Mittwoch, 21. Oktober 2015

Die gekrümmte Seele

Tägliche Meditationen - 26. Oktober 2015

Montag der dreißigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Amandus, Bischof

Natalie K.

Lk 13,10-17
In jener Zeit lehrte Jesus am Sabbat in einer Synagoge. Dort saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Dämon geplagt wurde; ihr Rücken war verkrümmt, und sie konnte nicht mehr aufrecht gehen. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. Der Synagogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, und sagte zu den Leuten: Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Kommt also an diesen Tagen und lasst euch heilen, nicht am Sabbat! Der Herr erwiderte ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon seit achtzehn Jahren gefesselt hielt, sollte am Sabbat nicht davon befreit werden dürfen? Durch diese Worte wurden alle seine Gegner beschämt; das ganze Volk aber freute sich über all die großen Taten, die er vollbrachte.

Einführendes Gebet: Herr, ich glaube, dass du jetzt hier bist, dass du mein Herz anblickst und all mein Leiden, alle meine Wunden und alle meine Verkrümmungen siehst. Du blickst sie voller Mitleid an und willst sie heilen. Du bist so wunderbar, denn du bist es, der mich immer wieder aufrichtet.

Bitte: Herr, leg deine Hände auf mein gekrümmtes Herz und richte es wieder auf.

1. Achtzehn Jahre krank. Achtzehn Jahre kann eine sehr lange Zeit sein, besonders wenn sie mit Leid erfüllt ist. Was plagt mich? Was tut mir seit Wochen, Monaten, vielleicht sogar Jahren in meiner Seele weh? Was verhindert, dass ich aufrecht stehen kann, welche Wunde krümmt mich in meinem Innersten? Jesus begegnet der Frau aus dem heutigen Evangelium in der Synagoge, im Haus Gottes. Wenn jemand von Dämonen geplagt wird, vermutet man ihn überall, am wenigsten aber im Haus Gottes. Was erhoffte sich die Frau, als sie sich entschied, am Sabbat dort zu sein? Wie lange bat sie schon Gott, ihr zu helfen? Wo gehe ich hin mit meinen Wunden und meinem Leid, meinen innersten Drangsalen? Betäube ich diese Schmerzen mit dem, was mir die Welt anbietet? Überspiele ich meinen Zustand, um den anderen und vielleicht mir selbst zu beweisen, dass alles in bester Ordnung ist? Die Frau ist mit ihrem Leiden in die Synagoge gegangen. Gehe ich mit meinem verwundeten Herzen in die Kirche? Wage ich mich in den Beichtstuhl?

2. Der Blick Jesu. „Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich.“ Was passierte mit Jesus, als er diese gekrümmte, wahrscheinlich stark vorn übergebeugte Frau sah? Sehe ich seinen Blick, der voller Mitleid ist, fühle ich sein Herz, das vor Schmerz zusammenzuckt, höre ich seine Stimme, die meinen Namen ruft? Höre ich die Worte: „Du bist von deinem Leiden erlöst!“? Ich kenne diesen Satz, ich habe ihn so ähnlich schon mal in der Beichte gehört. Jesus legt in der Beichte die Hände auf unser Herz und heilt es. Wann habe ich diese Hände zum letzten Mal wirklich gespürt? Er erlaubt mir, wieder aufrecht zu gehen, wieder im vollen Glanz der Kinder Gottes zu erstrahlen. „Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott“. Will ich wieder aufrecht gehen?

3. Der falsche Tag. „Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Kommt also an diesen Tagen und lasst euch heilen, nicht am Sabbat!“. Wie oft in meinem Leben ist „der falsche Tag“! „Heute habe ich noch einige anderer Termine“, „Leider ist mir was dazwischen gekommen“, „Ich muss mich noch etwas besser auf die Beichte vorbereiten“, „Ich mache es nächste Woche“, keine Ausrede ist mir zu schade, um die Beichte aufzuschieben. Ja es ist nicht einfach, auf das zu zeigen, was ich am liebsten vor mir selbst verstecken will, besonders in einer Zeit, wo scheinbar nur das Perfekte etwas bedeutet. Bin ich mir bewusst, wer da auf mich wartet? Nicht der Priester, sondern Jesus, der mit seinem liebenden Blick, seinen heilenden Händen auf uns wartet. Er ist es, der uns ein freies Herz schenken will, der uns wieder aufrichten will, der uns daran erinnern will, dass wir die Würde der Kinder Gottes besitzen.

Gespräch mit Christus: Herr, nimm mir die Angst, mich von dir in der Beichte heilen zu lassen. Stärke meinen Glauben, dass du es bist, der dort auf mich wartet. Lass mich wieder aufrecht gehen.

Möglicher Vorsatz: Ich will mich heute in besonderer Weise auf die nächste Beichte vorbereiten, wobei ich immer an den liebenden und mitfühlenden Blick Jesu denken werde.

Additional Info

  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 26. Oktober 2015

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