Dienstag, 7. April 2015

Von der Barmherzigkeit her leben

Tägliche Meditationen - 12. April 2015

Zweiter Sonntag in der Osterzeit
Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit

Joh 20,19-31
Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Einführendes Gebet:  Jesus, Sohn Gottes, mein Erlöser, du kommst jedem entgegen, der dich, wie der ungläubige Thomas, mit aufrichtigem Herzen sucht. Nun suche ich dich. Dass du dich für mich interessierst und mir vergibst, verleiht mir neue Würde. Du lädst mich ein, mit der Erfahrung deiner barmherzigen Liebe ausgestattet, deine Barmherzigkeit zu verkündigen, zu praktizieren, und sie für andere zu erflehen. Sie dient nicht nur meinem Seelenheil, sondern auch dem anderer Menschen, auf die ich mit Achtung und Erbarmen zugehen soll.

Bitte: Herr, hilf mir das Neue an deiner Botschaft der Barmherzigkeit tiefer zu begreifen, damit sich durch deine Gnade und meine Mitarbeit mein Denken und Handeln wandeln.

1.  Die Barmherzigkeit Jesu betrachten Aus Angst vor den Juden befanden sich die Jünger noch hinter verschlossenen Türen. Sie hatten gehört, dass Jesus einigen Frauen erschienen war, glaubten es aber nicht. Nicht nur Thomas zweifelte an den Erscheinungen. Sie alle hatten gesehen, wie Jesus im Garten Getsemani verhaftet worden war. Keiner sprach ein Wort zu seiner Verteidigung. Selbst Petrus hatte Jesus dreimal verleugnet. Das alles lag ihnen schwer auf der Seele und sie waren betrübt über die Ereignisse der Passion. Die Erfahrung ihrer menschlichen Schwäche hatte einen dunklen Schatten auf ihre sonst so muntere Seele geworfen… Und dann tritt er plötzlich in den Saal ein! Sie freuen sich, sind ohne Worte. Und Jesus lässt ihnen Zeit, damit der Eindruck von seiner leibhaftigen Gegenwart in sie eindringen kann. Als Auferstandener ergreift Jesus die Initiative. Er kommt den Seinen entgegen, vergibt ihnen ihre Schuld („Friede!“) und schenkt ihnen diesen neuen Geist – den Geist der Barmherzigkeit. Der Christ, dem vergeben wurde, ist berufen, ebenso Erbarmen zu zeigen, aus der Liebe heraus zu leben, an einer Gesellschaft der Barmherzigkeit mitzubauen.

2. Aus „Dives in Misericordia“, Nr. 12 & 14, vom Hl. Johannes Paul II. „Sollen die Beziehungen der Menschen zueinander vom Geist höchster Achtung des wahrhaft Menschlichen und gegenseitiger Brüderlichkeit geprägt werden“, wird das Erbarmen zu einem unerlässlichen Element. „Es ist unmöglich, dieses Band [der Brüderlichkeit] unter den Menschen zu knüpfen, wenn ihre Beziehungen zueinander keinen anderen Maßstab kennen als den der Gerechtigkeit. Diese muss in allen Bereichen zwischenmenschlicher Beziehung sozusagen eine tiefgreifende „Korrektur“ erfahren: durch die Liebe, welche nach dem Hohen Lied des Hl. Paulus „langmütig“ und „gütig“ ist, oder, anders ausgedrückt, die für das Evangelium und das Christentum so wesentlichen Züge des Erbarmens trägt.“

3. Aus der Quelle der Barmherzigkeit schöpfen und sie weitergeben Der hl. Johannes Paul II. war ein Apostel der Barmherzigkeit. Er lehrte, dass der Christ durch seine Teilhabe an Christi Barmherzigkeit zur barmherzigen Liebe fähig wird. Deswegen muss er stets in seinem eigenen Leben aus der Quelle der Barmherzigkeit Gnade schöpfen. Der „Barmherzigkeitssonntag“ ist ein Aufruf an jeden Christen, mit Widrigkeiten, schwierigen Menschen und Situationen nicht nur gerecht, sondern im Sinne der Barmherzigkeit umzugehen und so seinem Leben jene „Korrektur“ zu geben, von der der hl. Johannes Paul sprach. Die Quelle der Barmherzigkeit ist Jesu Herz, das seinen Jüngern am Ostertag nicht zurechtweisend entgegentritt, sondern Freude ausstrahlt, Vergebung, Frieden und Vertrauen schenkt. Zusammen mit Jesus am Kreuz ist auch der unbeugsame alte Mensch in mir gestorben, der mehr „das Recht“ als „das Wohl des anderen“ im Sinne hat. Je persönlicher die Begegnung mit der Barmherzigkeit des Auferstandenen ist, desto mehr wird in uns die Fähigkeit geweckt, Mitmenschen geschwisterlich zu begegnen.

Gespräch mit Christus: Herr, manchmal behandle ich Menschen „geschäftlich“, „professionell“, „sachlich“, ohne Erbarmen, obwohl ich es gar nicht so meine. Aber wahre christliche Gerechtigkeit verlangt von mir, dass ich jeden Menschen aufgrund seiner Würde achte. Auch wenn diese Menschen Fehler machen, mich beleidigen, meine Zeit verschwenden, mich belästigen sollten, möchte ich ihnen aus christlicher Barmherzigkeit dennoch Liebe bezeigen. Denn auch sie sind Kinder Gottes und Pilger auf dem Weg, so wie ich. Ich weiß, wie am Ostersonntag würdest du ihnen mit den Worten „der Friede sei mit dir!“ entgegengehen. Ich danke dir, dass du mir so entgegenkommst und möchte anderen Menschen dieselbe Liebe erweisen.

Vorsatz:  Heute will ich mit einem armen oder leidenden Menschen Zeit verbringen, ohne dabei meinen Vorteil zu suchen. Das kann ich zum Beispiel durch ein Gespräch auf der Straße, ein Gebet oder einen Telefonanruf tun.

Additional Info

  • Untertitel:

    Tägliche Meditationen - 12. April 2015

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