Dienstag, 7. April 2015

Wann „Suche“ zur „Begegnung“ wird

Tägliche Meditationen - 13. April 2015

Montag der zweiten Woche in der Osterzeit
Hl. Martin I. Papst

Joh 3,1-8
Es war ein Pharisäer namens Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden. Der suchte Jesus bei Nacht auf und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist. Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden. Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Einführendes Gebet:  Herr Jesus, du bist wahrhaft auferstanden. Es gelingt mir nicht immer, dich im Gebet zu finden. Wer dich aber mit aufrichtigem Herzen sucht, wird nie von dir enttäuscht. Dass du lebst und heute in meinem Leben wirkst, das ist mein Glaube. Ich hoffe auf die Begegnung mit dir. Du weißt, dass ich dich liebe.

Bitte: O Herr, erwecke in mir eine tiefere Sehnsucht, dich zu suchen und dich zu lieben. Hilf mir, geduldig mit anderen umzugehen, die, wie ich, auf der Suche sind nach dir.

1.  Begegnung mit Jesus bei „Nacht“ Nikodemus – „ein führender Mann unter den Juden“, sucht Jesus bei Nacht, also heimlich, auf. Er war angesehen und wenn sein Besuch bei Jesus bekannt geworden wäre, hätte das Aufsehen erregt. „Wenn die Leute das wüssten…!“ dachte er wohl. Selbst noch nicht ganz im Licht, kommt er bei Nacht. Er stellt Jesus keine klare Frage. Doch hinter seinem Bekenntnis „Du kommst von Gott“ steht eine Bitte: Erkläre mir deine Lehre. Nikodemus kann mit der Lehre Jesu von der Wiedergeburt zunächst nichts anfangen. Ist das notwendig, ja gar möglich? Die Antwort Jesu scheint ihm rätselhaft – neues Leben? Jesus begegnet dem aufrichtigen Nikodemus mit Geduld und erklärt ihm, dass wahrer Glaube dem Menschen neue Horizonte eröffnet. Der Vater ist es, der uns seinen Geist sendet, – und das führt uns zur Begegnung mit Gott. Dies geschieht durch eine neue „Geburt“, die Taufe. Und dorthin gelangt man über einen Weg der Demut, der „Nacht der Sinne“ und der Läuterung – d.h., indem man sich vertrauensvoll von der unsichtbaren Hand Gottes leiten lässt.

2. Aus „Redemptor Hominis“, Nr. 10 (hl. Johannes Paul II.) „Der Mensch, der sich selbst bis in die Tiefe verstehen will - nicht nur nach unmittelbar zugänglichen, partiellen, oft oberflächlichen und sogar nur scheinbaren Kriterien und Maßstäben des eigenen Seins -, muss sich mit seiner Unruhe, Unsicherheit und auch mit seiner Schwäche und Sündigkeit, mit seinem Leben und Tode Christus nahen. Er muss sozusagen mit seinem ganzen Selbst in ihn eintreten, muss sich die ganze Wirklichkeit der Menschwerdung und der Erlösung »aneignen« und assimilieren, um sich selbst zu finden.“

3. Einem Suchenden geduldig begegnen Manchmal erfahren wir im Gebet keinen Trost, spüren wir keine Erfüllung. Natürlich kann das an unserer Nachlässigkeit liegen. Hier aber hat es mit einer „Nacht der Sinne“, also mit einer von Gott ausgehenden Läuterung unserer Person, zu tun. Es ist für uns etwas Rätselhaftes, wir verstehen uns selbst nicht. Straft uns Gott? Müssen wir irgendwie erraten, was ihm gefällt, um ihm näher zu kommen? Nein – Gott führt uns in die Tiefe der Selbst- und Gotteserkenntnis. Diese Erfahrung soll uns lehren, darauf zu vertrauen, dass der Wind weht, wo er will, und dass der Heilige Geist uns näher zum Vater führt, auch wenn wir das nicht spüren. Es ist gut, dass wir uns stets dem Heiland zuwenden. Wir sollen uns seine Kriterien immer mehr aneignen, besonders wenn es uns schwerfällt, weil wir keinen Trost empfinden. Aufgrund dieser Erfahrung gehen wir mit anderen geduldiger um, die, wie wir, auch Suchende sind. Wir sollten alle auf der Suche bleiben: danach trachten, seine Botschaft tiefer zu begreifen und wirksamer umzusetzen, mit anderen gütiger umzugehen, unseren Willen dem seinen anzupassen.

Gespräch mit Christus: Herr Jesus, jeder hat seinen persönlichen und einzigartigen Weg zu dir. Nikodemus schien ein gotterfülltes Leben zu besitzen, doch auch er war auf der Suche. Auch ich bin auf der Suche, um dich tiefer zu kennen, mehr zu lieben. Erleuchte meinen Verstand, um deine Wahrheit zu begreifen. Stärke meinen Willen, um deinen Willen zu tun. Entzünde mein Herz mit deiner Liebe, um anderen gütig und geduldig zu begegnen, um dich in meinem Nächsten zu entdecken und dadurch näher zu dir zu kommen.

Vorsatz:  Für den heutigen Tag will ich Gott danken, dafür, dass er mich erschaffen hat und bei mir bleibt. Ich will das zum Ausdruck bringen, indem ich mich über nichts beschwere. Ich werde dem Herrn im Inneren dafür danken, wenn ich ihn bei Nacht suchen muss. Denn ich weiß, er lässt sich finden.

Additional Info

  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 13. April 2015

  • Datum: Ja
  • Druck / PDF: Ja
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