Dienstag, 22. November 2016

„Kann Jesus uns erlösen?“

Brief von P. Eduardo Robles Gil LC (Generaldirektor) zum Christkönigssonntag, Patrozinium des Regnum Christi

In einem Brief vom 20. November 2016 übermittelt P. Eduardo Robles Gil LC, Generaldirektor der Legionäre Christi und des Regnum Christi, einige persönliche Gedanken und Reflexionen zum Christkönigsfest. Der vorliegende Text ist eine Übersetzung des spanischen Originals.

 

 

* * *

 

20. November 2016               

An die Mitglieder und Freunde des Regnum Christi

 

Liebe Freunde in Christus,

am heutigen Christkönigsfest, dem Patrozinium des Regnum Christi, wird der Heilige Vater das Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit feierlich beenden. Es war ein außerordentliches Jahr, in dem die ganze Kirche reich beschenkt wurde mit den Gnaden und Ablässen, die Christus uns mit seinem Gehorsam bis zum Tod am Kreuz erworben hat.

Auch im Regnum Christi sind wir in den Genuss der Geschenke der göttlichen Barmherzigkeit gekommen. Vor zwei Wochen waren einige Obere der Legionäre Christi in Rom zu einem Fortbildungskurs versammelt. Tage zuvor hatte das Generalleitungskomitee der Bewegung dem Territorium von Spanien sowie Frankreich und Deutschland, die zum Territorium von West- und Mitteleuropa gehören, einen Besuch abgestattet. Es war sehr ermutigend, dabei zu hören, wie die göttliche Barmherzigkeit in diesem Heiligen Jahr in allen Ländern wahre Wunder gewirkt hat: Einige davon sind sichtbar, andere – die schönsten – vollziehen sich im Inneren des Herzens und im Gewissen jedes Einzelnen und zeigen, dass das Reich Christi mitten unter uns ist und an Kraft gewinnt.

Im Evangelium der Messe zum Christkönigsfest lädt uns die Kirche ein, Jesus Christus am Kreuz zu betrachten, wie er mit dem Verbrecher spricht, der zu seiner Rechten gekreuzigt wurde (Lk 23,35-43). Dieses Gespräch besitzt auch einen übertragenen Sinn, denn Jesus zeigt, dass er die Macht hat, konkrete Einzelpersonen und die ganze Menschheit zu erlösen. Die dort anwesende Menge sagt zu ihm: „Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen.“ Die Soldaten fordern ihn heraus: „Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst.” Und schließlich sagt einer der Verbrecher, der sich von dieser Haltung anstecken lässt, zu ihm: „Hilf dir selbst und auch uns.“ Vermag Jesus Christus uns zu retten? Kann Jesus uns erlösen? Welche Erlösung möchte er uns schenken?

In diesem Zusammenhang beindruckt der Glaube des Dimas (wie die Tradition den „guten Schächer“ genannt hat): Er weiß, dass ihm wegen seiner Sünden und seiner Schuld recht geschieht, wendet sich aber mit schlichten Worten an das Herz Jesu und bittet darum, dass Jesus sich an ihn erinnern möge: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Und die Antwort lässt nicht auf sich warten: Jesus handelt. – Ja, um uns das Tor seiner Liebe zu öffnen, das Tor zu seiner Vergebung und seiner Barmherzigkeit, genügt ihm die kleinste Geste, die geringste Sehnsucht nach einem Wandel im eigenen Leben und nach aufrichtiger Bekehrung: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Jesus Christus besitzt tatsächlich die Macht, sich zu retten, sein Leben hinzugeben und es wieder zu nehmen, zum Schoß des Vaters zurückzukehren, wo er dieselbe Herrlichkeit besitzt, die er hatte, bevor die Welt war. Als Guter Hirte, der sein Leben für seine Freunde hingibt, steht uns in Christus die Tür zum Himmel offen und er besitzt die Macht, uns mit sich zu nehmen: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Wenn Gott uns die ewige Erlösung spendet, übt er gegenüber jedem von uns den höchsten Akt der Barmherzigkeit aus, denn wir empfangen sie unverdient, geschenkt. Dimas drückt es so aus: „Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten.“ Doch wenn wir ihn suchen und ihn darum bitten, schenkt uns Gott, der die Barmherzigkeit ist, im Gegenzug den Himmel.

Wie gut tut es uns doch, die Gleichnisse der Barmherzigkeit zu betrachten (vgl. Lk 15)! Hier entdecken wir die Zuneigung eines Vaters, der seinen verlorenen Sohn aufnimmt; einen Hirten, der nicht davor zurückschreckt, sich durch Gestrüpp und Dornen durchzuschlagen, um das verirrte Schaf zu retten; eine Frau, die sich nicht damit abfindet, ein Geldstück von geringem Wert verloren zu haben. Und diese Betrachtung steckt uns mit der Freude an, die Gottes Herz gegenüber jemandem empfindet, der sich der Aussöhnung, der Vergebung, einem neuen Leben öffnet– ganz gleich, welche Vorgeschichte er gehabt haben mag.

Der rechte Schächer näherte sich vertrauensvoll dem Thron der Gnade – dem Kreuz – und erhielt vom Herrn das Versprechen, für immer mit ihm im Paradies zu sein. Jesus bietet sein Reich jedem Sünder an, der wirklich daran glaubt, dass Gott nicht müde wird zu vergeben, dass er sich ganz im Gegenteil daran freut, uns wieder auf den Beinen zu sehen, aufrechtstehend und in unserem Leben erneuert.

