Freitag, 2. June 2017

„Den Himmel auf Erden leben“

Heimatprimiz von Pater Leonhard Maier LC in Moosach bei München

Große Ereignisse werfen meist längere Schatten voraus. Die Heimatprimiz von Pater Leonhard Maier LC im oberbayerischen Moosach wurde drei Tage vorher mit Gebeten, Beichtgelegenheiten und Krankenbesuchen des Primizianten in der Pfarrei eingeläutet. Schon bei den Vorbereitungen waren viele Menschen der Pfarreien Moosach, Bruck-Alxing und Oberpframmern beteiligt. Sie alle freuten sich sehr, dass Gott „einen von ihnen“ zum Priester berufen hat.

Am Freitag, den 19. Mai wurde der Primiziant ganz traditionell an seinem Elternhaus abgeholt, von Honoratioren, dem Heimatpfarrer Pater Egino und sogar einer kleinen Primizbraut begrüßt und danach im Festzug zur Pfarrkirche begleitet. Pater Leonhard sprach im Laufe der Andacht Jesus Christus seinen persönlichen Dank für das Geschenk der Berufung aus. Im Anschluss gab es einen Empfang im Pfarrheim, der musikalisch von der Moosacher Musikgruppe „Stoabucklmusi“ untermalt wurde.

Am Samstag, den 20. Mai besuchte Pater Leonhard die Kranken der drei Pfarreien, brachte ihnen die Krankenkommunion und den Primizsegen. Am späten Nachmittag gab es ein Treffen mit den Ministranten, um den Primizgottesdienst zu proben. Abends ergab es sich noch die Möglichkeit, mit den Fußballern den Aufstieg in die Landesliga zu feiern.

Ein Fest für das ganze Dorf

Höhepunkt der festlichen Tage war natürlich der Sonntag, 21. Mai. Am Tag der eigentlichen Heimatprimiz zog der Festzug mit Fahnenabordnungen, Ministranten, den Novizen der Legionäre Christi aus Neuötting-Alzgern, vielen angereisten Priestern und Gläubigen von der Pfarrkirche zu Pater Leonhards Elternhaus, auf dessen Wiese der Altar aufgebaut und geschmückt worden war. Die Primizmesse wurde musikalisch vom Kirchenchor des Pfarrverbandes zusammen mit der Grafinger Blaskapelle gestaltet. Die sehr persönliche Primizpredigt hielt der Firmpate von Pater Leonhard, Pfarrer Thomas Weiß aus Eiselfing. Am Ende dankte der Primiziant allen, die ihn hier in seinem Geburtshaus und der Nachbarschaft positiv geprägt haben. Zum Andenken an dieses Fest erhielt jeder Verein ein Erinnerungsband an seine Fahne, dazu wurde die Bayernhymne gesungen.

Nach der Messe zogen alle gemeinsam durch den Ort  mit wunderschön geschmückten Häusern zum Dorfplatz, wo den ganzen Tag das Pfarrfest stattfand. Die Stoabucklmusi kümmerte sich um die musikalischen Einlagen. Für die Kinder war eine Hüpfburg aufgebaut und am Nachmittag gab es für die Jugendlichen die Möglichkeit zu einem Fußballspiel mit den Novizen.

„Für einen Primizsegen läuft man sich die Schuhsohlen durch“

Am Montag nach der Primizfeier fand eine Fußwallfahrt der Pfarrei Moosach zum Marienwallfahrtsort Birkenstein statt. Dort feierte Pater Leonhard eine Dankesmesse mit anschließendem Einzelprimizsegen. Die Wallfahrtskirche bis auf den letzten Platz belegt. Nach dem gemeinsamen Mittagessen mit Freunden und Bekannten blieb nachmittags noch Zeit für Familienbesuche des Primizianten und Einzelprimizsegen bei einigen Kranken.

„In einem Priester schlägt Gottes Herz für die Menschen“

Seit der Priesterweihe am 10.12.2016 ist beinahe ein halbes Jahr vergangen. Wir wollten von Pater Leonhard wissen, wie es ihm seither ergangen ist und welche Pläne er für die Zukunft hat.

Ist das Leben anders als Priester?

Zunächst einmal: Wenn ich heute auf dem Petersdom oder im Flughafen angesprochen werde, ob ich jemandem die Beichte abnehmen kann, dann darf ich freudig mit „Ja“ antworten. Das war die letzten 13 Jahre anders. Wir Legionäre Christi sind öffentlich immer als Ordensleute gekleidet, und da kommt es schon häufig zu Beichtanfragen. Jeden Tag höre ich mindestens eine Beichte. Das ist vielleicht die größte Veränderung in meinem Leben gewesen. Die zweite Sache, die mein Leben „anders“ macht, ist die Tatsache, dass ich die Messe feiern kann, wann ich will. Die Freude am Ordensleben als direkter Christusnachfolge ist dagegen die gleiche geblieben wie vor der Priesterweihe. Langsam spüre ich, wie gewissermaßen Gottes Herz in mir schlägt: ich darf in seinem Namen leben und wirken, und das in all meiner Begrenztheit, von der sich Gott nicht abhalten lässt.

