Mittwoch, 31. August 2016

„Ein erfülltes Leben“

Zwei Geschwister, P. Andreas Kramarz LC und Sr. Euthymia, zu Gast bei „Herzogenrather Montagsgespräche“ zum Thema geistliche Berufungen

von Karl-Olaf Bergmann

Die Veröffentlichung der aktuellen kirchlichen Jahresstatistik diese Tage in Deutschland hat hierzulande erneut eine rege Diskussion zum Thema Priesternachwuchs und geistliche Berufungen ausgelöst. Unter dem Titel „Königskinder“ fand am 29. August in Herzogerath (Bistum Aachen) ein Gesprächsabend über geistliche Berufungen in unserer Zeit statt. Dazu eingeladen waren Pater Andreas Kramarz LC und Schwester Euthymia. Sie sind leibliche Geschwister. An die 100 Zuhörer kamen. Pfr. Dr. Guido Rodheudt führte die beiden Gesprächspartner ein. Unter den Anwesenden war auch die Mutter der Geschwister. P. Andreas und Sr. Euthymia sprachen auf dem Podium über ihren Weg mit Gott und antworteten auf die Fragen des Publikums.

Die Geschwister schilderten ihren persönlichen und geistlichen Werdegang, vor allem die Berufungsfindung, und gingen auf die Problematik ein, wie man heute geistliche Berufungen fördern kann in Familien und in Pfarreien. P. Andreas, der seit 1999 im Ausbildungshaus der Legionäre Christi in Cheshire, Connecticut (USA) als Lehrer und (seit 2009) als Studienpräfekt wirkt, sprach über die Unterschiede diesbezüglich zwischen der katholischen Kirche in den USA und in Deutschland.

Eucharistische Anbetung als Quelle der Berufungen

Sr. Euthymia hatte auf ihren Weg zum Ordensleben viele Gemeinschaften besucht, „Aber jedes Mal, wenn ich nach Hause zurückkam, war alles wie vorher, nur nach meinem Besuch in Thuine nicht. Ich fand dort die Gewissheit, dass Gott mich irgendwie hier haben will.“ Und doch war aller Anfang schwer: „Ich versuchte, mit Gott zu verhandeln, ob das nicht irgendwie anders geht. Ich habe wohl keinen Zweifel ausgelassen, den man an einer Berufung haben könnte.“ In der geistlichen Begleitung fand sie schließlich die Ermutigung, diesen Schritt zu wagen. „Kernstück für unsere Spiritualität in Thuine ist die eucharistische Anbetung. Aus diesem Geist heraus tun wir unsere Arbeit. Dort werden auch die Anliegen unserer weltweiten Tätigkeit vor Gott getragen.“ Sr. Euthymia ist davon überzeugt, dass die Anbetung auch eine Ursache dafür ist, dass die Gemeinschaft weiterhin Berufungen hat.

Wie können Familien zur Förderung einer geistlichen Berufung beitragen?

P. Andreas verwies in seiner Antwort vor allem auf den Wert des gemeinsamen Gebetes und die Möglichkeit der Kinder, mit ihren Eltern all ihre Fragen und Sorgen besprechen zu können. Prägend seien außerdem eine ansprechende Vermittlung des Glaubens in der Jugendarbeit und das Vorbild der Priester und Ordensleute selbst. „Dabei ist es besonders wichtig, dass die jungen Menschen verstehen, dass man als Priester oder Ordensmann oder Ordensfrau kein ‚Loser‘ ist, sondern ein sehr erfülltes Leben wählt. Das Priestertum ist nicht ein Beruf wie jeder andere auch. Wir müssen neu lernen zu schätzen, was für ein großes Geschenk es ist, die hl. Messe zelebrieren oder anderen Menschen im Namen Christi die Sünden vergeben zu dürfen – etwas, was niemand sonst kann, was man sich nicht nehmen, sondern wofür man nur von Gott erwählt werden kann.“ Die nordamerikanische Kirche leide zwar auch an der Berufungskrise, und es gebe auch große Unterschiede je nach Diözese oder Pfarrei. „Allgemein jedoch fällt auf, dass die amerikanischen Katholiken weniger kompliziert sind als die Deutschen und den Glauben einfach so leben, wie er ist. Während die amerikanische Kirche nach dem Konzil eine der progressivsten und radikalsten war, hat sich doch vieles in den vergangenen Jahrzehnten wieder normalisiert.“

Der Abend schloss mit vielen persönlichen Gesprächen zwischen den beiden Gästen und Zuhörern. Während Sr. Euthymia danach wieder in ihr Kloster zurückkehrte, verbringt ihr Bruder, P. Andreas, noch einige Tage mit den Ordensleuten seiner Gemeinschaft hier in Deutschland und Österreich. Am 9. September reist er dann, zu Semesterbeginn, zurück nach Cheshire in die USA.

Zur Person

Pater Dr. Andreas Kramarz LC: Geboren am 22. Oktober 1968 in Düsseldorf. Werdegang: Aachener Domsingschule (Grundschule, 1974-1978), Mitglied im Aachener Domchor, Pius-Gymnasium (Abitur 1987), Studium von Philosophie, Germanistik, Diplomtheologie erst an der RWTH Aachen, dann an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Abschluss mit Theologie-Diplom (1992) und 1. Staatsexamen in Deutsch und Kath. Religionslehre (1993). Zivildienst im Hospiz Haus Hörn (Aachen). Im Oktober 1994 bei LC ins Noviziat in Roetgen eingetreten, dann ein Jahr in Spanien, zwei Jahre in Rom (Lizenziat in Philosophie), seit 1999 in Cheshire, Connecticut (USA) als Lehrer und (seit 209) als Studienpräfekt. 2013 Abschluss eines Doktorates an der University of Florida in „Classical Civilization“, Buchveröffentlichung zu Wirkung und Wert der Musik.

Schwester Euthymia (geb. Lucia) Kramarz: Geboren am 9. Dezember 1971 in Düsseldorf. Werdegang: Grundschule Kronenberg (Aachen), dann St. Ursula-Gymnasium (Abitur 1991), Pflegepraktikum am Franziskuskrankenhaus (1991-1992), Ausbildung als Krankenschwester am Luisenhospital (1992-1995), 1995-2001 Krankenschwester am Franziskuskrankenhaus und im Haus Hörn (Hospiz, 2002-2004). Eintritt bei den Thuine-Schwestern 2004; Erste Profess 2007; Ewige Profess 2014. Derzeit tätig im Mutterhaus in Thuine als Kirchenmusikerin und bei der Pflege von älteren Mitschwestern.

Additional Info

  • Untertitel:

    Zwei Geschwister, P. Andreas Kramarz LC und Sr. Euthymia, zu Gast bei „Herzogenrather Montagsgespräche“ zum Thema geistliche Berufungen

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