Montag, 13. Juni 2016

„Entfache die Gnade Gottes wieder!“

Brief von P. Eduardo Robles Gil LC an die Mitglieder des Regnum Christi zum Abschluss der internationalen Delegiertenversammlung

Dein Reich komme!

Prot. DG-RC 101-2016
Clas. II.1.2

Rom, den 4. Juni 2016
Gedenktag des Unbefleckten Herzens Mariä

An die Mitglieder und Freunde des Regnum Christi

Liebe Freunde in Christus,

am gestrigen Herz-Jesu-Fest haben wir die 75-Jahr-Feier unserer Gründung und ebenso die Internationale Versammlung der Laienmitglieder des Regnum Christi beendet. Beides waren besondere Gnadenmomente, die uns vor Augen geführt haben, wie Gottes Hand in unserem Leben und in unserer geistlichen Familie wirkt. Sie haben uns Gelegenheit gegeben, Gott zu danken, der uns in seiner unendlichen Barmherzigkeit hoffnungsvoll voranschreiten lässt.

Vom 30. Mai bis zum 3. Juni haben wir – 64 Laiendelegierte, die von den Territorialversammlungen gewählt worden waren, und 16 Teilnehmer der gottgeweihten Zweige der Bewegung – uns in Rom zur Internationalen Versammlung zusammengefunden. Sie war ein weiterer Schritt im Erneuerungsprozess der Bewegung, der darauf abzielt, unser Charisma zu vertiefen, den Eifer für die Sendung zu erneuern und eine angemessene kanonische Rechtsform zu finden. Auch unser Päpstlicher Assistent, Pater Gianfranco Ghirlanda SJ, war zugegen. Am Dienstag 31. Mai stand Erzbischof José Rodríguez Carballo, Sekretär der Kongregation für die Institute des Geweihten Lebens und die Gesellschaften Apostolischen Lebens, der Eucharistiefeier vor. Am Mittwoch 1. Juni feierte Kardinal Velasio De Paolis mit uns die heilige Messe. Außerdem nahmen wir an diesem Tag an der Generalaudienz des Heiligen Vaters auf dem Petersplatz teil.

Mit diesem Brief möchte ich berichten, was wir erlebt haben, und Ihnen die wichtigsten Ergebnisse dieser Versammlung mitteilen sowie kurz die Schritte umreißen, die in den nächsten Monaten folgen werden.

1. „Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder“ (2 Tim 1,6)

Diese Lesung aus der Tagesliturgie vom Mittwoch stellt meines Erachtens einen sehr passenden Rahmen dar, um den Geist zu beschreiben, in dem wir die Arbeit dieser Tage aufgenommen haben.

Unser Ausgangspunkt war das Arbeitsdokument (spanisch/englisch), das die Zentralkommission auf der Grundlage der Beiträge der Territorialversammlungen vorbereitet hatte. Wir sind sowohl im Plenum als auch in kleineren Gruppen, die aus Mitgliedern verschiedener Altersstufen, Herkunftsländer und Erfahrungsbereichen zusammengesetzt waren, zusammengetreten und haben uns bemüht, die Stimme des Heiligen Geistes herauszuhören und genauer zu erkennen.

Innerhalb wie außerhalb der Sitzungen haben wir viel miteinander gesprochen und unsere Meinungen ausgetauscht – mit Liebe und Wertschätzung zu dem, was uns gemeinsam ist, manchmal auch mit großer Leidenschaft. Gleichzeitig hatten wir Gelegenheit zu hören, wie andere Standpunkte vertreten werden, und bestätigt zu finden, dass die Unterschiede keineswegs eine Bedrohung für die Einheit der Bewegung darstellen, sondern vielmehr ein Ausdruck ihres Reichtums und ihrer Anpassungsfähigkeit an die verschiedenen kulturellen und kirchlichen Gegebenheiten sind.

