Dienstag, 24. Februar 2015

„Guter Boden“ sein für Gottes Wort

Brief von Pater Eduardo Robles Gil an die Legionäre Christi und die Mitglieder der Bewegung Regnum Christi zur Fastenzeit 2015.

 

In einem Brief vom 22. Februar übermittelt P. Eduardo Robles Gil LC, Generaldirektor der Legionäre Christi und des Regnum Christi, einige persönliche Gedanken und Reflexionen zur  österlichen Bußzeit (Fastenzeit). Der vorliegende Text ist eine Übersetzung des spanischen Originals.

 

 

 

 

 

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Dein Reich komme!

 

 

 

Medellín, 22. Februar 2015

Erster Fastensonntag

 

 

An die Mitglieder des Regnum Christi

 

 

Liebe Freunde in Christus,

 

die Fastenzeit lädt uns dazu ein, unseren Herrn bei seinem Aufstieg nach Jerusalem zu begleiten, wo er am Kreuz sein Leben für uns hingibt und so seinem Vater den größten Liebeserweis darbringt. In diesen vierzig Tagen trachten wir als Getaufte danach, näher zu Christus zu kommen mit einem reuigen Herzen, das durch Gebet, Werke der Nächstenliebe, Buße und die Gnade des Sakraments der Versöhnung  erneuert wird.

 

Für uns als Mitglieder des Regnum Christi hat die diesjährige Fastenzeit eine besondere Bedeutung. Wir können sie gewissermaßen sogar als historisch bezeichnen, denn wir befinden uns inmitten der Revisionsarbeit an den Statuten des Regnum Christi, die für zukünftige Generationen von Mitgliedern der Bewegung ein maßgeblicher Bezugs- und Orientierungspunkt bei ihrem Dienst an Gott und der Kirche sein werden.

 

Das bedeutet konkret, dass wir das zum Ausdruck bringen, was wir leben und was der Herr in unser Herz legte, als er uns dazu berufen hat, ihm in einer Bewegung zu dienen, die sich im Laufe der Zeit entfaltet, ohne ihre Identität zu verlieren. Der Anspruch, das in Worte zu fassen, was die Gnade Gottes in unseren Herzen, unseren Teams und unseren Familien bewirkt, geht weit über das hinaus, was wir mit unserer Anstrengung erreichen können. Wir müssen auf den Heiligen Geist hören. Er soll uns bei dieser Aufgabe helfen, anleiten und erleuchten.

 

So möchte ich in diesem Brief darüber nachdenken, wie die Übungen der Fastenzeit uns dabei helfen, jener „gute Boden“ zu sein (Mt 13,8), der sich das Wort zu Herzen nimmt, das in uns eingepflanzt worden ist (vgl. Jak 1,21). Ich werde mich auf die Erklärungen stützen, die Jesus seinen Jüngern über das Gleichnis des Sämanns gab. Das Gleichnis befindet sich im Evangelium nach Matthäus (13,1-8) und die Erklärung folgt wenige Verse danach (13,18-23).

 

Als erstes spricht der Herr von den Körnern, „die auf den Weg fielen“ und erklärt dazu, dass dies immer dann geschieht, wenn ein Mensch, „das Wort vom Reich hört und nicht versteht, der Böse kommt und alles wegnimmt, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde“ (Mt 13,19). Er macht uns darauf aufmerksam, dass es jemanden gibt, der um alles in der Welt verhindern will, dass das Wort des Herrn in unseren Herzen Fuß fasst. Wenn wir den Herrn hören wollen, brauchen wir „ein starkes, ein festes Herz, das für den Versucher verschlossen, für Gott aber offen ist“ (Botschaft von Papst Franziskus zur österlichen Bußzeit 2015). Deswegen möchte ich alle Mitglieder des Regnum Christi dazu einladen, mit Hilfe der Gnade Gottes in sich dieses starke und feste Herz zu formen und während der Fastenzeit das Sakrament der Versöhnung zu empfangen. Die Gnade, die wir empfangen, wenn wir vor Gott demütig unsere Sünden bekennen und ehrlich um seine Vergebung bitten, wird unsere Herzen stärken und unsere Ohren öffnen, damit wir auf sein Wort hören.

Danach spricht Jesus von dem Samen, der „auf felsigen Boden… gefallen“ ist. Das ist der Mensch, „der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt, aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall“ (Mt 13,20-21). Die Fähigkeit, das Wort Gottes mit heller Begeisterung aufzunehmen ist eines der schönsten Merkmale eines Mitglieds des Regnum Christi. Es ist ein Geschenk Gottes, das wir erhalten, wachsen lassen und – das ist Teil unserer Sendung – nach außen ausstrahlen müssen. Bei seinen Erklärungen über dieses Gleichnis macht uns der Herr darauf aufmerksam, dass diese Begeisterung während schwieriger Zeiten auf die Probe gestellt wird. Wenn wir trotz der Bedrängnisse des Lebens im Gebet beharrlich bei Gott verweilen, beginnt das in uns eingepflanzte Wort Wurzeln zu schlagen. Deswegen lade ich jedes Mitglied der Bewegung ein, während dieser Fastenzeit im Gebet beharrlich zu sein (vgl. Röm 12,12), und jeden Tag Zeiten zu suchen, um in Stille und Einsamkeit mit dem Herrn dort zu verweilen, wo er uns erneuert.

