Mittwoch, 10. Juni 2015

Du, Vater!

Tägliche Meditationen - 18. Juni 2015

Donnerstag der elften Woche im Jahreskreis
Hl. Gregor Barbarigo, Bischof
Hll. Felicius und Simplicius, Märtyrer

Marita Grötsch

Mt 6,7-15
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen. Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Einführendes Gebet: Herr, du kennst mich und weißt, noch ehe ich bitte, was mir fehlt. Ich danke dir, dass ich mich immer an dich wenden kann und bitte dich um Vergebung, dass ich dir nicht öfter und inniger meine Liebe zeige.

Bitte: Herr, ich bitte dich, lass dein Wille in meinem Leben und auf der ganzen Welt geschehen.

1. Unser Vater. Wir dürfen Gott „Vater“ nennen und „Du“ zu ihm sagen. Gott hat uns zuerst gerufen, das erste „Du“ hat Gott gesprochen, als er uns geschaffen hat. Wir können jederzeit und überall mit ihm sprechen. Er hat immer Zeit für uns, hört uns zu, stellt keine Bedingungen. Er wartet darauf, dass wir uns an ihn wenden. Das ist eigentlich unbegreiflich und absolut nicht selbstverständlich. Es ist Geschenk. Wir sind Töchter und Söhne dieses Vaters, unseres Vaters, der die Liebe ist. Er hat uns nach seinem eigenen Bild geschaffen, ihm ähnlich. Die Liebe ist frei, aber sie erhält nicht immer eine Antwort auf ihre Liebe. Die Menschen misstrauten der Liebe und damit kam die Sünde in die Welt, eine Sünde, die wir nie wieder hätten gut machen können. Denn der Mensch ist begrenzt und Gott ist unbegrenzt. Die Liebe ist Mensch geworden und hat unter uns gewohnt. Jesus hat uns errettet, er hat unsere Schuld auf sich genommen und für sie Sühne geleistet.

2. Der Wille des Vaters. Der Wille des Vaters war es, die Welt zu erschaffen und uns zu erschaffen. Jesus kam auf die Erde, um den Willen seines Vaters zu erfüllen. Alles, was er getan hat, war von seinem Vater gewollt. Er ist für uns der fleischgewordene, menschgewordene Ausdruck des Willens Gottes. Weil der Vater es wollte, hat er uns erlöst. „Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10) Der Auftrag des Vaters drängte ihn, überall zu predigen. „Auch in anderen Städten muss ich das Evangelium vom Reich verkünden! Denn dazu bin ich gesandt.“ (Lk 4,43) Sogar das, was er sagte, wählte er nicht frei. „Ich rede nicht aus mir selbst, sondern das, was der Vater mir gesagt hat.“ (Joh 8,28) Seine ganze Sorge galt den Menschen, er lebte für andere, nicht für sich. Der Wille des Vaters war für Jesus niedergelegt in der Schrift. Bis in die kleinsten Einzelheiten war sein Leben durch die Propheten vorausgesagt worden, und er kehrte nicht eher zum Vater zurück, als bis er jede dieser Prophezeiungen erfüllt hatte. Er war gehorsam bis zum Tod. Wessen Willen erfüllen wir? So viele Menschen sagen heute: „Ich lasse mir von niemandem etwas vorschreiben. Ich kann tun und lassen was ich will.“ Wir beten so oft „Dein Wille geschehe!“ Aber wenn wir uns zurücknehmen müssen oder ein wenig leiden, zweifeln wir an Gott. Gott ist der Herr der Welt, und doch zwingt er uns nicht, seine Gesetzte zu beachten. Dabei liegt doch alles in seiner Hand. Und wenn er nur einen Augenblick sein Schöpfungswerk einstellen würde, gäbe es nichts mehr. „Gottes Wille wird sich an dir erfüllen, auch wenn er nicht von dir erfüllt wird.“ Das sagt der heilige Augustinus (Sermo 56 De oratione dominica). Der Wille Gottes ist unsere Heiligung.

3. Unsere Schulden. „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“ (Joh 20,23) Das ist eines der trostvollsten Worte, die Jesus gesprochen hat. Wir alle sind vor Gott schuldig geworden, denn wir alle sind Sünder. Aus eigenen Mitteln können wir diese Schuld nicht zurückzahlen. Wir können oft das Unrecht nicht wiedergutmachen, das wir unserem Nächsten zugefügt haben. Wir können nicht immer heilen und verbinden, was durch uns verletzt wurde. Gott erlässt uns alle Schuld, selbst die größte, wenn wir reumütig unsere Sünden vor ihm bekennen. Dabei ist die Beichte das sakramentale Zeichen der Vergebung Gottes, das uns geschenkt wurde. Wollen wir auf diese Gewissheit seiner Vergebung leichtfertig verzichten? Mit welch großer Last würden wir am Ende unseres Lebens vor seinem Richterstuhl stehen, wenn es das Bußsakrament nicht gäbe! Welche Macht hat er den Priestern mit diesem Sakrament gegeben! Es gibt aber eine Bedingung, die wir erfüllen müssen, um der Vergebung Gottes würdig zu sein: Wir müssen auch denen von Herzen vergeben, die an uns schuldig geworden sind.

Gespräch mit Christus: Herr, du hast mich nach deinem Bild geschaffen, dir ähnlich. Du liebst mich und sorgst in jeder Sekunde für mich. Und immer wieder verzeihst du mir, wenn ich dich darum bitte. Ich danke dir für deine Güte und Barmherzigkeit.

Möglicher Vorsatz: Ich will heute in jedem Menschen nur das Gute sehen.

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  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 18. Juni 2015

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