Die wesentlichen Grundzüge unseres geistlichen Erbes, die allen zur Bewegung gehörenden Berufungen gemeinsam sind, haben in unseren Herzen eine große Resonanz erzeugt und einmal mehr deren Richtigkeit bestätigt (vgl. Codex des Kanonischen Rechts, can. 578). Ebenso wurde all das erwogen, was die Identität und Sendung der Laien besonders charakterisiert und ihnen eigen ist. Es wurde folgendermaßen formuliert: „Die Laienmitglieder der Bewegung sind Gläubige, die persönlich auf eine göttlichen Berufung antworten, die darin besteht, inmitten der zeitlichen Gegebenheiten die Versprechen und Aufgaben eines getauften Christen gemäß dem Charisma des Regnum Christi zu leben.“

Unter den wesentlichen Facetten unseres geistlichen Erbes stachen der Christozentrismus hervor, die Sendung, Apostel auszubilden und Menschen zu helfen, in ihrer persönlichen Fähigkeit zur Übernahme von Verantwortung zu wachsen und diese dann in dem Lebensstand, zu dem der Herr sie beruft, in den Dienst des Reiches Gottes stellen. Wir haben die Liebe zur Kirche und zum Stellvertreter Christi neu erfahren sowie unsere feste Verbundenheit mit den Bischöfen als Nachfolger der Apostel. Und wir haben uns von der Liebe Christi ansprechen lassen, der kam, um Feuer auf die Erde zu werfen und wünschte, es würde schon brennen (vgl. Lk 12,49).

Wir haben uns einmal mehr daran erinnert, dass unsere Zugehörigkeit zum Regnum Christi auf einer Berufung beruht: Es handelt sich um eine freie Antwort, die in Liebe auf einer persönlichen Einladung Christi erfolgt, der uns bittet, das Evangelium nach einer gewissen Prägung zu leben und uns für den Aufbau seines Reiches und das Wohl der Gesellschaft einzusetzen. Es wurde betont, wie nötig es ist, das geistliche Leben weiter in die Tiefe zu führen und als Wachstum des Lebens der Dreifaltigkeit in jedem Einzelnen zu verstehen, das zur Gleichgestaltung mit Christus führt. Dabei kommt der Vorrang immer der Gnade zu, und das Apostolat und die Bemühung, die Tugenden zu leben, sind eine Antwort auf die göttliche Initiative.

Wir sehen auch, dass wir Richtlinien haben, die es den Mitgliedern und den Menschen, die an unseren Apostolatswerken beschäftigt sind oder unsere Angebote in Anspruch nehmen, ermöglichen, eine ganzheitliche Ausbildung zu empfangen. Selbstverständlich sind die Statuten nicht der Ort, um einen vollständigen Ausbildungsplan zu umreißen und natürlich muss man den Plan an die Umstände der jeweiligen Ortskirche und Kultur anpassen, doch sollten wir allgemeine Orientierungshilfen anbieten, die bei der Ausbildung der Mitglieder dienlich sind.

Ein weiterer Aspekt, den wir mit Dankbarkeit anerkennen, war die Zugehörigkeit zu einer einzigen geistlichen Familie, in der ein gemeinsames Charisma nach verschiedenen Berufungen gelebt wird. Die Laien des Regnum Christi haben bekräftigt, dass sie in Gemeinschaft mit den Legionären Christi, den Gottgeweihten Frauen und den Gottgeweihten Laien des männlichen Zweigs leben wollen. Wir alle wurden darin bestätigt, dass wir an einer gemeinsamen Sendung teilhaben, zu der jeder berufen ist, das Seine beizutragen.

Wie schon bei allen Territorialversammlungen hat fast die Gesamtheit der Laienmitglieder es auch jetzt vorgezogen, keine eigenständige Vereinigung zu gründen, sondern als Einzelpersonen der Bewegung als Ganzes beizutreten. Ebenso besteht ein klarer Wille, entsprechend der Bestimmungen der zukünftigen Statuten an der Leitung der Bewegung mitzuwirken und sich an den Entscheidungen zu beteiligen, die die gemeinsame Sendung betreffen.

Die Delegierten haben ihrer Überzeugung Ausdruck verliehen, dass wir im Apostolat auf regionaler Ebene die Zersplitterung der Aktivitäten überwinden müssen. Im Bereich der Evangelisierung muss unsere Arbeit eine höhere Fokussierung erreichen, die Frucht der gemeinsamen Sendung vor Ort ist.

