Dienstag, 13. September 2016

Bei Gott und bei den Menschen bleiben

Erste Ordensprofess und Gelübdeerneuerung von Legionären Christi in Altötting

von Karl-Olaf Bergmann

Am 10. September legten die zwei Novizen in einem feierlichen Gottesdienst in der Basilika St. Anna in Altötting ihre ersten Ordensgelübde ab. Mit der Profess beendeten sie ihre zweijährige Vorbereitungszeit auf das Ordensleben. Br. Michael Hemm LC erneuerte seine zeitlichen Gelübde für weitere drei Jahre.

Die jungen Männer gelobten vor etwa 300 Gläubigen, in Armut, Keuschheit und Gehorsam zu leben. Der Gottesdienst fand auch in diesem Jahr, dank der Gastfreundschaft der Kapuziner, in der Basilika St. Anna statt. Zur Feier angereist waren neben den Eltern und Verwandten der Professen auch zahlreiche Priester und Ordensleute der Legionäre Christi aus Österreich, Deutschland und Mexiko. Aus der Heimatpfarrei von Br. Jonathan in Rodgau (Hessen) war außerdem eine Gruppe von Gläubigen zu Besuch. Zu den Gästen zählte ebenfalls Landrat Erwin Schneider (Altötting). Viele der Gottesdienstbesucher folgten anschließend der Einladung zum Empfang mit Programm ins Noviziat nach Neuötting-Alzgern.

Bei Gott und den Menschen bleiben

Woher kommen diese Novizen? Mit dieser Frage leitete P. Andreas Schöggl LC (Ordensprovinzial) seine Predigt ein. Vier Eckpunkte seien maßgeblich für ihr Woher: die Heimat und Familie der Novizen, das Gebet vieler für ihre Berufung, das Vorbild anderer in der Christusnachfolge und die Zeit des Reifens auf diesem Weg im Noviziat. Mit dem Ende der zwei Jahre im Noviziat und dem Beginn des Ordenslebens ginge es nun vor allem darum, in der Liebe Christi zu bleiben. Wie könne dies gelingen? Indem der Ordensmann bei dem bleibt, der ihn liebt. Jesus. An dieser Stelle erinnerte der Ordensprovinzial an Worte von Benedikt XVI. Bei dessen Besuch vor zehn Jahren, am 11. September in Altötting, hatte er die Gläubigen daran erinnert, was einen Apostel ausmacht: „Mit Gott sein und gesandt sein zu den Menschen. (…) Bitten wir den heiligen Bruder Konrad, dass er uns hilft, den Blick auf den Herrn gerichtet zu halten und dass er uns so hilft, Gottes Liebe zu den Menschen zu bringen.“In diesem Sinne ermutigte P. Andreas die Professen: „Bleiben Sie bei Gott und bleiben sie bei den Menschen! Sie sind nicht ins Kloster gegangen, um sie los zu werden.“

„Irgendetwas ist da, das hat mir Gott ins Herz gelegt.“

Br. Jonathan Fuhr LC ist in der Nähe von Frankfurt am Main aufgewachsen. Beide Eltern arbeiten als Erzieher. „Meine Eltern sind sehr gläubig, sie hatten sich auf ihrer Suche nach dem Glauben verschiedenen geistlichen Gemeinschaften angeschlossen. Sie hören bewusst hin, was Gott uns sagen möchte“, beschreibt er sie. Br. Jonathan lernte bereits sehr jung verschiedene Formen katholischer Spiritualität kennen. So empfing er seine Erste heilige Kommunion bei den Kapuzinern in Liebfrauen in Frankfurt und besuchte drei Jahre lang das Franziskanergymnasium in Großkrotzenburg. „Der franziskanische Geist hat mich früh geprägt. Als Schüler verstand ich die Radikalität der Forderungen des heiligen Franziskus noch nicht, das tue ich erst heute.“, sagt er rückblickend. Erst später kam er mit den Legionären Christi in Kontakt. So beschloss er, gemeinsam mit seinem Bruder, die „Apostolische Schule“ in Bad Münstereifel kennenzulernen. Dort absolvierte er schließlich sein Abitur und entscheidet sich danach, in das Noviziat einzutreten. Damit gehört er zum ersten Jahrgang von Novizen in Neuötting-Alzgern. Zur Bedeutung der ersten Profess für ihn befragt, sagt der junge Ordensmann: „Für mich ist meine Profess der Abschluss meines Noviziats. Meine Empfindungen wechseln im Moment zwischen frohem Erwarten und Staunen darüber, was Gott alles mit mir in diesen zwei Jahren gemacht hat. Ich habe meine Entscheidung reif und frei getroffen, mich Gott und den Menschen einfach hinzugeben. Ich konnte in meinen zwei Jahren im Noviziat deutlich erkennen, dass Gott mir die Gnade geschenkt hat, dass ich so wachse. Zulassen zu können, dass Gott das tut, das zeichnet das Noviziat aus. Ich empfinde große Dankbarkeit Gott gegenüber, meinem Ausbildungsteam, die das Beste für mich wollen und mich so sein lassen wie ich bin. Letztlich danke ich meiner Familie, die mir das Leben im Glauben ermöglicht hat.“