Feiern Sie jeden Tag eine Messe und was erleben Sie dabei?

Seit meiner Priesterweihe gab es einen Tag, an dem ich im Eifer des Gefechtes übersah, die Messe zu feiern. Doch die Freude der Messe will ich mir und der Kirche an keinem Tag mehr vorenthalten. Ich erfahre dabei die Erfüllung eines existenziellen Bedürfnisses, nämlich meine persönlichen Anliegen und die Gebetsanliegen der mir anvertrauten Menschen am richtigen Ort zu deponieren: bei Gott, bei Jesus Christus. Ich habe gelernt, dass ich nirgendwo finde, was nur er mir geben kann. Im Moment der Wandlung spüre ich ihn besonders real gegenwärtig: da schütte ich ihm mein Herz aus. Ich brauche diesen Höhepunkt und diese göttliche Lebensquelle täglich.

Können Sie von einem besonders schönen Erlebnis berichten?

Neben der Erfahrung Christi in der täglichen Messe kann ich berichten von der Freude, die man als Beichtvater erlebt, wenn einer zur Beichte kommt, der lange weit weg von Gott war und in diesem Moment voll Reue vor Dir im Beichtstuhl kniet. Da bleibt auch bei mir kein Auge trocken und ich spüre, wie Gott diesen Menschen an sich drückt und umarmt und liebkost. Ich muss gestehen, dass für mich als Priester der Legionäre Christi jeder Tag ein besonders schönes Erlebnis und ein wahres Fest ist. So ein Leben in gemeinschaftlicher Hingabe macht einfach zufrieden und erfüllt.

Waren Sie auch mal traurig – über was?

Jeden Tag beim Breviergebet schließe ich vor allem die Jugendlichen ein, die sich aus irgendeinem Grund verschlossen haben und kein Interesse mehr an Gott zeigen. Ihr Zustand macht mich traurig, weil ich weiß, dass sie gerade das Beste versäumen, was das Leben zu bieten hat. Solche Momente der Traurigkeit habe ich jedes Mal, wenn ich an diese konkreten Jugendlichen denke. Doch ich weiß auch: Gott hört zu, wenn ich für sie bete und wird Wege arrangieren, dass sie zum Leben in Fülle gelangen.

Was verbindet Sie mit Ihrer Heimat Bayern?

Besonders das Feiern der Feste, was in meiner Heimat Moosach besonders gut praktiziert wird. Wenn ein Verein ein Jubiläum hat, dann gibt es eine ganze Festwoche, deren krönender Abschluss immer ein Festsonntag mit Feldmesse ist. Die Blasmusik, die Weißwürste, das gute Bier, die fesche Tracht, die Gemütlichkeit, die Ehrfurcht vor Gott, das Herausputzen der Häuser und Straßen: all das hat sich in der bayrischen Kultur zu einem ganzheitlichen, sinngebenden Lebensstil entwickelt, den ich so noch nirgends auf der Welt antreffen konnte. Wenn ich nach längerer Abwesenheit wieder nach Hause komme an den Münchner Flughafen, ist das immer ein Vorgeschmack des Paradieses, wirklich. Schon das Flughafenpersonal in München ist anders: als ich aus Versehen eine größere Flasche Weihwasser im Handgepäck hatte, ließ der Beamte mir diese im Koffer, weil er wusste, dass wir das nicht wegwerfen können. Ich merke, dass auch in der Jugendarbeit, wie aufgeweckt, kreativ und fähig die jungen Bayern sind. Mindestens einmal pro Jahr machen viele Bayern eine Wallfahrt nach Altötting, das prägte mich auch, daneben der Marienwallfahrtsort Birkenstein. Die Gottesmutter ist uns Bayern ein Herzensanliegen: denn sie führt uns sicher zu Jesus.

Wie sind Ihre Zukunftspläne?

Jeden Tag mit Lust den Willen Gottes erfüllen, mit Freude und Frische, in Liebe in der Gemeinschaft, in die Gott mich gestellt hat, mit den konkreten Menschen, die ich um mich habe! Ab September werde ich der Gemeinschaft von Alzgern-Neuötting zugeteilt. Meine Aufgabe wird sein, mit den Patres in Oberösterreich und Süddeutschland in erster Linie in der Jugendarbeit des Regnum Christi tätig zu sein. Da gibt es die Gemeinschaft „ECyD“, das sind Jugendliche von 11 bis 17 Jahren, deren geistliche Begleitung mir anvertraut sein wird. Darüber hinaus wird sich vieles ergeben, um Gott zu verherrlichen und die Menschen ihm nahezubringen.

Additional Info

  • Untertitel:

    Heimatprimiz von Pater Leonhard Maier LC in Moosach bei München

  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
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