Montag, 13. Juli 2015

Die Frucht der Sehnsucht

Tägliche Meditationen - 22. Juli 2015

Mittwoch der sechzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Maria Magdalena
Hl. Verena, Märtyrerin
Hl. Eberhard OCist

Angelika Knauf

Joh 20,1-2,11-18
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.

Einführendes Gebet: Jesus, wie sehr hast du Maria Magdalena geliebt, dass du dich ihr in einer so persönlichen Weise offenbart hast, noch bevor du den Jüngern erschienen bist. Du hattest ihr die Vergebung ihrer Sünden geschenkt und sie vom Einfluss des Bösen befreit. Sie hat sich dir ganz anvertraut und überlassen, stand mit deiner Mutter und Johannes unter deinem Kreuz und wollte dich auch im Tod nicht verlassen. Lass mich an deiner Begegnung mit ihr erkennen, wie du einem Herzen antwortest, dass sich vollkommen nach dir sehnt.

Bitte: Jesus, erschließe mir die Herzenshaltung von Maria Magdalena und entzünde auch mein Herz neu mit Sehnsucht nach dir.

1. Meiner Bedürftigkeit folgen. Der erste Tag, frühmorgens, als es noch dunkel war…Maria Magdalena muss auf diesen Gang an Jesu Grab hin gefiebert haben, noch ganz erfüllt vom Schmerz über das Erlebnis des Todes ihres Herrn. Ein Schmerz so übermächtig, dass sie keine Ruhe finden konnte. Sie wusste nicht, wie es weitergehen sollte, sie wusste nur, sie wollte bei ihm sein, bei Jesus! Nichts und niemand konnte ihr Herz beruhigen in seiner Sehnsucht nach ihm, nicht einmal der Schmerz über seinen Tod konnte diese Sehnsucht ersticken. Denn sie weiß: Sie braucht ihren Herrn! Sie findet das Grab leer– und sofort läuft sie zu Petrus und Johannes. Eine tiefe Bedeutung darf ich in Marias Handeln erkennen: Sie versteckt ihre Bedürftigkeit nach ihrem Herrn nicht, sie lässt sich von ihr antreiben. Doch als sie Jesus nicht dort findet, wo sie ihn vermutet, gibt sie nicht auf, sondern wendet sich an Petrus und Johannes um Hilfe. Gerade diese beiden Jünger hatte Jesus nahe an sich gezogen, um auf Petrus seine Kirche zu bauen und ihr durch Johannes auch das Zeugnis seiner Liebe einzustiften. So darf auch ich meine persönliche Suche nach Jesus den heutigen Jüngern der Kirche anvertrauen. Von meiner – von der Bedürftigkeit der Gläubigen nach Jesus bewegt, wird die Kirche zum Ort der Begegnung mit ihm führen.

2. Die Erfüllung meiner Sehnsucht nach Jesus erhoffen. Maria hat gesehen, wie Petrus und Johannes in das Grab hineingingen. Sie hat ihre Reaktion gesehen, das Gesicht des Johannes, der sah und glaubte (Joh 20,8). Doch sie bleibt am Grab, auch nachdem die Jünger wieder gegangen sind. Sie spürt, sie selbst muss ihn finden. Auch für uns reicht es nicht, das Zeugnis der Kirche nur allgemein zu hören. Unser Glaube an das Zeugnis der Kirche muss persönlich werden, zu „meiner“ Begegnung mit Jesus. So beugt Maria Magdalena sich in das Grab und sieht die Engel genau dort sitzen, wo sie den Raum der leiblichen Präsenz Jesu anzeigen. Welcher Trost liegt in diesem Bild: Nicht nur die Kirche auf Erden, auch die himmlische Kirche kommt mir zu Hilfe, wenn das Brennen meiner Sehnsucht nach Jesus unerfüllt bleibt. Sie fragt nach mir, sie sorgt sich um mich: „Warum weinst Du?“ Die himmlische Kirche weist auf ihn hin. Und Jesus kommt. Noch unerkannt nimmt er sich selber meiner Suche nach ihm an. Warum gibt er sich nicht gleich zu erkennen? Warum ist es in meinem Leben oft so schwer, seine Gegenwart wahrzunehmen? Weil Jesus mich bereiten will für die Begegnung mit ihm. So viele kleine Begebenheiten meines Lebens sind seine Frage an mich: „Wen suchst du?“ Er wartet darauf, dass auch ich bekenne: „Ich will Jesus holen“ –ich will Jesus in mein Leben lassen. Dann bin ich bereit für eine persönliche Begegnung mit ihm.

3. Durch Jesus ganz ich selbst werden. Es ist nur ein Wort, mit dem Jesus Maria Magdalena die Augen für sein Dasein öffnet: „Maria“- die Nennung ihres Namens. Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du bist mein. (Jes. 43.1) Ich brauche diese persönliche Begegnung mit Jesus, ich muss erfahren, wer er für mich ist. Ich möchte aus dem Glauben leben, erkennen, dass ich ihm gehöre, dass er mich ganz persönlich angenommen hat. All das sagt er in diesem Moment Maria Magdalena in der Nennung ihres Namens zu. Er nennt ihren Namen und schafft sie damit gleichsam neu, wie er sie schon bei der Vergebung ihrer Sünden und der Befreiung von den Dämonen neu geschaffen hatte. Denn nun führt er sie noch weiter, er führt sie ein in das neue Reich, das er durch seinen Tod und seine Auferstehung für die Menschen erschlossen hat. Und sie antwortet ihm in einem tieferen Erkennen seiner Bedeutung: „Rabbuni – Meister!“ So führt er sie in ihre neue Bestimmung ein: „Halte mich nicht fest!“ – Kann das nicht auch bedeuten: Halte mich nicht in deiner bisherigen Kenntnis über mich fest. Lass mich nun auch Gott für dich sein, in meiner Einheit mit dem Vater. Übergib dich mir ganz. Verkünde mich als der, der ich im Vater bin zum Heil der Menschen. Das wird die Frucht meiner Sehnsucht sein: Dass ich Jesus erkenne, wer er im Vater ist, wer er für mich ist, wer ich in ihm bin und wer er durch mich für meine Nächsten sein möchte!

Gespräch mit Christus: O Jesus, auf die Fürsprache der Maria Magdalena bitte ich dich: Entflamme meine Sehnsucht nach dir neu in mir, damit ich dich unablässig suche. Lass mich dich in deiner Kirche finden, lass mich dich mit der Hilfe der himmlischen Kirche finden. Rufe mich bei meinem Namen, Jesus, damit ich dich erkenne, damit ich mich in dir erkenne. Lass mich so sehr dir gehören, dass ich deinen Namen jedem anderen, der dich sucht, kundtun kann!

Möglicher Vorsatz: Ich will mir heute einen besonderen Moment nehmen, in dem ich mein Herz vollkommen auf Jesus ausrichte, um neu nach seiner Nähe zu suchen.

Additional Info

  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 22. Juli 2015

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