Donnerstag, 3. März 2016

Ein Blick der Zärtlichkeit und der Ruf nach mehr Gerechtigkeit

Apostolischer Besuch von Papst Franziskus in Mexiko vom 12.-18. Februar 2016

Vom 12. bis zum 18. Februar 2016 reiste Papst Franziskus zu einem Apostolischen Besuch nach Mexiko. Kurz vor der Landung in Mexiko kam es in Kuba zu einem Treffen des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill mit Papst Franzikus, dem große mediale Aufmerksamkeit zuteilwurde. Diese brüderliche Zusammenkunft, bei der eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet wurde, ist das erste Zusammentreffen eines römisch-katholischen Papstes mit einem Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche und markiert daher einen Meilenstein im ökumenischen Dialog von lateinischer und orthodoxer Christenheit. Danach flog der lateinamerikanische Pontifex weiter nach Mexiko, um die Menschen als „Missionar der Barmherzigkeit und des Friedens“ zu besuchen und vor dem Gnadenbild der „virgen morenita“, der Jungfrau von Guadalupe zu beten.

  Pater Jiří Brabec war bis letztes Jahr im mitteleuropäischen Territorium der Legionäre Christi in Düsseldorf tätig und arbeitet seit kurzem in der Gegend von Quintana Roo in Mexiko. Auch Bruder Peter Hemm ist derzeit in Mexiko. Der junge Ordensmann, der im vergangenen Jahr seine zeitliche Profess ablegte, absolviert in Monterrey seine humanistischen Studien. Wir haben Pater Jiří und Bruder Peter nach ihren Erfahrungen in Mexiko gefragt und wie sie den Papstbesuch dort erlebt haben.

Frage: Wie erleben Sie den Besuch in Mexiko?

Bruder Peter: "Ich bin sehr froh, dass ich gemeinsam mit allen Mitbrüdern von Monterrey nach Morelia fahren konnte, um den Papst persönlich zu treffen und die Stimmung vor Ort zu erleben. Wir fuhren am Montag früh ab und kamen Mittwochnacht zurück. In Morelia konnte ich an der Messe für die Ordensleute im Stadion Venustiano Carranza teilnehmen. Da sind wir schon um 4:30 Uhr morgens mit vielen anderen Ordensleuten aus ganz Mexiko in der Schlange vor dem Stadion gestanden. Trotzdem verging die Zeit bis zur Messe um 10 Uhr wie im Flug. Am Schluss der Messe konnte ich den Papst aus wenigen Metern Entfernung sehen, das erste Mal Papst Franziskus: Eine große Freude! Und natürlich haben wir auch sämtliche Ansprachen des Papstes während dieser Tage angeschaut."

Frage: Welche Reaktionen, Erwartungen, Hoffnungen nehmen Sie bei den Menschen in Mexiko wahr?

Bruder Peter: "Die Menschen sind begeistert und froh! In Morelia sah ich viele Personen die ganze Nacht warten, nur um den Papst live zu sehen, wie er vorbeifährt. Die Menschen erwarten von diesem Besuch Änderungen der vielen Probleme, die es hier gibt, oder zumindest eine Nachricht der Hoffnung. Außerdem ersehnen sie sich neue Hoffnung und Perspektiven und eine Stärkung des Glaubens. Mexiko ist ein Land mit unglaublich vielen Jugendlichen. Diese wollen dem Papst vor allem eines schenken: ihre Freude und Begeisterung!"

P. Jiří: "Sie haben eine große Liebe zum Papst, also es läuft alles über die Emotionen. Ich merke auch viele Hoffnungen und Erwartungen, ob der Papst einige konkrete Probleme angeht. Das ist aber wohl unmöglich - und das merken auch die Leute. Man erhofft sich aber im Großen ganzem, dass sich etwas im Land ändert. Täglich sterben Menschen als Opfer von Gewalt und Drogenhandel. Zurzeit sind wieder fast 50 Personen in einem Gefängnis gestorben. Man erhofft sich bessere Zukunft. Die Menschen erwarten auch, die Nähe des Papstes zu erfahren. Das ist oft schon genug, damit der eigene Glaube gestärkt wird."

Frage: Was bewegt die Menschen in Mexiko in Ihrem Umfeld am meisten im Hinblick auf den Papstbesuch?

P. Jiří : "Seine Menschlichkeit, dass er die Kinder küsst – das ist hier sehr wichtig, es gibt viele Kinder - dass er mexikanisch isst, dass er die Mühe auf sich nimmt und kommt."

Frage: Welche Einstellungen haben die Menschen in Mexiko in Ihrem Umfeld gegenüber Papst Franziskus?

Bruder Peter: „Mexiko liebt Papst Franziskus in erster Linie, weil er der Papst ist und somit Stellvertreter Christi. In all diesen Tagen habe ich keinen einzigen negativen Kommentar über den Papst gehört. Die Mexikaner sind begeistert wegen der Einfachheit, der Zuneigung und dem Wohlwollen von Papst Franziskus."

Frage: Was sind die maximalen Sorgen, die die Menschen in Mexiko in Ihrem Umfeld derzeit haben?

P. Jiří: "Ich sehe vor allem folgende Arbeitsfelder:

Gewalt und Drogenhandel. Jugendliche, die bereits in Drogensachen verwickelt sind. Frauen, die sich fragen, wie sie ihre Ehemänner, Väter, Onkel von Alkoholismus oder Untreue abhalten können.

Die Maya erhoffen irgendwo tief in der Seele eine Anerkennung und nicht, dass sie sich umstellen müssen. Vor 100 Jahren waren hier die ‚Guerra de Castas‘ (Aufstände der Maya – Bevölkerung im 19. Jahrhundert); da ist vieles noch nicht aufgearbeitet. Die Regierung versucht jetzt viel für die Bewahrung der Maya-Kultur zu tun. Die Menschen leben im Heute, das ganz in der Sorge um das tägliche Brot steht. Darum kümmern sie sich mit viel Geschick und Einfällen. Ich bin in ärmeren Dörfern tätig, dort erwartet man, dass die Regierung gerecht ist, Fördergelder bewilligt, zum Ausbau beiträgt, Arbeitsplätze schützt. Der Papst spricht die kirchlichen Probleme Mexikos in seiner Ansprache an die Bischöfe des Landes am 13. Februar deutlich an. Ich sehe es genauso. Aber die Leute beklagen sich nicht.

Eine unserer Hauptsorgen ist, wie wir mehr und besser missionarisch sein können – obwohl wir in der Gründung sind. Man sieht wie andere Gruppen und Sekten tätig sind und man möchte andere Dörfer unterstützen. Dazu kommt, dass in einer Großstadt in der Nähe man der Kirche keine Grundstücke mehr überlässt. Da sind wir besorgt, wie wir die Leute erreichen, die in neuen Vierteln wohnen.

Sonst aber bemühen wir uns darum, unsere Arbeit gut zu machen. Wir haben hier mit Katechese, Vorbereitung und Feier der Sakramente und den medizinischen Missionen sehr gut zu tun."

 

Wir danken Bruder Peter Hemm und Pater Jiří Brabec für das Gespräch und wünschen Ihnen für die Ausbildung bzw. Arbeit alles Gute und Gottes Segen. 

Mehr Eindrücke aus Quintana Roo in Mexiko finden Sie auf der Facebook-Seite von Pater Jiří und bei Medical Mission Network, einer Initative von Freiwilligen des Regnum Christi.

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  • Untertitel:

    Apostolischer Besuch von Papst Franziskus in Mexiko vom 12.-18. Februar 2016

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