Dienstag, 11. Juli 2017

Was es bedeutet, ein „guter Hirte“ zu sein

Musical der Apostolischen Schule über den seligen Pfarrer Josef Marxen in Bad Münstereifel uraufgeführt – Dankworte von Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian

D A N K E – diese fünf Buchstaben standen in großen bunten Lettern an der Hauswand der Apostolischen Schule. Sie waren das Erste, was den meisten Besucher an diesem Samstag, dem 8. Juli 2017 wohl ins Auge fiel. Neben den Jugendlichen in den neongelben Ordnerwesten, die die Autofahrer zu einem gesonderten Parkplatz auf der benachbarten Wiese dirigierten. Denn auf dem Hof vor der Schule war ein großes Festzelt aufgebaut. Schüler, Lehrer und Erzieher der Apostolischen Schule wollten das erfolgreich zu Ende gegangene Schuljahr feiern und ihre Einladung wurde zahlreich angenommen: weit über 200 Gäste war nach Bad Münstereifel und in die Linnerjistraße gekommen, darunter auch die Bürgermeisterin des Ortes und Prälat Helmut Moll aus Köln. Prälat Moll, der für die Deutsche Bischofskonferenz das Martyrologium des 20. Jahrhunderts geschrieben hat und sich aus diesem Grund auch mit dem seligen Josef Marxen beschäftigte, zelebrierte die heilige Messe zu Beginn des Dankfestes.

Schüler und Lehrer vereint in der Arbeit am Musical über den seligen Josef Marxen

Weil das Musical im Vorjahr so gut angekommen war, hatten die Schüler in diesem Jahr ein weiteres Stück geschrieben und mit Professor Thomas Hunt, der wieder aus den USA angereist war, einstudiert und vertont. Dieses Mal ging es um seligen Josef Marxen, der als Märtyrer in Albanien starb und im November 2016 selig gesprochen wurde. Das Musical mit dem Titel „Der gute Hirte“ basiert im Wesentlichen auf dem Buch „Josef Marxen, Missionar in Albanien“ von Cäcilia Giebermann, in dem die Großnichte das Leben ihres seligen Verwandten nachzeichnet. Frau Giebermann hat sich so sehr mit dem Wirken ihres Großonkels beschäftigt, dass sie sogar Albanisch lernte und mehrmals das Land bereiste. Auch sie war mit mehreren anderen Verwandten aus der Familie Marxen in Bad Münstereifel und bedankte sich im Namen aller Angehörigen nach der Aufführung mit den Worten: „Als Familie von Josef Marxen freut es uns sehr, dass die Erinnerung überhaupt wachgehalten wird und dass sie auf so liebevolle Weise wach gehalten wird, wie wir das heute erleben durften. Im Gespräch mit Pater Valentin und Professor Hunt durfte ich erleben, wie akribisch und leidenschaftlich sie dieses Musical geplant haben. Jedes Detail im Text war wichtig und um der Musik, die wirklich großartig war, am Ende noch etwas Albanisches zu geben, haben sie sogar noch einige albanische Kinderlieder einstudiert. Das hat mich persönlich ganz besonders gefreut! In unserer Familie lebt keiner mehr, der noch eine persönliche Erinnerung an Josef Marxen hätte und ihr habt uns heute ein Stück Erinnerung geschenkt. Danke!“ Cäcilia Giebermann fährt regelmäßig nach Albanien und hat angeboten, interessierte Personen in die Berggemeinde Perlat mitzunehmen, um einen Eindruck zu bekommen, wie gastfreundlich, aber bitterarm die Menschen in Albanien sind. Nicht nur die heute alten Menschen, die Josef Marxen damals noch getauft hat, sondern auch deren Kinder und Enkel leben in großer Armut. Frau Giebermann erzälte eine Anekdote aus der Familie: „Als Josef Marxen einmal nach Deutschland reiste kam er mit leichtem Gepäck hier an und konnte seine Koffer bei der Rückkehr kaum tragen, soviel Essen hatte er mitgenommen für die Menschen in seiner Gemeinde.“ Sie bat um Spenden zur Unterstützung der Menschen in Perlat und führt so die Arbeit ihres seligen Verwandten heute noch fort.

In drei Akten durch ein ganzes Priesterleben

In drei Akten und mehreren kurzen Szenen zeichnet das Musical den Weg Josef Marxens von Bad Münstereifel – wo die Familie eine Zeitlang lebte – über die Seminarzeit und Priesterweihe bis nach Albanien nach.