Wir haben über unsere Erfahrungen und Überzeugungen im Bereich der Befähigung zur  Übernahme von Verantwortung zu gesprochen. Wir sahen, dass wir dieses Thema vertiefen müssen. In diesem Bereich sollte das geläutert werden, was zu läutern ist, bzw. das bewahrt werden, was dem Evangelium entspricht. Etwas Ähnliches können wir über Begriffe wie Effizienz sagen. Sie kann nicht das Ergebnis von Techniken und Strategien sein, sondern rührt daher, dass man sich gelehrsam dem Wirken des Heiligen Geistes zur Verfügung stellt und sich als Person ganz einbringt, mit seinen Talenten und auch seinen Grenzen. Wir haben einmal mehr bestätigt gefunden, dass wir nicht weltlichen Denkweisen verfallen dürfen, die die Logik des von Christus verkündigten Reiches nicht widerspiegeln.

Bei verschiedenen, zum Teil wichtigen Themen ergaben sich Spannungen und Debatten, so dass wir zu keinem Konsens gelangt sind, doch haben wir auch hier bedeutende Fortschritte erzielt. So zum Beispiel haben die Laien festgehalten, dass es zwei Arten von Laienmitgliedern gibt, die wir bisher als ersten und zweiten Grad bezeichnet haben. Ihrer Meinung nach muss eine Bezeichnung gefunden werden, die ihre Identität besser zum Ausdruck bringt. Weiterhin halten sie es für angebracht, dass diese Bezeichnung im Text der Statuten erscheint. Allerdings haben sie die Zentralkommission gebeten, eine Bezeichnung zu finden, die diese beiden Arten der Zugehörigkeit angemessen ausdrückt, wobei das, was im Gesprächsprotokoll festgehalten wurde, berücksichtigt werden soll. In Bezug auf andere Themen bestanden die Differenzen mehr hinsichtlich der Wortwahl. In allen Fällen haben wir auftretende Spannungen und Meinungsverschiedenheiten in dem Wissen angenommen und uns damit auseinandergesetzt, dass das, was uns eint, viel größer ist als das, was uns trennt. Wir werden weiterhin beten und miteinander über diese Punkte im Austausch bleiben müssen, um hier den Willen Gottes zu finden.

Die Delegierten haben sich dafür ausgesprochen, dass die Geschichte der Bewegung mit ihren Licht- und Schattenseiten vertieft werden muss, damit wir die Vergangenheit mit Dankbarkeit betrachten, die Barmherzigkeit Gottes tiefer erfahren, aus den Irrtümern der Vergangenheit lernen und sie in Zukunft vermeiden können und so entdecken, was der Herr uns heute durch diese Begebenheiten sagen will. Das Ideal der Erneuerung bliebe unvollständig, wenn man die Vergangenheit ausblenden würde. Sie im Gedächtnis zu behalten ist eine unumgängliche Bedingung dafür, dass unsere Identität und Sendung in der Kirche bewahrt und entfaltet werden kann.

Wir dürfen sagen, dass im Allgemeinen ein Geist der Gemeinschaft und Brüderlichkeit geglänzt hat. Es war am Anfang nicht wirklich absehbar, wie alles ausgehen würde, doch haben wir auf das Wirken des Heiligen Geistes vertraut. Der Familiengeist und die Atmosphäre des Vertrauens haben es uns möglich gemacht, uns frei und mutig zu äußern. Gleichzeitig half uns das, über die persönlichen Erfahrungen hinauszugehen und das Wesentliche an der Gabe, die wir von Gott empfangen haben, zu entdecken. Wir erfinden diese Gabe nicht selbst, sondern sind dabei, sie zu entdecken und nehmen sie mit neuem Enthusiasmus an.

2. „Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen; sondern leide mit mir für das Evangelium. Gott gibt dazu die Kraft“ (2 Tim 1,8).

