre Christi und des Regnum Christi, von den Benedikt XVI. im Interview mit Peter Seewald (Herder-Verlag, 2010) sagte: „Für mich bleibt Marcial Maciel eine mysteriöse Gestalt. Da ist einerseits ein Leben, das, wie wir nun wissen, jenseits des Moralischen liegt, ein abenteuerliches, vertanes, verdrehtes Leben. Andererseits sehen wir die Dynamik und die Kraft, mit der er die Gemeinschaft der Legionäre aufgebaut hat.“

Und über die Gemeinschaft selbst: „Es gibt hier viele junge Menschen, die mit Begeisterung dem Glauben dienen wollen. Diese Begeisterung darf man nicht zerstören. Viele sind von einer falschen Gestalt letztendlich doch zum Richtigen gerufen worden. Das ist das Merkwürdige, der Widerspruch, dass sozusagen ein falscher Prophet doch eine positive Wirkung haben konnte. Diesen vielen jungen Menschen muss neu Mut gegeben werden. Es braucht eine neue Struktur, damit sie nicht ins Leere fallen, sondern, richtig geleitet, weiter der Kirche und den Menschen einen Dienst tun können.“

Beständige Konfrontation mit der Geschichte – Erneuerung

In all diesen Jahren war die Gestalt von Pater Maciel immer wieder Gegenstand von Zeitungsartikeln, sogar Spielfilmen und Dokumentationen. Auch das sind Formen der Konfrontation mit dieser Geschichte, bis heute und wahrscheinlich auch in absehbarer Zukunft.

„Das ist es, was wir erflehen: eure vollständige Erneuerung“, schrieb der Apostel Pauls im zweiten Brief an die Korinther (13,9). Erneuerung gehört zu den christlichen Daueraufgaben, sie hört nie auf, stellt sich stets neu, bis sie Vollendung findet. Vollendung findet sie wiederum nur in Gott, der uns rettet, aber „nicht weil wir Werke vollbracht hätten, die uns gerecht machen können, sondern aufgrund seines Erbarmens – durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist“ (Brief des Apostels Paulus an Titus, 3,5).

Markant und unverändert gültig bleibt in diesem Zusammenhang für die Legionäre Christi und das Regnum Christi die sechsseitige Erklärung der 61 Kapitalväter zum Abschluss des Außerordentlichen Generalkapitels der Legionäre Christi vom 20. Januar 2014 zur Geschichte, zum Gründer und zum beschrittenen Weg der Erneuerung der Ordensgemeinschaft.

 

Karl-Olaf Bergmann

Additional Info

  • Untertitel:

    Standpunkt des Regnum Christi und der Legionäre Christi in Bezug auf den Gründer Pater Marcial Maciel – von Karl-Olaf Bergmann

  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
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  • Region: Deutschland, International
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