In diesem Jubiläumsjahr hatten wir die Chance zu erfahren, wie unverdient und leicht wir uns dieser unerschöpflichen Barmherzigkeit erfreuen können, und wir durften entdecken, wie das göttliche Leben in uns gestärkt wird, wenn wir uns seinem Wort und seinen Sakramenten, vor allem der Beichte und der Eucharistie, im Glauben nähern.

Am Kreuz nimmt Jesus Christus den guten Schächer und mit ihm alle großherzig auf, die sich, wie er, als Sünder bekennen. Wir sind alle berufen, an seinem Reich teilzuhaben. Der Gekreuzigte hält das Herz und die Arme offen, er herrscht mit Dornen gekrönt, um uns zu lehren, wie wir jene aufnehmen sollen, die uns Leid zugefügt haben, uns ungerecht behandeln oder uns zur Last fallen. Dimas empfing die Gabe der Barmherzigkeit am Ende seines Lebens, wir empfangen sie ständig. Er hatte in seinem Leben keine Gelegenheit mehr, um barmherzig zu sein. Wir haben das ganze noch vor uns liegende Leben, um Barmherzigkeit zu üben.

Die persönliche Erfahrung der barmherzigen Liebe Christi, unseres Königs, ruft in unserem Herzen ein Echo hervor, das wie das Motto dieses Jubiläumsjahres klingt: „Barmherzig wie der Vater.“ Wir können die Liebe Gottes nicht für uns selbst behalten. Das göttliche Leben, das wir bei der Taufe empfangen haben, können wir nicht verstecken. Über all das, was wir im Kontakt mit Christus gesehen und gehört haben, können wir nicht schweigen.

Die Präfation des Christkönigsfests beschreibt sehr schön, welche Eigenschaften das Reich Christi besitzt. Es ist „das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens“. Diese Eigenschaften offenbaren die geheimnisvolle, aber reale Gegenwart des Reiches Christi, das in die Geschichte hineinwirkt. Jesus hätte uns sein Reich in all seiner Pracht offenbaren können, doch, weil er barmherzig ist, hat er es vorgezogen, uns dazu einzuladen, mit ihm zusammenzuarbeiten, damit wir in der Wahrheit leben, das Leben feiern und verteidigen, die Heiligkeit suchen, die Gnade annehmen, für die Gerechtigkeit arbeiten, die Liebe ausstrahlen und bei der Suche nach Frieden mit allen Menschen guten Willens zusammenarbeiten.

Dieses Reich Christi befindet sich mitten unter uns, doch sind wir gerufen, es auszustrahlen, uns völlig Jesus Christus zur Verfügung zu stellen, damit seine lebendige Gegenwart die finsteren Orte erleuchten kann, die Traurigen und Kranken trösten, den Hunger und Durst unserer Brüder und Schwestern stillen, die Obdachlosen aufnehmen und nicht zuletzt denen vergeben kann, die uns verletzt haben.

Das Jahr der Barmherzigkeit ist zu Ende, aber das Herz Jesu erwartet von uns, dass wir weiterhin barmherzig sind und dies zum Ausdruck bringen. Jesus will sogar, dass wir Mitarbeiter und Werkzeuge seiner Liebe sind. Er lädt uns dazu ein, seine Barmherzigkeit in allem, was wir tun, zum Wohl unserer Brüder und Schwestern gegenwärtig zu machen.

Ich denke, es kann uns sehr guttun, wenn wir auf geistige Weise zum Kalvarienberg hinaufsteigen und dort mit Jesus ein Vaterunser beten. Die Bitten erlangen dort eine große Bedeutung. Er zeigt uns dort, was es heißt, in dieser Welt unter seiner Herrschaft zu leben. Und wir bitten ihn darum, dass sein Reich in unserem Leben Einzug halten und dass er uns die Kraft geben möge, seine Apostel zu sein und seinen Willen zu erfüllen; dass er uns von allem Bösen und jeder Versuchung befreie und uns helfe, versöhnungsbereit zu sein.

Liebe Mitglieder des Regnum Christi, danken wir Christus, unserem König, für all die Gnaden, die er uns in diesem Jahr der Barmherzigkeit geschenkt hat. Nachdem wir nun die Erfahrung gemacht haben, wie viele leicht zugängliche Möglichkeiten es gibt, um seine Barmherzigkeit wirksam zu empfangen, bitte ich Gott darum, uns allen die tiefe Überzeugung zu schenken, dass er ein barmherziger Vater ist. Er schenke uns die Gewissheit, dass wir trotz unserer Sündhaftigkeit, durch die wir immer seines Erbarmens bedürfen, auch dazu berufen sind, sein Reich gegenwärtig zu machen, indem wir „barmherzig wie der Vater“ sind.

Gerade heute, am Christkönigsfest, dürfen Sie besonders auf mein Gebet zählen. Ihr Bruder in Christus und der Bewegung,

P. Eduardo Robles Gil LC

 

P.S.: Bitte denken Sie in Ihren Gebeten an die 36 Diakone, die am kommenden 10. Dezember in Rom zu Priestern geweiht werden. Mögen sie für die Menschen, denen sie auf ihrem Weg begegnen, wahre Zeichen und Werkzeuge der göttlichen Barmherzigkeit sein.

 

 

Additional Info

  • Untertitel:

    Brief von P. Eduardo Robles Gil LC (Generaldirektor) zum Christkönigssonntag, Patrozinium des Regnum Christi

  • Datum: Ja
  • Druck / PDF: Ja
facebook Google Plus Twitter You Tube

    

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok