Samstag, 29. September 2018

Wir haben eine doppelte Verantwortung

Brief von P. Valentin Gögele LC (Territorialdirektor) an alle Mitglieder des Regnum Christi zum sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche.

Düsseldorf, den 29. September 2018
Gedenktag der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael

An die
Legionäre Christi,
die gottgeweihten Frauen im Regnum Christi
und alle Mitglieder des Regnum Christi

 

Liebe Mitbrüder, gottgeweihte Frauen und Mitglieder des Regnum Christi,

mit großer Freude durften wir erst vor Kurzem zusammen mit vielen Mitgliedern und Freunden des Regnum Christi die ewige Profess von Maria Hemm in Rittershausen, die ewige Profess der Brüder George de La Cotardière, Melchior Poisson, Corentin Jarry, Benoît Terrenoir und Maxime François-Marsal in Jouarre (Frankreich) und die erste zeitliche Profess von drei Novizen in Neuötting-Alzgern feiern. Gott ist gut, und wir können sehr dankbar dafür sein, wie er unsere Gemeinschaft in den letzten Jahren durch so viele Stürme geführt hat.

In diesen Wochen lesen wir in manchen Ländern fast täglich von erschreckenden Missbrauchsfällen in den letzten Jahrzehnten in unserer Kirche. Papst Franziskus hat diese Verbrechen, das Leid, den Schmerz und auch die Komplizenschaft der Täter eigens in einem Brief am 20. August an das ganze Volk Gottes angeprangert. Nahezu ebenso häufig lesen wir von Vorwürfen, welche die Art des Umgangs mit Missbrauchsvorwürfen und beschuldigten Priestern durch Hirten der Kirche betreffen, was viele von uns mit Sorge erfüllt, teilweise aber auch Unverständnis, Verunsicherung oder Verärgerung hervorgerufen hat.

Es ist noch nicht lange her, dass auch unsere Gemeinschaft auf schmerzvolle Weise und für viele überraschend mit dem zutiefst unmoralischen Verhalten und Doppelleben unseres Gründers konfrontiert wurde. Wir mussten auch realisieren, dass es in unserer Gemeinschaft Mechanismen gab, die eine Verfolgung von Missbrauchsvorwürfen erschwert und deren Vertuschung begünstigt haben. Es gehört seitdem zu unserer Geschichte und zur Wahrheit über diese, dass unsere eigene Gemeinschaft einen Skandal ausgelöst hat, der unter vielen Menschen – innerhalb und außerhalb der Kirche – Leid, Enttäuschung und Fassungslosigkeit verursacht hat, dass viele noch heute unter den Konsequenzen leiden und dass unsere Gemeinschaft sich weiterhin auf einem Weg der Erneuerung und Revision befindet. Alle sind wir dazu aufgerufen, darin nicht nachzulassen!

Was unsere geliebte Kirche derzeit erlebt, kann uns insofern auch an unsere eigene Geschichte erinnern. „Wir Legionäre Christi und Mitglieder des Regnum Christi sind nur allzu vertraut mit dem Schmerz und dem Leid, das aus solchen Aufdeckungen kommt, die von unseren vergangenen Sünden herrühren” (1), schrieb dazu P. John Connor LC (Territorialdirektor für Nordamerika) jüngst in einem Brief an alle Mitglieder des Regnum Christi (15. September).

Was heißt das für uns in unserem Territorium? Das Entsetzen, die Enttäuschung, die Fassungslosigkeit und auch der Ärger, den derzeit so viele Menschen aufgrund der bekanntgewordenen Verbrechen empfinden und zum Ausdruck bringen, können gerade wir als Gemeinschaft nachvollziehen. Noch einmal möchte ich dazu aus P. Johns Brief einige Zeilen entnehmen, die in meinen Augen sehr treffend aussagen, auf was es jetzt für uns ankommt: „Die Kirche tritt in eine neue Krise ein und wir müssen uns mit ihr vereinigen. (...) Wir kennen auch die Hoffnung, die nur der auferstandene Herr in diesen Zeiten geben kann. Die Kirche braucht diese Hoffnung. Die Kirche braucht unsere Gebete und unsere Unterstützung, aber vor allem unser Zeugnis eines Lebens in Heiligkeit.” (2)

