Mittwoch, 20. April 2016

„Sende herab den Heiligen Geist!“

Volltext der Predigt von Bischof em. Schraml während der Diakonweihe von Leonhard Maier LC und Nikolaus Klemeyer LC in Altötting am 17. April 2016.

Am Nachmittag des 17. April, dem „Sonntag des guten Hirten“ und Weltgebetstag für geistliche Berufe, weihte Bischof Schraml die beiden jungen Männer in einem feierlichen Gottesdienst in der St.-Anna-Basilika in Altötting (wir berichteten). Im Folgenden finden Sie nun die Predigt von Bischof Schraml im Volltext:

 

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Durch Handauflegung und Gebet werden Sie nun, liebe Brüder, zu Diakonen geweiht. Seit den Tagen der Apostel bedeutet diese Handauflegung Mitteilung des Heiligen Geistes. Im Weihegebet werde ich anschließend den Vater im Himmel bitten: „Sende herab den Heiligen Geist. Seine vielfältigen Gaben mögen sie stärken ihren Dienst treu zu erfüllen.“ Diakonenweihe heißt Mitteilung des Geistes Gottes. Gott selbst ist es, der seinen Geist, und damit das Feuer seiner Liebe, in ihr Herz hineinlegt.

Das ist das Vermächtnis des liebenden Gottes an Sie, liebe Brüder, ganz persönlich. Was wir in dieser Stunde nur mit den Augen des Glaubens staunend und dankbar schauen dürfen, das ist Tat der Liebe Gottes. Unverdientes und unverdienbares Geschenk an Sie, an Ihre Ordensgemeinschaft, an die Kirche.

Gott ist Liebe. Das ist sein ganzes Wesen. Er ist jene schenkende und verströmende göttliche Liebe, in der der Vater und der Sohn einander lieben. In einer Liebe, die selber wieder göttliche Person ist, der Geist Gottes. Gott ist der ganz andere, der für uns Menschen nicht verfügbare. Aber Gott ist zugleich der beseligend nahe, sodass wir Vater zu ihm sagen dürfen.

Was die Kirche den Menschen gerade heute zu bieten hat, ist nicht Schöngeistigkeit und eine berechenbare Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit. Die Kirche bietet den Menschen das Kostbarste an, was sie hat, nämlich Gott selbst, den Allheiligen, der sich in Jesus Christus offenbart und eine weltliches Antlitz angenommen hat.

In Jesus Christus blickt uns die Liebe des dreifaltigen Herrn, des dreifaltigen Gottes direkt ins Herz hinein. Und diese Liebe ist es, die uns drängt, dass wir den Menschen die Liebe und das Erbarmen Gottes als Heil ihrer blutenden Wunden bringen. Das ist der tiefste Auftrag der Kirche, den Zerfall des Menschen mit Gott und damit den Zerfall mit sich selbst aufzuheben. Die Menschen vor das Kreuz Christi zu bringen, damit sie dort, im aufgebrochenen Herzen Jesu, das Erbarmen und die Liebe Gottes zu uns Menschen schauen und erkennen.

In diesem Tun ist die Kirche ganz in ihrem eigentlichen Element. Die Menschen unserer Tage brauchen nicht Besserwisser. Sie brauchen nicht Gotteswisser. Sie brauchen Gottesanbeter. Im Evangelium hörten wir den Herr sagen: „Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben.“

 

Was der Herr mit diesen Worten von sich sagt, dass will er durch Sie, lieber Brüder, verwirklichen. In Ihren Worten will er selbst zu den Menschen sprechen. Durch Ihren Mund sollen sie seine Stimme hören. Durch Ihren Dienst will er den Menschen zeigen, dass er sie kennt und sieht, dass er um ihre Nöte und Sorgen weiß, dass er ihnen Erbarmen schenkt und sie liebt.

So sehr sollen Sie, liebe Brüder, von Jesus erfüllt sein, dass die Menschen ihm folgen, wenn sie sich auf Ihr Wort und Ihr Vorbild einlassen. Dadurch wird der Herr durch Ihr Wirken als Diakon, und Gott möge es geben, später als Priester, an den Menschen, die Ihrer Sorge anvertraut sind, wahr machen, was er im Evangelium sagt: „Ich gebe ihnen ewiges Leben.“

Deshalb erwählt Gott Menschen, macht sie in der Gnadenfülle seines Heiligen Geistes im Sakrament der Weihe zu Diakonen, zu Priestern und Bischöfen und sendet sie als seine Boten und Zeugen, damit sie den Menschen das Heil bringen. Das ist kein angeflogenes Gefühl. Da ist nicht der Geist des Kleinmutes und der Verzagtheit am Werk, sondern der Geist der Kraft und der Stärke, der Geist der Besonnenheit, der sie führt und der sie leitet.

Sie, liebe Brüder, werden nicht zu Funktionären Ihrer Ordensgemeinschaft, zu Funktionären der Kirche bestellt. Boten und Zeugen der Liebe und des Erbarmen Gottes sollen Sie sein! Die innerlich kühn sind, weil sie aus dem Geist der Innerlichkeit leben. Weil sie Männer des Gebetes sein möchten, die Gott durch ihr Leben verherrlichen. Weil sie täglich neu ihr Herz Gott entgegenhalten und sich öffnen für seine Gnade. In der Feiern des heiligen Messopfers, im Stundengebet, im anbetenden Verweilen vor dem eucharistischen Herrn im Tabernakel. Es ist die Quelle dafür für sie.

Da keimt dann auch etwas auf von der Spiritualität ihrer Ordensgemeinschaft. Das ist auch der einzig fruchtbare Weg, der uns zur Neuevangelisierung führt, zu der uns Papst Franziskus und seine Vorgänger so innig einladen.

Liebe Brüder. Wir werden nach der heiligen Messe mit Ihnen hinaufziehen in die heilige Kapelle, zur Gnadenmutter von Altötting, zur Mutter der Kirche, zur Hilfe der Christen.

Und dort werden Sie sich aufs Neue ihr weihen. Und Sie werden sie um ihren mütterlichen Schutz für Ihren Dienst bitten. Maria hat durch ihr Jawort der Welt, Jesus Christus, den Sohn Gottes, geschenkt.

Vertrauen Sie sich ihr an. Sie wird Ihnen immer ihre barmherzigen Augen zuwenden. Dann werden Sie durch Ihren Dienst als Diakone, vor allem, Gott möge es geben, später als Priester, den Menschen authentisch das Wichtigste und Kostbarste bringen können, was wir den Menschen bringen dürfen, nämlich Jesus Christus unseren Herrn und Erlöser.

 

Amen.

Additional Info

  • Untertitel:

    Volltext der Predigt von Bischof em. Schraml während der Diakonweihe von Leonhard Maier LC und Nikolaus Klemeyer LC in Altötting am 17. April 2016.

  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
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