Dienstag, 1. September 2015

Von Blindheit geschlagen

Tägliche Meditationen - 11. September 2015

Freitag der dreiundzwanzigsten Woche im Jahreskreis
Hl. Maternus, Bischof
Hl. Johann Gabriel Perboyre CM

Dr. Dorit Wilke-Lopez, Regnum Christi

Lk 6,39-42
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Kann ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen? Der Jünger steht nicht über seinem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen!, während du den Balken in deinem eigenen Auge nicht siehst? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

Einführendes Gebet: Herr, danke für dein Wort. Ich möchte es lesen wie einen Liebesbrief, den du jeden Tag an mich ganz persönlich schreibst. Du hast vor aller Zeit gewusst, dass ich heute diesen Abschnitt deines Evangeliums lesen würde. Lass mich verstehen, was du mir heute sagen willst. Heiliger Geist, erfülle mich jetzt mit deiner Kraft und deinem Licht und lass das Wort Gottes tief in meine Seele eindringen und sich dort mit meinem ganzen Wesen verbinden.

Bitte: Herr, lass mich dir in allem vertrauen, auch darin, dass du dich um Splitter und Balken in den Augen meiner Mitmenschen kümmerst und ich das nicht zu tun brauche.

1. Wir sind blind. Seit den Urzeiten von Adam und Evas Begegnung mit der Schlange sind wir blind für das Reich Gottes. Wir können Gott nicht mehr sehen - Adam und Eva konnten das am Anfang im Paradies noch. Wir aber haben heute die Antennen für Gott derart eingebüßt, dass wir seine Existenz selbst anzweifeln können. Meistens merken wir auch als Gläubige erst im Nachhinein, wo Gott uns geführt und geholfen hat, wo er uns begegnet ist, wo er uns angesprochen hat. Weil wir blind sind, brauchen wir einen Blindenführer, der nicht auch von Natur aus blind ist – ohne Hilfe eines sehenden Führers können wir den Weg zu Gott nicht finden, auch nicht mit vereinten menschlichen Kräften.

2. Der Blindenführer. Wir sind wie Blinde, die einen Berg besteigen wollen. Allein kämen wir nie oben an. Unser Meister, Jesus Christus, ist unser Blindenführer – wir können ihm blind vertrauen. Wir müssen nicht den ganzen Weg kennen, sondern nur den nächsten Schritt. Wir müssen nicht bis zum Gipfel schauen, sondern nur bis zu Jesus, der vor uns hergeht. Dann sind wir sicher. „Herr, deine Wege sind dunkel, aber das Dunkel liegt nur auf unseren Augen, nicht auf deinen Wegen,“ hat Dietrich Bonhoeffer bis zu seiner Hinrichtung durch die Nazis gebetet. Wir sind blind – wie gut, dass der Sohn Gottes unser Führer sein will!

3. Blinde Richter. Wenn wir über andere richten, ist das ungefähr so lächerlich, als wenn bei den nächsten Miss-Wahlen die Jury mit Blinden besetzt würde. Weil wir blind sind für das Reich Gottes, können wir das Verhalten des Bruders nur von außen mit unseren natürlichen Augen erkennen. Seine inneren Motive, die individuellen Umstände, die inneren Verstrickungen, die ihn unfrei machen, psychologische Schwierigkeiten – all das kann in seiner Vielschichtigkeit rein menschlich schon kaum beurteilt werden. Ohne Antennen für das Göttliche – die uns ja seit dem Sündenfall weitgehend verloren gegangen sind – können wir die geistliche Dimension des Verhaltens schon gar nicht verstehen. Deshalb müssen wir das Richten dem überlassen, der sehen kann: Jesus, unserem Meister, und der sagt: „Auch ich verurteile dich nicht!“

Gespräch mit Christus: Herr, es ist nicht schlimm, dass ich nur den nächsten Schritt erkennen kann in meinem Leben. Du siehst den Weg, das genügt. Du siehst in die Herzen, nicht ich. Deshalb will ich dir das Urteilen über andere überlassen. Lehre du mich Barmherzigkeit statt Verurteilung, Vertrauen statt Misstrauen, lehre mich, dass ich mich am Guten freue, statt mich über das Schlechte aufzuregen.

Möglicher Vorsatz: Herr, ich will endlich aufhören, auf die Fehler anderer zu schauen!

Additional Info

  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 11. September 2015

facebook Google Plus Twitter You Tube

    

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok