Dienstag, 27. September 2016

Für das Leben

Beim „Marsch für das Leben“ in Berlin bezeugten 7.500 Teilnehmer, darunter fünf katholische Bischöfe, den Wert jedes Lebens.

von Karl-Olaf Bergmann

Am 17. September berichtete der belgische TV-Sender „BBC News“, dass erstmals im Land ein Teenager durch aktive Sterbehilfe sein Leben verlor. Am gleichen Tag fand in Berlin der zwölfte „Marsch für das Leben“ statt.

Jeder Mensch ist gleich wertvoll!

Zum „Marsch für das Leben“ aufgerufen hatte einmal mehr der Bundesverband Lebensrecht e. V. Die Demonstration stand dieses Jahr unter dem Leitthema: „Jeder Mensch ist gleich wertvoll“. Damit richtete sich die Aktion vor allem gegen Eingriffe in das vorgeburtliche Leben sowie Praktiken der Sterbehilfe.

Aktive Sterbehilfe ist seit 2003 in Belgien teilweise legalisiert und damit keine Straftat. Ein Jahr zuvor hatten die Niederlande diesen Schritt vollzogen. Die Fälle aktiver Sterbehilfe steigen in Belgien seitdem stetig an, 2010 beendeten 954 Menschen auf diese Weise ihr Leben, 2015 waren es schon 2021 Fälle. Im gleichen Jahr wurden in Deutschland 99.237 Kinder vor ihrer Geburt abgetrieben (2014 waren es 99.715). Eingriffe in das vorgeburtliche Leben, wie der umstrittene Bluttest zur Diagnose des Down-Syndroms, könnten hierzulande bald Krankenkassenleistung werden. Schon jetzt werden 90 Prozent aller Kinder, bei denen das Down-Syndrom diagnostiziert wird, abgetrieben. Fast alle Frauen, die in einer solchen Situation Hilfe suchen, stehen unter erheblichen Druck und sind in ihrem Schwangerschaftskonflikt verzweifelt.

In einem Grußwort hatte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, an die Teilnehmer des „Marsch für das Leben“ gewandt und ihnen gutes Gelingen gewünscht. Marx dankte den Teilnehmern für deren beständigen Einsatz. Gleichzeitig sei es eine fortwährende gesellschaftliche Verpflichtung, für die von Gott geschenkte Menschenwürde einzustehen. „Durch den alljährlichen Marsch setzen Sie ein augenfälliges Zeichen des Respekts vor der Würde eines jeden menschlichen Lebens“, so Kardinal Marx. Insbesondere müsse dabei auch der Schutz ungeborener Kinder in den Blick genommen werden. Kardinal Marx erinnerte dazu an die jüngste Debatte um die Finanzierung eines Trisomie-Bluttests für Schwangere durch die Krankenkassen. Die kontrovers geführte Diskussion zeige, „dass viele Menschen eine – bei positivem Ergebnis – als selbstverständlich erscheinende Reaktion in Form einer Abtreibung mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können. Diese Auffassung gilt es zu stärken“. Kardinal Marx erinnerte auch an das Nachsynodale Apostolische Schreiben „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus. Darin mahnt der Papst, dass nur Gott die wahre Identität eines Kindes kenne. Um ein ungeborenes Kind als die Person zu erkennen und anzunehmen, die es ist, genüge es daher nicht, seinen genetischen Code auszulesen. Der „Marsch für das Leben“ sei eine klare Bezeugung dieser Auffassung, so Kardinal Marx.

Schwangere Frauen stärken

„Ich trage heute ganz besonders die Frauen im Gebet in meinem Herzen, die vor der Entscheidung stehen, ein Kind abzutreiben, dass sie es annehmen, es lieben lernen und eine Beziehung zu ihm aufbauen können und besonders die Frauen, die schon abgetrieben haben, dass sie Heilung aller ihrer Wunden erfahren und dass sie Versöhnung und Vergebung finden.“, sagte eine junge Demonstrantin auf die Frage, warum sie bei dieser Aktion in Berlin dabei sei. Auffällig war auch in diesem Jahr, wie viele junge Leute beim „Marsch für das Leben“ teilnahmen. Mit ihren farbenfroh gestalteten Plakaten ermutigten sie zu einem „Ja zum Leben“ und dass jedes Kind leben will. Einige junge Männer trugen Plakate mit der Aufschrift „Echte Männer stehen zu ihrem Kind“ und machten damit deutlich, dass betroffene Frauen vor allem Hilfe brauchen, an erster Stelle von den Vätern der ungeborenen Kinder.

Am „Marsch für das Leben“ nahmen in diesem Jahr auch der Erzbischof von Berlin Dr. Heiner Koch, der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich, der Bischof von Regensburg Rudolf Voderholzer und der Weihbischof von Augsburg Florian Wörner teil. „Das Zeugnis für das Leben beginnt im Alltäglichen: Wie wir miteinander umgehen, wie wir einander achten, wie wir einander in Liebe begegnen.“, sagte Kölns Weihbischof Dominikus Schwaderlapp, der ebenfalls nach Berlin gekommen war, am Rande der Kundgebung.

Schweigemarsch und ökumenischer Gottesdienst

Der „Marsch für das Leben“ begann 13 Uhr mit einer Kundgebung vor dem Reichstagsgebäude in Berlin, die der Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Martin Lohmann (Bonn), moderierte. Die Organisatoren des „Marsch für das Leben“ um Lohmann betonten dabei, dass sie den Lebensschutz als ökumenisch und überparteilich verstanden wissen wollen und eine politische Vereinnahmung z.B. durch einzelne Parteien ablehnen. Anschließend fand die Demonstration in Form eines Schweigemarsches durch Berlin-Mitte statt, an dem ca. 7.500 Personen teilnahmen, darunter auch Legionäre Christi und Mitglieder des Regnum Christi. Die Veranstaltung endete mit einem ökumenischen Gottesdienst.

Additional Info

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    Beim „Marsch für das Leben“ in Berlin bezeugten 7.500 Teilnehmer, darunter fünf katholische Bischöfe, den Wert jedes Lebens.

  • Kategorie News : Aktuelles zum Thema Ehe & Familie und Erwachsenenbildung
  • Datum: Ja
  • Druck / PDF: Ja
  • Region: Deutschland
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