Mittwoch, 21. Oktober 2015

Ich an zweiter Stelle in meinem Leben

Tägliche Meditationen - 31. Oktober 2015

Samstag der dreißigsten Woche im Jahreskreis
Reformationstag
Hl. Wolfgang von Regensburg, Bischof
Hl. Notburga von Köln
Jutta von Bedburg OPraem

Natalie K.

Lk 14,1.7-11
Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen: Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Einführendes Gebet: Herr, ich danke dir, dass du da bist. Ich danke dir, dass du mich heute wieder so reich mit deinem Wort und deiner Liebe beschenken willst. Herr, ich danke dir, dass du mir zeigst, wie ich lieben soll.

Bitte: Herr, lass mich verstehen, was es bedeutet, sich selbst an die zweite Stelle zu stellen, hilf mir, das in meinem Leben umzusetzen.

1. Das Ich. Ich bin wichtig, sogar sehr. Aus vielen Medienbeiträgen knallen mir die Worte „Selbstverwirklichung“, „Selbstbestimmung“ „Selbstfindung“ entgegen. In vielen Diskussionen geht es darum, wie ICH mich fühle, wie ICH das sehe, wie ICH dabei dastehe. Alles kann individuell angepasst werden. Die individuelle Verwirklichung ist das Ziel, das so viele Menschen heutzutage erreichen wollen. Durch die sozialen Netzwerke erhielten nun viele eine Plattform für ihre Selbstdarstellung. Ich bin der Star meiner kleinen Welt. Jesus lehrt die Gäste, durch ein einfaches Beispiel, was passiert, wenn man sich zu wichtig nimmt. Er weist sie darauf hin, wie sie ihr Gesicht bewahren können, ihre Ehre, die in der damaligen Zeit enorm wichtig war. Er lehrt sie so, dass sie es verstehen. Verstehe ich, was er mir sagen möchte? Wie wichtig ist für mich mein Ego, mein Wohlbefinden, mein Gefühlszustand?

2. Das Du. „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Verstehe ich diese Worte? Verstehe ich, dass es hierbei nicht um falsche Höflichkeit geht, sondern darum, das „Du“ über das „Ich“ zu stellen, die Bedürfnisse des anderen über die eigenen? Wann habe ich das letzte Mal meine alte Tante besucht, um mir zum wiederholten Mal ihre Geschichten anzuhören? Wann habe ich das letzte Mal auf meinen verdienten Fernsehabend verzichtet, um Zeit mit meiner Familie zu verbringen? Hier geht es nicht um Anerkennung. Die Wenigsten sehen, was eine Mutter alles aufopfert um ihre Kinder großzuziehen, wie viel Liebe und Geduld sie ihnen schenkt, wie sie sich verschenkt. Die Wenigsten sehen, wie viel Hingabe es braucht, um seinen alten Vater zu pflegen, um bei ihm zu sein, so wie er früher für einen selbst da war. Die großen Dinge passieren oft im Verborgenen. Es geht nicht um Ehre, die die Welt gibt, es geht um die bedingungslose Liebe. Es geht darum, über sich selbst hinauszuwachsen und sein Ego hinter sich zu lassen.

3. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Dass man sich für den anderen hingibt, heißt nicht, dass man sich selbst aufgibt. „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst“ (Mk 12,31). Um den anderen lieben zu können, muss ich mich selbst lieben. Erlaube ich, dass jemand mich liebt? Lasse ich mich beschenken? Wie nehme ich Komplimente an? Freue ich mich darüber, oder denke ich tief in meinem Innersten, dass ich es nicht verdient habe, geliebt zu werden? Zu lieben bedeutet, sich zu schenken aber auch von jemand anderem beschenkt zu werden, so wie es Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Deus caritas est“ beschreibt. Wann habe ich mich das letzte Mal von Gott beschenken lassen? Wann stand ich vor ihm und wusste, ich muss nichts leisten, ich muss ihm nichts beweisen, ich kann vor ihm da sein und er will sich ganz mir schenken, bedingungslos?

Gespräch mit Christus: Herr, hilf mir zu verstehen, was es bedeutet, zu lieben. Hilf mir, mein eigenes Ich nicht so ernst zu nehmen. Schenke mir den Blick, der auf den anderen gerichtet ist, die Hände, die anderen Hilfe anbieten und das Herz, welches sich verschenkt und beschenkt werden kann.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich konkret auf etwas verzichten, um jemand anderem etwas Gutes zu tun oder mit ihm bewusst Zeit zu verbringen.

Additional Info

  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 31. Oktober 2015

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