Insofern haben wir heute eine doppelte Verantwortung:

Verantwortung im Bewusstsein unserer eigenen Geschichte, die uns daran erinnert, dass wir keineswegs über den aktuellen Geschehnissen in der Kirche stehen und deshalb auch nicht unbelastet Ratgeber, Anwalt oder Ankläger in der Thematik Missbrauch bzw. Vertuschung sein können. Unsere Geschichte hat uns gelehrt, dass es wesentlich darauf ankommt, als Einzelne und Institution alle Maßnahmen zur Prävention und Aufklärung in unserer eigenen Gemeinschaft gewissenhaft, dauerhaft und konsequent umzusetzen, die dazu beitragen können, dass jede Form von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch vorgebaut, jeder Verdachtsfall verfolgt und jeder Täter zur Rechenschaft gezogen werden kann. Dazu verpflichten uns unsere Geschichte, das Wohl und die Würde jedes Menschen und die Kirche, und darin liegt auch in der aktuellen Situation der Kirche unsere erste Aufgabe.

Verantwortung für die Menschen, die jetzt aufgrund des Ausmaßes der Missbrauchsfälle an Gott, der Kirche, den Bischöfen und dem Heiligen Vater zweifeln. Ihnen können wir als Priester, Gottgeweihte und engagierte Laien vor allem ein lebendiges Zeugnis des Glaubens an Jesus Christus geben. Viele suchen jetzt ein offenes Ohr, jemanden, dem sie ihr Herz ausschütten können, der ihnen einfach zuhört. Dafür sollten wir besonders da sein. Ermutigen wir in dieser Situation alle Gläubigen dazu, die Kirche auf dem nötigen Weg der inneren Reinigung und Erneuerung zu stützen und diesen Weg selbst als einzelne zu gehen. Womöglich können wir vielen auch eine Hilfe darin sein, dass wir auf dem Weg der Erneuerung lernen konnten, wie wir Gott gerade in schweren Zeiten finden, auf ihn hoffen und ihn lieben, und der Kirche treu bleiben können.

Am Ende dieser Zeilen möchte ich uns alle dazu einladen, uns in Gebet und Buße für die Heilung und Erneuerung der Kirche zusammen zu tun. Denken wir besonders an die Opfer und ihre Familien, dass sie die notwendige und erhoffte Hilfe und Heilung erfahren können. Denken wir auch an alle Hirten der Kirche. Mögen sie in dieser Krise starke Hirten sein, die geleitet vom Heiligen Geist offen, ehrlich und demütig den Weg gehen und weisen.

Vielen Dank für Ihr treues und freudiges Engagement in und für die Kirche, in und für das Regnum Christi. Gott schenke jedem einzelnen und uns als Gemeinschaft die Demut, die Klugheit, den selbstlosen Eifer, den wir auch weiterhin auf unserem Weg brauchen. Möge Maria, Mutter der Kirche und Mutter der Apostel, uns alle an ihre mütterliche Hand nehmen.

Verbunden im Herrn und im Regnum Christi,

P. Valentin Gögele LC
Territorialdirektor

 

(1) „We Legionaries and Regnum Christi members are all too familiar with the pain and suffering that comes from such revelations, that come from our past sins.”

(2) „The Church is entering a new crisis and we must unite ourselves with her. (...) We also are familiar with the hope that only the Risen Lord can provide in these times. The Church needs this hope. The Church needs our prayers and our support, but above all our witness to holiness of life.”

 

Anlagen
Brief von P. John Connor LC, Territorialdirektor von Nordamerika, an die Mitglieder des Regnum Christi vom 15. September 2018

Pdf-Version des Briefes von P. Valentin

Additional Info

  • Untertitel:

    Brief von P. Valentin Gögele LC (Territorialdirektor) an alle Mitglieder des Regnum Christi zum sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche.

  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
  • Datum: Ja
  • Druck / PDF: Ja
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