Mit dieser Internationalen Versammlung haben nun die Laienmitglieder des Regnum Christi ihre Stellungnahme zu dem abgegeben, was sie als ihre eigene Berufung ansehen und was sie als das Gemeinsame der ganzen Bewegung betrachten. Falls jemand Interesse daran hat, Genaueres zu erfahren, kann er die Ergebnisse der Einzelabstimmungen demnächst auf der Internetseite der Internationalen Versammlung einsehen.

In den kommenden Monaten wird die Kommission für die Revision der Statuten zusammen mit Pater Gianfranco Ghirlanda an einem Vorschlag arbeiten, der dem Regnum Christi als Ganzem eine kanonische Rechtsform gibt. Hierbei werden sie sich auf die von den Laien der Bewegung während der Internationalen Versammlung angestellten Überlegungen stützen, auf die Beiträge des Generalkapitels der Legionäre Christi und der Generalversammlungen der Gottgeweihten Mitglieder. Die Lehren, die wird aus der Umsetzung der Vorläufigen Rahmenordnung für die Zusammenarbeit gezogen haben, werden diese Überlegungen bereichern. Endergebnis dieser Arbeiten soll ein vollständiger Entwurf für die Generalstatuten des Regnum Christi sein.

In Übereinstimmung mit dem von der Kommission vorgeschlagenen Prozess sollen nach Fertigstellung des Entwurfs der neuen Statuten die Legionäre Christi, die Gottgeweihten Laien des männlichen Zweigs, die Gottgeweihten Frauen sowie die Laien gebeten werden, diesen einer Revision zu unterziehen, ehe er dann dem Heiligen Stuhl vorgelegt wird. Wie dies erfolgen wird, ist noch nicht festgelegt, voraussichtlich läuft es aber auf eine Abstimmung durch Vertreter hinaus.

Über diese wichtigen rechtlichen Fragen hinaus liegt es nun an uns, mit anzupacken, „mit für das Evangelium zu leiden in der Kraft, die Gott dazu gibt “, uns darüber mit zu freuen, dass wir dieser Familie innerhalb der Kirche angehören, uns von Gott geliebt zu wissen und die große Chance zu erkennen, uns zu erneuern und zu läutern, um unseren Mitmenschen einen Dienst zu bieten, der dem Evangelium besser entspricht.

Ich vertraue darauf, dass die Gnaden, die Gott in dieser Zeit in unsere Herzen gesät hat, zu gegebener Zeit ihre Frucht bringen werden. Wir müssen sie mit vollen Händen in unseren Sektionen, Apostolatswerken, Teams und Familien austeilen. Hören wir einmal mehr auf die Stimme Christi, der uns einlädt, ihm nachzufolgen, seine unermüdlichen Apostel zu sein, sein Kreuz auf uns zu nehmen und in die ganze Welt hinauszugehen, um sein Reich der Liebe und der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit, der Versöhnung und des Friedens zu verkünden.

Deshalb sage ich Ihnen allen und zu mir selbst: Vorwärts! Es ist Zeit, sich auf den Weg zu machen! Neues und Unvorhergesehenes soll uns nicht lähmen. Der Weg ist weit und zu weit für uns (vgl. 1Kön 19,7). Schreiten wir in der Gewissheit voran, nicht allein unterwegs zu sein: Jesus begleitet uns mit der Kraft seines Geistes, mit der Güte und Barmherzigkeit seines alles verzeihenden Herzens, mit seiner leidenschaftlichen Liebe zu den Menschen und dem Wunsch, dass sein Vater eines Tages von allen geliebt wird.

Ich bitte alle um ein Gebet für die Delegierten und Teilnehmer der Internationalen Versammlung und auch für das Sekretariatsteam, das uns geholfen hat, diesen Kraftakt zu vollbringen. Allen, die uns mit ihrem Gebet in diesen Tagen unterstützt haben, danken wir von Herzen. Möge die Jungfrau und Gottesmutter Maria Ihre Familien, Gemeinschaften und Teams segnen.

Ihr Bruder in Christus und der Bewegung,

P. Eduardo Robles Gil LC

 

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  • Untertitel:

    Brief von P. Eduardo Robles Gil LC an die Mitglieder des Regnum Christi zum Abschluss der internationalen Delegiertenversammlung

  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
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