Das Musical beginnt im Jahr 1922 als die Familie Marxen in Bad Münstereifel lebt, wo der Vater am Gut Vogelsang angestellt ist. Da sich die Eltern eine gute und christliche Ausbildung für ihre Kinder wünschen, schicken sie zwei ihrer Söhne, Josef und seinen Bruder Theodor in ein Internat der Steyler Missionare. Dort werden Josef erste Gedanken an eine mögliche geistliche Berufung gekommen sein. Das dies nicht frommes Wunschdenken ist, sondern durchaus Parallelen in die Lebenswelt heutiger Jungen hat, zeigt die Aussage des 13jährigen Gero, der in dieser ersten Szene den jungen Josef spielt: „Ehrlich gesagt passt die Rolle perfekt zu meinem Leben als Apostolischer Schüler. Etwa im gleichen Alter ist das Thema der Berufung ebenfalls von bedeutender Wichtigkeit.“

In der nächsten Szene sehen wir Josef als jungen Theologiestunden mit seinen Kameraden. Nach dem Noviziat bei den Steyler Missionaren hatte er sich jedoch entschlossen in das neu gegründete Orientalische Institut in München zu gehen, denn es war sein Herzenswunsch Missionar in Russland zu werden. Doch ein Verantwortlicher im Institut muss ihm mitteilen, dass aus diesem Herzenswunsch nichts werden wird. Aus Sicherheitsbedenken, weil die Situation der Christen in Russland immer schwieriger wird, werden bis auf weiteres keine Missionare mehr dorthin entsandt, so wird Josef mitgeteilt. Schweren Herzens übt er sich im Gehorsam und nimmt voll Abenteuergeist die neue Herausforderung an, nach Albanien zu gehen.

Als Pfarrer Marxen in Albanien sein Lebenswerk begann, zählte das Land etwa eine Million Einwohner, darunter 600.000 Muslime, 280.000 Ortodoxe und nur 120.000 Katholiken, viele davon in den kleinen Bergdörfern. Sehr bald wird Pfarrer Marxen von den albanischen Katholiken Dom Zef genannt. Er gewöhnt sich rasch an das sehr einfache und raue Leben in den Bergdörfern, vermittelt zwischen den Völkergruppen, wirkt als Friedenstifter – nicht nur bei Kinderstreitereien. Er versorgt die Menschen auch medizinisch, oft mit Medikamenten, die er von den deutschen Besatzungssoldaten erbettelt.

Der dritte Akt beginnt, als die deutschen Soldaten aus Albanien abziehen und die Kommunisten die Macht übernehmen. Pfarrer Marxen hätte die Möglichkeit gehabt, vorzeitig zurück nach Deutschland zu gehen, aber er entscheidet sich dagegen: Der gute Hirte verlässt seine Schafe nicht! Nun sehen wir drei Szenen, in denen die Kommunisten den guten Dom Zef verhaften, drangsalieren, verhöhnen. Sie verdächtigen ihn, ein Spion der Gestapo gewesen zu sein und Freundschaft mit Kriminellen gepflegt zu haben. Seine Gemeindemitglieder halten zu ihm und als er im Gefängnis ist, kommen sie zusammen und berichten einander von all den guten Taten, die Dom Zef für sie und ihre Familien getan hat. Selbst als sie von seiner Erschießung hören, bleiben sie im Gebet versammelt und denken traurig, aber voll Dankbarkeit an ihren Dom Zef, Pfarrer Josef Marxen.

27 Schüler, 4 Wochen Proben und viel Kreativität

Die Gäste des Musicals zeigten sich begeistert von der Kreativität der Schüler und wie sehr sie sich mit der Person Josef Marxen auseinandergesetzt und identifiziert haben. Besonders beeindruckt zeigte sich Frau Sabine Preiser – Marian, die Bürgermeisterin von Bad Münstereifel: „Ich bin mächtig stolz, dass Bad Münstereifel gleich drei Gymnasien hat. Das ist gut so, denn jedes Gymnasium hat seine Eigenart, dass jeder Schüler für sich den richtigen Weg finden kann. Ihr habt euch für dieses Gymnasium, für diesen Ort hier entschieden und das macht mich besonders stolz. Und wenn ich sehe, was aus euch geworden ist, dann gilt ein großes Dankeschön Pater Valentin, den Lehrern, den Eltern und allen Anwesenden, die hier sind, Herrn Hunt, der das Musical begleitet hat. Ich habe schon das letzte Mal gesagt: Hier sind wirklich wahre Talente hervorgegangen und einige von ihnen – ich bin mir sicher, es waren vier – habe ich letztes Jahr schon im Theaterstück bewundern können. Und heute das Musical hat gezeigt, sie haben sich noch einmal gesteigert! Dafür ein ganz herzliches Dankeschön! Ich wünsche Ihnen, Euch, ein schönes Leben! Viel Freude, viel Glück, viel Gottvertrauen, findet euren Weg.“

Schuljahresausklang bei Kaffee, Kuchen und Gemeinschaft

Das Musical stellte sicher einen Höhepunkt des ganzen Dankfestes dar, aber auch die ausgiebige und liebevolle Bewirtung mit Mittagessen, Kaffee und Kuchen und Abendessen sollte hier dankend erwähnt werden. Schüler, Lehrer, Erzieher, sowie Eltern, Geschwistern, Freunde und auch Wohltäter der Apostolischen Schule saßen zusammen, plauderten und feierten gemeinsam, dass wieder ein erfolgreiches Schuljahr in der Apostolischen Schule zu Ende gegangen ist.

Additional Info

  • Untertitel:

    Musical der Apostolischen Schule über den seligen Pfarrer Josef Marxen in Bad Münstereifel uraufgeführt – Dankworte von Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian

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