Montag, 21. Dezember 2015

Gott will Weihnachten auch in Dir!

Doch dafür braucht Gott unser „Ja" zu ihm. Und wenn das eine Beichte kurz vor Mitternacht ist. Überlegungen zum Fest von Pater George Elsbett LC

(c) Fotolia(c) Fotolia12. Dezember. 23:45 Uhr. Ein Meer von funkelnden Lichtern, knapp 10 Meter vor mir. Ich drehe mich um, aufgetankt habe ich, aber jetzt ist es an der Zeit zu gehen. Aber weit komme ich nicht. Denn jemand zupft an meinem Mantel. Ein bittender, fragender Blick begegnet dem meinen. Blicke dieser Art habe ich heute Abend noch nicht erlebt.

Die vergangenen zwei Stunden habe ich mich an verschiedenen Orten aufgehalten, nie zu weit weg vom Schwedenplatz im 1. Wiener Bezirk. Aber das Bermuda-Dreieck mit seinen Lokalen, Pubs und Nightclubs habe ich nicht verlassen. Um ehrlich zu sein: Leicht ist es mir nicht gefallen. Die Mission am Samstag zuvor war anders gewesen. Da war ich in meinem Milieu, mit Bars, die so voll sind, dass man den Atem anhalten muss, um sich zwischen den Menschenmassen zum nächsten Stehtisch hindurchquetschen zu können. Ich habe heute gelesen, dass der Barkeeper einer Bar hinter den Stephansdom der beste der Stadt sein soll. Nicht, dass mich das besonders interessierte, aber dort fällt mir die Mission ziemlich leicht. Man kann gar nicht nicht ins Gespräch kommen. Besonders wenn man einen römischen Priesterkragen trägt und die Uhr an der Wand nach Mitternacht zeigt. Nur, diese Woche wollten die jungen Leute von Zentrum Johannes Paul II. etwas Neues versuchen, eine Kombination zwischen „Bar Hopping“ wie in der Woche zuvor und „Street Mission“ – auf der Straße eben. Wir hatten drei Teams. Ich war im Bermuda-Dreieck unterwegs. Tja, und dort waren die Blicke halt anders als der Blick, dem ich soeben begegnet war. Abweisend. Uninteressiert. Gleichgültig. „Was machst du nächste Woche?“ – „Party, natürlich!“ – Haben die gar nicht gemerkt, dass Weihnachten vor der Tür steht? Nein, oder vielleicht schon, aber Weihnachten hieß halt „Party!“... Wieder einmal, wie auch in dieser Woche schon mal. Zwei Damen mittleren Alters kamen auf mich zu, eine ziemlich angetrunken und mit einem sehr interessierten Blick, die andere, offensichtlich nüchterne meinte nur: „Sie sind aber bei uns wirklich fehl am Platz!“ Natürlich waren nicht alle Blicke so wie diese. Es gab auch den einen oder anderen guten Austausch. Ich sehnte mich aber wieder nach dem Barhopping, denn damit hatte ich Erfahrung, das kann ich gut. Das hier war nur mühsam. „Für Sie als Priester ist das mit der Menschenfurcht sicherlich kein Problem!“ ruft mir einer der jungen Mitmissionare entgegen. Wenigstens konnte ich ihm ehrlich gestehen, dass ich  mich in dieser ungewohnten Situation auch schwer getan habe. Ganz im Gegensatz zu den anderen Teams, die wirklich großartig unterwegs waren. Also, einmal mehr durfte ich mich mit meiner eigenen Schwäche konfrontieren. Aber gut, so um 23.15 hatten wir vereinbart, dass wir uns im Stephansdom (am Samstag war die Öffnung der Heiligen Pforte, etwas später als in Rom hatte hier in Wien das Jahr der Barmherzigkeit mit einem Abend der Barmherzigkeit begonnen) treffen würden, um einige Zeit in der Anbetung zu verbringen, bevor wir dann im Teil 2 des Abends wieder beim "Barhopping" unterwegs sein würden.

Eine halbe Stunde später zupft mich jemand an meiner Seite. Dann dieser Blick. „Herr Pfarrer, können sie meine Beichte hören?“ Ich war sprachlos. Es standen doch andere Priester im Dom gut sichtbar zur Verfügung. Warum gerade ich? Warum gerade jetzt? Egal. Denn ich sage niemals nein zu einer Beichte. Wenn die Erfahrung mich etwas gelehrt hat, dann das: Wenn es der Augenblick Gottes ist, dann ist es der Augenblick Gottes, und den verschiebt oder vertagt man nicht auf morgen. Wer weiß, ob es ein Morgen geben wird? Etwas später: dankbare Augen, ein Mensch mit fröhlichem Gesicht verabschiedet sich.

Gut, jetzt kann es weitergehen, die anderen warten schon, aber dann kam schon das nächste „Herr Pfarrer, können Sie meine Beichte hören?“ Spät, oder besser früh, ist es an diesem Abend Morgen geworden. Aber ich war glücklich. Dankbar. Einmal mehr hat mir es Gott klar gezeigt: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“ (2. Kor 12,10) und „Der Herr wartet darauf, euch seine Gnade zu zeigen, er erhebt sich, um euch sein Erbarmen zu schenken.“ (Jes 30, 18-26). Der Herr, nicht ich. Sein Erbarmen. Nicht meine großartige Missionstätigkeit – die bis zu diesem Abend auch nicht besonders vorbildlich gewesen ist. Ich hoffe, ich mache mich verständlich. „Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über euren guten Willen hinaus.“ (Phil 2,13) Denn „nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.“ (1. Joh 4,10)

Weihnachten, Bethlehem ist Gnade, nicht Verdienst. Das Kommen Gottes damals und heute ist sein Werk, nicht unseres. Und doch. Es brauchte den Priester, der sich um 23.45 Uhr im Dom befindet, sodass es Weihnachten in einigen Herzen werden kann, sodass Begegnung mit der barmherzigen Liebe stattfindet. Warum? Weil Gott es so will. Weil Gott es so möchte. Er will das Ja einer armen Magd, sodass Dammbruch geschehe, Fluten der Barmherzigkeit freigesetzt werden, die bisher zurückgehalten wurden. Er will das Weihnachten sein, auch in dir, auch in mir, aber er will eben auch unser beider armes Ja zu ihm, durch unser armseliges Bemühen darum, ihm Raum zu geben, sodass er sein Werk vollbringen kann. Er will unsere zwei Fische und fünf Brote, unser armes Nichts, sodass er den Massen zu essen geben kann, unseren Tropfen Wasser in der Messe, der im Meer des Weines seiner Liebe verschmelzt und sich damit verbindet, eine Messe, ohne die es keine Verwandlung der Welt gibt.

Oh Mensch! Siehe deine Würde! Oh Mensch, dein Retter kommt! Oh Mensch, öffne ihm dein Herz! Oh, dass es Weihnachten werde!

Pater George Elsbett LC

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    Doch dafür braucht Gott unser „Ja" zu ihm. Und wenn das eine Beichte kurz vor Mitternacht ist. Überlegungen zum Fest von Pater George Elsbett LC

  • Kategorie News : Aktuelles aus anderen Bereichen
  • Datum: Ja
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  • Region: Deutschland, Österreich
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