Mittwoch, 8. Juli 2015

Barmherzigkeit versus Buchstabentreue

Tägliche Meditationen - 17. Juli 2015

Freitag der fünfzehnten Woche im Jahreskreis
Hl. Donata, Märtyrerin
Hl. Charlotte Thouret
Hl. Hedwig von Polen

Beate Scheilen

Mt 12,1-8
In jener Zeit ging Jesus an einem Sabbat durch die Kornfelder. Seine Jünger hatten Hunger; sie rissen deshalb Ähren ab und aßen davon. Die Pharisäer sahen es und sagten zu ihm: Sieh her, deine Jünger tun etwas, das am Sabbat verboten ist. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren - wie er in das Haus Gottes ging und wie sie die heiligen Brote aßen, die weder er noch seine Begleiter, sondern nur die Priester essen durften? Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen, ohne sich schuldig zu machen? Ich sage euch: Hier ist einer, der größer ist als der Tempel. Wenn ihr begriffen hättet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt; denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.

Einführendes Gebet: Jesus, du bist nicht gekommen, um das Gesetz aufzulösen, sondern um ihm seinen wahren Sinn zurückzugeben. Für dich ist Treue eine Haltung gegenüber der Person, nicht gegenüber dem Buchstaben. Ich gerate immer wieder in die Versuchung, mich an (Vor)Sätze zu klammern und die Mittel zum Selbstzweck zu erklären. Befreie mich von dieser Haltung und lass mich erkennen, was du wirklich meinst.

Bitte: Hilf mir, Herr, zwischen äußeren Handlungen und ihrem inneren Wert zu unterscheiden.

1. Kritiker sehen alles. Jesus und seine Jünger werden von den Pharisäern offenbar regelrecht überwacht. Wie sonst ist es zu erklären, dass selbst der Gang durch die Felder und von Dorf zu Dorf verfolgt und einer Prüfung unterzogen wird? Ähren abrupfen am Sabbat– eine scheinbar belanglose Handlung – ist für die Pharisäer ein Anlass, bei Jesus vorstellig zu werden und ihn, vermutlich nicht ohne eine gewisse Häme, darauf hinzuweisen, dass seine Jünger etwas Verbotenes tun. Wer Kritik üben will, hat einen scharfen Blick: ihm entgeht nichts von dem, was andere falsch machen! Was bei dem Anderen gut ist, wird hingegen großzügig übersehen…

2. Will Gott mich zum Nichtstun zwingen? Jetzt ist Jesus scheinbar in der Zwickmühle: Entweder stimmt er den Pharisäern zu – dann hat er seine Leute nicht im Griff und ist keine überzeugende Führungspersönlichkeit - oder er heißt ihr Tun gut, dann ist er kein gesetzestreuer Rabbi und somit unglaubwürdig. Jesus lässt sich auf dieses Niveau aber gar nicht ein. Stattdessen wundert er sich, dass seine Kritiker die heiligen Schriften schlecht kennen. „Habt ihr nicht im Gesetz gelesen…“ fragt er sie zweimal, und verweist darauf, dass sowohl Notsituationen als auch der Dienst für Gott Grund genug sind, vom Sabbatgebot befreit zu sein. Beides trifft auf die Jünger zu: sie haben Hunger, und sie stehen im Dienst des Herrn - somit sind sie „Unschuldige“. Es geht beim Sabbatgebot ja nicht darum, dass Gott die Menschen um jeden Preis zum Nichtstun zwingen will! Sinn des Gebots ist, dass der Mensch an diesem Tag seine Beziehung zu Gott erneuert und wieder zu Kräften kommt. Der Sabbat ist um des Menschen willen da – und „der Menschensohn ist Herr über den Sabbat.“ Gott allein ist die letzte Instanz, die entscheidet, ob ein Gebot im konkreten Fall sinnvoll ist oder nicht.

3. Hätte ich die Liebe nicht… „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“. Jesus sagt seinen Gegnern gerade heraus, dass sie diese Stelle aus dem Propheten Hosea nicht begriffen haben. Dort heißt es: „Liebe will ich, nicht Schlachtopfer; Gotteserkenntnis statt Brandopfer.“ Schon vorher, bei der Berufung des Zöllners Levi in seinen Jüngerkreis, hat Jesus dieses Zitat verwendet. Äußere Frömmigkeit tötet den Egoismus noch lange nicht! Die größten Opfer nützen nichts, wenn das Herz nicht bei Gott ist. Rechtgläubigkeit ohne Liebe kann sich ins Gegenteil von dem verkehren, was Gott möchte. Paulus geht sogar so weit zu sagen, dass es ihm nichts nutzen würde, wenn er alle Erkenntnisse und alle Glaubenskraft hätte und sogar noch seinen ganzen Besitz weggeben würde– wenn er gleichzeitig die Liebe nicht hätte! (1 Kor 13). Gott schaut zuerst auf die innere Haltung, nicht auf die äußeren Fakten!

Gespräch mit Christus: Jesus, wie oft bist du auf verhärtete Herzen getroffen! Die Pharisäer waren fromme und gebildete Leute, die einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit und ihres Einkommens für Gott opferten. Wie konnte es dann sein, dass gerade sie dich ablehnten? Kam es vielleicht dazu, weil ihnen das geschriebene Gesetz und ihre eigene Auslegung über alles gingen – und nicht Gott? Weil sie für andere Wege nicht mehr offen waren? Wie tief muss dich ihre Ablehnung und Herzenshärte getroffen haben! Und wie oft hast du versucht, ihnen noch die Augen aufzutun… Danke für Deine Geduld, Herr, auch mit mir…

Möglicher Vorsatz: Bevor ich das nächste Mal jemanden für ein Fehlverhalten kritisiere, will ich innehalten und mich fragen, ob sein Handeln wirklich objektiv falsch ist, oder ob es nur meinen Gewohnheiten widerspricht.

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  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 17. Juli 2015

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