Dienstag, 16. Juni 2015

Eine Selbstanklage, die zur Heilung führt

Tägliche Meditationen - 22. Juni 2015

Montag der zwölften Woche im Jahreskreis
Hl. Thomas Morus
Hl. Paulinus von Nola, Bischof
Hl. John Fischer, Bischof

Mt 7,1-5

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! - und dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

Einführendes Gebet: Herr, ich glaube an die Kraft des Gebets. Die Zeit, die ich mit dir verbringe, ist die wichtigste Zeit meines Tages. Lass mich von deiner Gegenwart und Liebe überzeugt sein, damit ich diese gnadenreichen Augenblicke gut nutzen kann.

Bitte: Herr, befreie mich von jeder Voreingenommenheit.

1. Mich auf Gottes Richterstuhl setzen. Über eine Person zu richten heißt, ein Urteil zu fällen über die Rechtschaffenheit oder Ungerechtigkeit jener Person und ihrer Taten. Wer sind wir aber, um über andere zu urteilen? Jesus erinnert seine Jünger daran, dass mit dem Zu-Gericht-Sitzen eine große Verantwortung verbunden ist. Doch Gott allein kennt die Tiefen des Herzens eines Menschen. Wenn ich also jemanden verurteile, so sagt Jesus, setze ich mich gleichsam auf Gottes Richterstuhl. Diese Verantwortung aber kann mir zur unerträglichen Last werden, denn wie sollte sich meine Gerechtigkeit mit Gottes Gerechtigkeit messen lassen können?

2. Den Blick auf mich selbst werfen. „Du Heuchler!“ Wer richtet, erweist sich als Feind der Barmherzigkeit. Üble Nachrede schadet dem Geist der kirchlichen Einheit und dem ganzen sozialen Gefüge. Es führt dazu, dass wir uns auf die Fehler und Mängel anderer konzentrieren, weil wir glauben, uns dann besser zu fühlen. Leider bleibt es oft nicht nur beim Gerede, sondern es entsteht Aggression. Wir begeben uns in große Gefahr, wenn wir nicht mehr offen sind, eigene Fehler anzuerkennen. Wer ein „mea culpa“ spricht, zeigt, dass er sich auch selbst an die Wahrheit gebunden fühlt.

3. Mich selbst überwinden. Nach dem Maß, mit dem ich zuteile, wird mir zugeteilt werden. Jesus fordert uns nicht nur auf, keine Heuchler zu sein, sondern er lädt uns ein, das Gegenteil zu tun: großherzig zu sein. Wer großherzig ist, kann über menschliche Unzulänglichkeiten hinwegsehen. Großherzigkeit ist die Frucht eines demütigen „mea culpa“. Durch die Demütigung, die mit der Selbstanklage verbunden ist, nehmen die Worte des hl. Paulus in mir Wirklichkeit an: „Jeder schätze den anderen höher ein als sich selbst.“ Wenn meine Mitmenschen über mir stehen, dann ist es einfach, großherzig zu sein: Denn dann entdecke ich in den anderen Jesus, und das lässt sie mir über alles liebenswürdig erscheinen.

Gespräch mit Christus: Das Leben ist kurz, Herr, und ich möchte begreifen, dass jeder Tag eine Chance birgt, um in der Güte zu wachsen. Hilf mir, dass ich genauer erkenne, worin meine Fehler bestehen und worin ich mich bessern kann.

Möglicher Vorsatz: Ich nehme mir vor, etwas Nettes über die Person zu sagen, die ich zuletzt kritisch beurteilt oder über die ich zuletzt schlecht gesprochen habe.

Additional Info

  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 22. Juni 2015

  • Datum: Ja
  • Druck / PDF: Ja
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