Mittwoch, 21. Oktober 2015

Der schreiende Bettler

Tägliche Meditationen - 25. Oktober 2015

Dreißigster Sonntag im Jahreskreis

Natalie K.

Mk 10,46-52
In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.

Einführendes Gebet: Herr, ich glaube an dich, ich glaube, dass du jetzt hier bist und Großes in mir bewirken willst. Ich glaube daran, dass du mich beim Namen nennst, mich persönlich kennst und mich liebst. Du bist so wunderbar, denn ich darf nach dir rufen, ich darf dich bitten. Danke für deine Liebe und deine Wertschätzung meines freien Willens.

Bitte: Herr, hilf mir, keine Angst zu haben, nach dir zu rufen.

1. Der blinde Bettler. In der großen Menschenmenge sitzt ein blinder Bettler, einer von vielen, einer aus der Masse. Die Heilige Schrift nennt aber ganz genau seinen Namen, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Gott hat seinen Namen, also ihn selbst als Person, schon vor Beginn der Zeit gekannt, ihn geformt, ihn geliebt. Es war kein Zufall, dass er an diesem Tag, genau an dieser Straße war, an der Straße auf der Jesus mit seinen Jüngern vorbeiging. Dort auf dem Boden, auf dem er saß, muss es in der Menschenmenge geradezu erdrückend gewesen sein. Wie oft fühle ich mich geistig als blinder Bettler, der angesichts der massenhaften Überfülle von Nachrichten und Informationen, die unsere Gesellschaft so beherrschen, vor lauter Alltagssorgen nicht mehr das Wesentliche sieht, das, das was wichtig ist. Wie oft betteln wir, nicht um materielle Güter, aber um Liebe. Wie oft vergesse ich, dass Gott meinen Namen kennt. Unter all diesen Menschen kennt er mich beim Namen.

2. Der Schrei nach Gott. „Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!“ Wie bete ich? Flüstere ich? Hier geht es nicht um die Lautstärke meiner Stimmbänder. Flüstere ich geistig, weil ich meine, dass Gott wichtigere Probleme hat als die meinen? Flüstere ich, weil ich eigentlich nicht wirklich glaube, dass Gott meine Gebete erhört? „Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen.“ Ja, viele in meinem Umfeld sind ärgerlich darüber, dass ich bete, viele befehlen mir zu schweigen: „Gott ist tot“, „Wo ist jetzt dein so starker Gott?“, Sätze, mit denen ich manchmal täglich konfrontiert werde. Übertönen diese Stimmen das Gebet im meinem Herzen? „Er aber schrie noch viel lauter.“ Werde ich leiser und unsicherer, wenn Gegenwind kommt, oder wird mein Gebet lauter, noch viel lauter?

3. Der freie Wille. Gott respektiert unseren freien Willen, er sucht nie ein Herz auf, wenn die Person es nicht will. Will ich wirklich, dass Gott in mein Herz kommt? Glaube ich wirklich, dass er mich glücklich machen will? Flüstere ich oder schreie ich zu Gott? Dieser Schrei ist der Wille und der Glaube, dass Gott alles in meinem Leben verändern kann, er braucht nur unser bedingungsloses „Ja“. Wenn er dann ruft, wie reagiere ich? Werfe ich meinen Mantel weg, springe auf und laufe zu ihm, oder schrecke ich zurück, weil ich meine gewohnte Umgebung, meine gewohnten Probleme, meinen gewohnten Alltag verlassen muss und fange wieder an zu flüstern? Ja, es kann sein, dass Gott zu mir sagen wird: „Komm und folge mir nach!“. Habe ich wirklich den Mut, aufrichtig nach Gott zu schreien, der mich schon vor dem Beginn der Zeit liebte und kannte?

Gespräch mit Christus: Herr, hilf mir, aufrichtig, mit meinem ganzem Willen und meinem ganzen Herzen nach dir zu rufen. Nimm mir meinen Unglauben an deine Macht und deine Liebe. Hilf mir, dir ein bedingungsloses „Ja“ zu schenken, damit du in mir wirken kannst.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute eine Zeit lang mein Gewissen prüfen, um zu sehen, ob ich wirklich glaube, dass Gott Großes in mir vollbringen kann und um festzustellen, ob ich Gott aufrichtig und ehrlich darum bitte.

Additional Info

  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 25. Oktober 2015

    

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