Mittwoch, 8. Juli 2015

Jünger leben mittendrin

Tägliche Meditationen - 12. Juli 2015

Fünfzehnter Sonntag im Jahreskreis

Beate Scheilen

Mk 6,7-13
In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie. Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

Einführendes Gebet: Herr, du hast deine Jünger ausgesandt und mit allen Vollmachten ausgestattet, die sie nötig hatten, um das Reich Gottes zu verbreiten. Hilf mir zu erkennen, dass du auch mir durch Taufe und Firmung alles gegeben hast, was ich brauche, um deine Botschaft zu den Menschen zu bringen.

Bitte: Sende mich heute zu dem Menschen, der meine Zuwendung am nötigsten braucht.

1. Einer ist keiner… Jesus sendet seine Jünger zu zweit aus. Im Judentum galt das Zeugnis einer einzelnen Person gar nichts. Erst mit zwei oder mehr gleichartigen Aussagen galt ein Sachverhalt als bestätigt. Darin liegt ein tiefer Sinn, auch für uns heute. Ich selbst kann mir alle möglichen Gedanken zurechtlegen darüber, was Jesus mit dieser und jener Aussage gemeint hat, oder was er wohl als Nächstes von mir möchte, und kann mich damit auch im Kreise drehen. Der Austausch mit meinen Glaubensgeschwistern hilft mir, Klarheit zu finden. „Zu zweit gehen“ stärkt und ermutigt mich im Alltag immer wieder, vor allem, wenn ich Gefahr laufe, mich in einem Thema zu verrennen. Ein regelmäßiges kurzes Gespräch oder Telefonat mit einer vertrauten Person ist eine Möglichkeit zu Austausch, Ermutigung oder auch Korrektur.

2. Selbstbewusste Bescheidenheit. Jesu Jünger sollen bescheiden auftreten – aber nicht erbärmlich aussehen oder Hunger leiden! Zwar sollen sie Schuhe tragen und können einen Wanderstab mitnehmen, , aber was die Verpflegung angeht, sind sie gehalten, auf Gott und die Gastfreundschaft ihrer Mitmenschen zu vertrauen – die sie guten Gewissens in Anspruch nehmen dürfen, denn die Botschaft, die sie zu bringen haben, ist es wert! Wir können heute überlegen: Was sind meine „Sandalen“ (die Dinge, für die ich selbst sorgen muss), und wo sollte ich aufhören zu kalkulieren und stattdessen auf Gott vertrauen, der mich schon versorgen wird, wenn ich in seinem Dienst tätig bin? Wenn ich meinen Mitmenschen Jesus Christus nahebringe, schenke ich ihnen das Wertvollste, was es gibt! Und ich bin geistlich reich ausgestattet für diese Aufgabe! Das darf mir bei aller notwendigen Bescheidenheit auch Selbstbewusstsein verleihen.

3. Die Kirche beginnt in den Häusern. Jesus schickt seine Jünger nicht zum Predigen in die Synagogen oder auf den Marktplatz. Ihre „Missionsstationen“ sollen die Wohnhäuser sein. Die Familien waren also die Keimzelle für die Ausbreitung des Evangeliums. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die wenigsten von uns sind berufen, sonntags in der Kirche zu predigen – aber jeder von uns hat die Möglichkeit, in seiner Wohnung oder im Haus von Freunden ein Zeugnis für seinen Glauben zu geben – auch wenn es nur ein kleines ist. Vergessen wir nicht: Laien können zu Menschen vordringen, die nie auf die Idee kämen, in die Kirche zu gehen oder mit einem Priester zu sprechen! Oder um es mit einem Buchtitel zu sagen: „Jünger leben mittendrin.“ Gott vertraut mir diese Menschen an. Gleichzeitig ist klar, dass es auch Ablehnung geben wird. Gegenüber dem Evangelium bleibt keiner neutral. Entweder man liebt es – oder man hasst es. Das Evangelium zu leben, fordert zur Entscheidung heraus. Wir sind gesandt, den Menschen das Evangelium vorzuleben. Jesus sagt uns ganz klar, dass wir keine Zeit damit verlieren sollen, uns mit den Leuten zu viel Mühe zu geben, die von Gottes Botschaft nichts wissen wollen. Überlassen wir sie Gott und ziehen wir weiter. Es gibt genügend Menschen, die unser Zeugnis brauchen und es positiv aufnehmen!

Gespräch mit Christus: Jesus, deine Jünger hatten menschlich gesehen nicht viel zu bieten und haben trotzdem Menschen mit Worten und Taten geholfen, weil du ihnen die Möglichkeit dazu gegeben hast. Das macht mir Mut. Ich möchte dir trotz meiner menschlichen Unzulänglichkeiten anbieten, in deinem Dienst loszuziehen. Dabei will ich darauf vertrauen, dass du mich unterwegs mit allem versorgst, was ich brauche – geistlich und materiell.

Möglicher Vorsatz: Ich will mir überlegen, mit wem ich geistlich „zu zweit unterwegs“ sein kann.

Additional Info

  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 12. Juli 2015

    

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