Mittwoch, 30. September 2015

Die „ganz große Liebe" gestaltet die Kirche

Tägliche Meditationen - 5. Oktober 2015

Montag der siebenundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Meinolf von Paderborn

Lk 10,25-37
Da stand ein Gesetzeslehrer auf, und um Jesus auf die Probe zu stellen, fragte er ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz? Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben. Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn und ging weiter. Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

Einführendes Gebet: Herr, die Liebe deines Herzens war grenzenlos. Du beugtest dich zu uns verwundeten Menschen herab, um uns die ganz große Liebe zu zeigen. Dafür preise ich dich.

Bitte: Jesus, es scheint mir oft unmöglich, das Gebot, dich von ganzem Herzen zu lieben, zu erfüllen. Hilf mir, aus meiner Gotteskindschaft heraus zu leben und so zu handeln, dass ich dich in meinem Nächsten liebe.

1. Verwundungen wahrnehmen. Wahrhaft Kirche zu gestalten heißt, die Liebe „von ganzem Herzen, ganzer Seele und mit all seiner Kraft“ in die Tat umzusetzen. Das ist nicht leicht für uns, denn unsere Seele ist durch die Sünde verwundet. Wenn wir diese Verwundung wahrnehmen, uns auch eingestehen, werden wir feinfühlig für die Verwundungen anderer, so wie der Samariter feinfühlig war und die Wunden des Geschlagenen wahrnahm. Seine Liebe ist wie die Liebe eines Verwundeten zu einem anderen Verwundeten, sie leidet seine Wunden mit. Der Priester und der Levit waren so sehr von ihrem „Heilsein“, ihrer Rechtschaffenheit überzeugt, dass es für sie vielleicht kein Problem gewesen wäre, einem Gesunden auf dem Weg zu helfen. Verwundete jedoch stellen eine Herausforderung dar. Es verlangt Demut, um diesen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, denn ich muss mich zu ihnen in ihrer Schwachheit niederbeugen. Es ist notwendig- im wahrsten Sinne des Wortes „Not wendend“-, dass jeder Mensch auch in sich selbst den Verwundeten wahrnimmt, um auf andere Verwundete in Liebe zugehen zu können.

2. Öl und Wein – Sakramente heilen. Nicht seine leibliche, sondern seine seelische Heilung, sein Seelenheil zu erreichen, ist das größere Wunder beim Menschen. So wie Öl und Wein die leiblichen Wunden heilen helfen, so heilen die Sakramente die Wunden unserer Seele. Menschen zu den Sakramenten zu führen, bedeutet Heilung zu schenken, Heilung ihrer Seele. Wenn ich ein Medikament gegen Krebs kennen würde, und einem Krebskranken davon nichts erzählte, wäre das nicht Liebe. Warum nur tun wir uns so schwer, Menschen zu den Sakramenten zu führen? Weil unser Glaube an ihre Wirkmacht zu schwach ist. Wir sehen die seelischen Verwundungen des anderen allzu oft als seine Privatangelegenheit an – „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ (Gen 4,9). Wir gehen an dem Verwundeten vorbei und meinen, jemand anderes müsse ihm helfen. Würden wir so handeln, wenn unser Glaube stärker wäre?

3. Was wahrhaft Kirche gestaltet. Die Kirche wird aufgebaut, wenn in uns die Glaubensgewissheit lebt, dass die Sakramente heilen, ganz gleich wie groß die Gottesferne ist, in der ein Verwundeter lebt. Die Kirche wird auferbaut durch unser Vertrauen, dass sie, wie der Wirt der Herberge, ein Zimmer und ein Bett für jeden Verwundeten hat, denn Jesus sagte: Ich gehe zu meinem Vater, um für euch einen Platz zu bereiten. Das bedeutet, dass jeder willkommen und erwünscht ist. Die Kirche nimmt Gestalt an, weil der Herr für alles bezahlt, denn er gibt uns alle Kraft und Gnaden, die wir für die täglichen Anforderungen der Liebe benötigen. Wenn wir hierüber Gewissheit im Glauben besitzen, dann sind die Neuevangelisierung, der Aufbau der Kirche, die Nächstenliebe nicht nur ein frommer Wunsch, sondern eine Lebenseinstellung, die in die Tat umgesetzt wird. Dann wird jedes Opfer süß und jeder Verzicht eine Quelle der Freude.

Gespräch mit Christus: Vermehre in mir, o Jesus, den Glauben an die Wirkkraft der Sakramente deiner Kirche! Durch sie willst du dieser Welt Heilung schenken. Ich danke dir für deine Nähe in den Sakramenten. Lass mich diese Freude und diesen Glauben teilen, vor allem durch eine werktätige Nächstenliebe.

Möglicher Vorsatz: Heute will ich besonders an die Teilnehmer der Bischofssynode denken und ein Gebet zum Heiligen Geist für gute Beratungen sprechen.

Additional Info

  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 5. Oktober 2015

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