Donnerstag, 16. Juni 2016

Was kommt, wenn das Christentum geht?

Andreas Püttmann sprach bei "Theologie vom Fass" über Risiken und Nebenwirkungen einer entchristlichten Gesellschaft.

Am 2. Juni 2016 war der Politikwissenschaftler und Publizist Dr. Andreas Püttmann Referent bei Theologie vom Fass im Lokal „Papillon“ in der Aachener Innenstadt. Er sprach dort über das Thema, mit dem er sich auch in seinem Buch „Gesellschaft ohne Gott“ beschäftigt, das mittlerweile in 4. Auflage erschienen ist. Als Sozialwissenschaftler war Dr. Püttmann an verschiedenen Umfragen und Studien beteiligt, die den Einfluss von Religiosität und Glauben auf die Gesellschaft untersuchen. Dabei stellt er die These auf, dass gläubige Menschen – und hier besonders christlich gläubige Menschen – für Gesellschaft und Staat sehr nützlich sein können.

Ist Glaube messbar?

Bei Umfragen können lediglich offizielle Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft und Häufigkeit von Kirchgängen abgefragt werden, was allerdings schon ein erstes Bild des rasanten Glaubensschwundes in Deutschland während der letzten Jahrzehnte ergibt. Die Zahlen der Kirchenaustritte jedes Jahr sprechen eine deutliche Sprache. Wobei es die protestantischen Kirchen in Deutschland noch schlimmer erwischt als die Katholische, aber das ist nur ein schwacher Trost, wenn diejenigen, die bleiben, sich immer weniger „ihrer Kirche“ zugehörig fühlen. Die Gründe, „dabei zu bleiben“ sind dazu ebenso vielfältig wie entlarvend: Zumeist werden Traditionen und Feierlichkeiten der Kirche geschätzt. Man bleibt dabei, „weil es schon immer so gemacht wurde“, „weil man mal kirchlich beerdigt werden möchte“, „weil eine Familienfeier durch einen kirchlichen Rahmen irgendwie feierlicher ist“. Außerdem werden die katholische Kirche und vor allem der Papst immer noch als moralische Autorität gewürdigt, und das über politische Parteigrenzen hinweg. So sagte schon der Vorsitzende der Partei „Die Linke“, Gregor Gysi, dass er nicht gerne in einer „gottlosen Gesellschaft“ leben würde.

Wie Christen als "Salz der Erde" wirken können

In umgekehrter Wirkung zu dem Zitat von Dostojewksi, „Wenn es keinen Gott, dann ist alles erlaubt“, können religiöse Vorschriften und kirchliche Gebote wie ein Regulativ im gesellschaftlichen Zusammenleben wirken. Die 10 Gebote, die allen monotheistischen Weltreligionen gemein sind, bilden die Grundlage der meisten Rechtssysteme in der westlichen Welt. Nicht stehlen, nicht lügen und nicht töten werden somit zu Grundformeln eines verträglichen Miteinanders. Menschen, die aufgrund ihres Glaubens diese Grundformeln akzeptieren und sie befolgen, sind deswegen aus staatlicher Sicht zuverlässige Staatsbürger. Auch aus wirtschaftlicher Sicht kann man aufgrund von Umfragen und Statistiken davon ausgehen, dass Unternehmer, die sich bei der Abwicklung ihrer Geschäfte an die 10 Geboten gebunden fühlen und ihre Mitarbeiter nach dem christlichen Menschenbild behandeln, zumindest nicht weniger erfolgreich sind, als ihre dezidiert atheistischen Konkurrenten.

Abschließend sagte Dr. Püttmann, dass er eine Gesellschaft, aus der das christliche Element ganz verschwunden wäre, zutiefst bedauern würde, weil damit auch die Wärme und Empathie verschwinden würden. Ein Patentrezept für den massiven Schwund an Kirchenmitgliedern wusste auch er nicht. Jedoch ermunterte er die jungen Zuhörer bei Theologie vom Fass dazu, gemäß des Evangeliums „Salz der Erde“ zu sein. Salz bewirke ja auch in kleinen Mengen einen großen geschmacklichen Unterschied.  

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    Andreas Püttmann sprach bei "Theologie vom Fass" über Risiken und Nebenwirkungen einer entchristlichten Gesellschaft.

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