Dienstag, 3. November 2015

Statistik ist nicht alles

Tägliche Meditationen - 11. November 2015

Mittwoch der zweiunddreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Martin, Bischof von Tours, Hochfest, Beginn der 40-tägigen Martinszeit

P. Martin Baranowski LC

Lk 17,11-19
Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien. Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.

Einführendes Gebet: Gott unser Vater, im heiligen Martin von Tours schenkst du mir ein großes Vorbild: Aus einem römischen Soldaten wurde er zu einem „Legionär“ Christi und zeigte nach dem Ende der Christenverfolgung , dass ein guter Christ nicht nur für dich sterben, sondern auch für dich leben kann und soll. Mit seinen Mönchen beschritt der heilige Martin einen neuen Weg in der Nachfolge deines Sohnes. In diesem Gebet möchte ich jetzt in seine Schule gehen, um diesen Tag wirklich mit Christus und für ihn zu leben.

Bitte: Herr, schenke mir tiefe Freude und Dankbarkeit für alle deine Gaben und Wohltaten.

1. Das Grenzgebiet. Die vom Evangelisten Lukas gewählte Bezeichnung „Grenzgebiet“ drückt mehr aus als eine bloße Ortsangabe. Jesus geht an die Ränder, an die Grenzen der menschlichen Existenz. Aussätzige waren aus der Gesellschaft ausgeschlossen, durch ihren Geruch schwer zu ertragen und galten als unrein. Jesus hat keine Berührungsängste: „Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lk 19,10). In unseren Breiten hat die Medizin den Aussatz als Krankheit beseitigt, doch Egoismus, Genusssucht, Stolz und Eitelkeit machen uns oft noch schwerer krank, in bedrückenderer Weise einsam und in tieferer Weise unrein. Wir brauchen jemanden, der uns davon befreit: „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“

2. Der Weg zu den Priestern. Die Heilung geschieht nicht auf spektakuläre Weise, etwa durch eine Aufsehen erregende Tat des Herrn, sondern unterwegs, auf dem Weg zu den levitischen Priestern, die in ihren jeweiligen Heimatorten ansässig waren: Jesus selbst ignorierte das damalige „Bodenpersonal“ Gottes nicht. Bei allen Fehlern und Schwächen, die sie auch gehabt haben mögen – Jesus scheute sich nicht, diese klar zu benennen – führt der Weg der Heilung nach dem Willen Jesu und in Treue zum mosaischen Gesetz über die Priester als rechtmäßige Autorität.Bedeutsam ist die Tatsache, dass die Aussätzigen aufbrechen müssen, bevor sie geheilt sind. Die Heilung geschieht erst unterwegs. Das erfordert Glaube und Geduld. Oft wünschen wir uns sofortige Ergebnisse und wollen erst dann beginnen, wenn der Erfolg schon sicher scheint. Doch Jesus möchte, dass wir ohne Sicherheiten einfach im Vertrauen auf sein Wort anfangen. Die Wunder Gottes zeigen sich erst, wenn wir uns auf den Weg des Glaubens begeben.

3. Schlechte Statistik. Von den zehn Geheilten kehrt nur einer zu Jesus zurück, um Gott zu loben und ihm zu danken. Die übrigen neun hingegen sieht Jesus nicht wieder. Anscheinend hat also nicht nur die Kirche heute, sondern Jesus selbst schon das Problem einer schlechten Statistik. Obwohl Gott zu jeder Zeit großzügig seine Gaben über die Menschen ausgießt, sind es oft nur wenige, die ihn dafür loben und ihm danken. Die Gaben Gottes scheinen oft wichtiger als der Gott der Gaben. Doch letztlich erfüllen den Menschen nicht die Dinge, die Gott schenkt, sondern nur Gott selbst. So sollen wir nicht nur die Gaben Gottes, sondern vor allem auch Gott als den Geber der Gaben suchen.

Gespräch mit Christus: Jesus, ich sehe auch mich als Empfänger deiner Wohltaten. Hilf mir, all das Gute, das ich von dir empfange, nicht als selbstverständlich zu betrachten, sondern darin immer wieder deine Güte und Liebe zu entdecken. Hilf mir, heute aus dem Schatz der empfangenen Gaben etwas an meine Mitmenschen auszuteilen.

Möglicher Vorsatz:  Ich möchte die Tischgebete bewusst und andächtig beten, um Gott auf diese Weise meine Dankbarkeit auszudrücken. (Siehe hierzu auch einige Gedanken von Papst Franziskus, Enzyklika Laudato Si‘, Nr. 226).

Additional Info

  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 11. November 2015

facebook Google Plus Twitter You Tube

    

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok
feedback