Br. Jonathan Fuhr LC wird in den nächsten Tagen für ein Jahr, so ist es geplant, nach Monterrey, im Norden Mexikos aufbrechen. Dort absolviert er humanistische Studien und wird auch das Wirken des Regnum Christi noch besser kennenlernen.

„Ich bin ein Suchender, Gott habe ich schon gefunden.“

Geboren in Veracruz am Golf von Mexiko, wuchs Br. Pedro Cadena Díaz LC zusammen mit zwei Brüdern und einer Schwester in Saltillo, im Bundesstaat Coahuila de Zaragoza, an der Grenze zu Texas auf. Ein anderes Land, eine andere Kultur kennenzulernen, in eine neue Sprache einzutauchen, das bereichere ihn sehr, sagt der junge Ordensmann, der ebenfalls ein „Novize der ersten Stunde“ in Alzgern war. „Meine Familie ist sehr gläubig und sie freuen sich alle sehr über meinen Weg.“ sagt er. Vom Regnum Christi habe er über seinen älteren Bruder erfahren: „Ich bin zu einem Jugendclub des RC eingeladen worden und habe dort vom Besuch einer Apostolischen Schule erfahren.“ Schon bald verbrachte er ein Schnupperwochenende in Monterrey. „Es hat mir sehr gefallen, ich bin in die Schule eingetreten und sechs Jahre geblieben.“ Danach befragt, wann er zum ersten Mal spürte, dass er zum Priester berufen sei, überlegt Br. Pedro nicht lange: „Als Kind machte ich mir nicht viele Vorstellungen darüber, was ich einmal mache. Ich schwankte zwischen Biologe, weil ich sehr tierlieb bin und Arzt, weil ich den Menschen helfen wollte. Vor allem aber liebe ich die Menschen. Und während meines Besuchs der Apostolischen Schule merkte ich einfach, Priester zu sein, das war in mir drin und das wollte ich werden.“ Der Eintritt in das Noviziat sei für ihn ganz selbstverständlich gewesen: „Ich fragte mich nie, was lasse ich zurück. Mich hat der Weg zu und mit Gott einfach fasziniert. Denn, wenn Gott mit mir ist, ist alles gut und ich weiß, dass mein Weg immer ein überraschender sein wird.“

Br. Pedro Cadena Díaz LC verlässt Deutschland nach der Profess in Richtung USA. Er wird in Cheshire, CT sein Studium am „Legion of Christ College of Humanities“ aufnehmen und dort wie Br. Jonathan humanistische Studien absolvieren.

Noviziat: eine zweijährige Probezeit

Vor ihrer ersten Profess hatten die neuen Ordensleute eine zweijährige Probezeit, das Noviziat, absolviert. In dieser Zeit nutzten die jungen Männer die Möglichkeit, in der Stille und Zurückgezogenheit des Noviziats ihrer Berufung zum Ordensleben und Priestertum gezielt nachzugehen. Geprägt ist diese Phase durch das Gebet, die Vertiefung der eigenen Beziehung zu Gott, der Kenntnis der Kongregation, ihrer Spiritualität und ihrer pastoralen Arbeitsbereiche. Am Ende dieser Zeit legten die jungen Männer, die ihrer Berufung sicherer geworden sind, nun ihre ersten zeitlichen Gelübde ab, zunächst für drei Jahre. Nach dem Noviziat werden sie ihre Ausbildung mit den humanistischen Studien fortsetzen, an die sich ein Philosophie- und Theologiestudium sowie ein Pastoralpraktikum anschließen.

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Additional Info

  • Untertitel:

    Erste Ordensprofess und Gelübdeerneuerung von Legionären Christi in Altötting

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