Weiter spricht der Herr vom Samen, der „in die Dornen“ gefallen ist, was auf den Menschen zutrifft, „der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht“ (Mt 13,22). Auch wenn wir das Wort des Herrn angenommen haben und in seinen Prüfungen bei ihm geblieben sind (vgl. Lk 22,28), treten in unserem Alltag Versuchungen und eigensüchtige Sorgen auf, die uns daran hindern können, Frucht zu bringen. Die österliche Bußzeit lädt uns dazu ein, auf manche Dinge zu verzichten und für uns geeignete Bußübungen zu finden, die uns dabei helfen, diese Versuchungen einzudämmen und sie zu überwinden.

 

Das Fasten (das darin besteht, dass man sich eines erlaubten Genusses enthält) besitzt dabei eine besondere Bedeutung. Wenn wir auf etwas verzichten, was wir brauchen, werden wir daran erinnert, dass wir von Gott radikal abhängen und dass allein Gott genügt. Heutzutage gibt es viele, sehr nützliche Arten und Weisen zu fasten, denken wir zum Beispiel an die Einschränkung des Gebrauchs eines Handys oder des Surfens in sozialen Netzwerken, an die Begrenzung der Zeit, die der Unterhaltung gewidmet ist, usw. Das Almosen als konkretes Beispiel der Nächstenliebe hilft uns dabei, uns nicht vom Reichtum täuschen zu lassen, indem wir das, was wir selbst umsonst empfangen haben, als Geschenk weitergeben. Man muss eine große innere Freiheit besitzen, um Gaben, die man von Gott empfangen hat, bedürftigen Mitmenschen zu schenken. Ebenso muss die innere Freiheit wachsen, damit man die Mitmenschen wahrhaft und selbstlos liebt. Oft werden der Groll und die Gleichgültigkeit, die wir gegenüber unseren Mitmenschen empfinden können – und die Frucht jener Sorgen sind, die unserem Verlangen nach Reichtümern, Ruhm und Wohlergehen entstammen –, uns zu wahrhaft dornigen Schlingpflanzen, an denen unser Herz erstickt. Wir können dieses Dornengestrüpp ausreißen, indem wir uns miteinander versöhnen. Die Fastenzeit ist ein sehr günstiger Moment, um diejenigen aufzusuchen, gegen die wir uns verfehlt haben, um sie um Verzeihung zu bitten und anderen zu vergeben, die an uns schuldig geworden sind.

 

Wenn wir diese Zeit nutzen, um zur Beichte zu gehen, im Gebet beharrlich zu sein, zu fasten, Almosen zu geben, unsere Mitmenschen um Verzeihung zu bitten und ihnen Verzeihung zu spenden, befreien wir uns von dem, was uns der innigen Beziehung zu Christus berauben kann. Wenn wir vierzig Tage lang den Herrn auf diesem Pfad begleiten und am Fuß des Kreuzes bei ihm bleiben, wird die Gnade unser Herz verwandeln und es zum guten Boden machen, in den das Wort, das er an uns gerichtet hat, fallen kann, damit es Frucht bringt, „hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach“ (Mt 13,23).

 

Der Samen, der in unsere Herzen eingepflanzt wurde, ist Christus selbst. Wenn wir dieses Samenkorn aufnehmen und das beseitigen, was sein Wachstum behindert, dann verleihen wir jener Anrufung Leben, die tief in unseren Herzen erklingt: „Dein Reich komme!“ (Mt 6,10). Jenes Reich – die wertvolle Perle, für die kein Preis zu hoch ist (vgl. Mt 13,36) –, wächst in unseren Herzen wie der Sauerteig, der alles durchsäuert (vgl. Mt 13,33). Anfangs ist er klein wie ein Senfkorn, doch wenn wir ihn wachsen lassen, werden unsere Herzen groß und stark (vgl. Mt 13,31-32).

 

In dem Maß, in dem wir die Gnade Gottes auf unsere Herzen einwirken lassen, beginnen wir, einander tiefer und intensiver zu lieben, sogar mitten in der Bedrängnis Freude zu empfinden, unsere Mitmenschen großzügig zu beschenken – ja, uns selbst ihnen hinzugeben. Das ist möglich, weil wir dann nicht mehr selber leben, sondern Christus in uns lebt (vgl. Gal 2,20) – wie es im Gebet heißt, das die Mitglieder des ECYD täglich beten: „Vor allem schenke ich dir mein Herz, damit du in mir deinen Vater und alle Menschen liebst“.

 

Liebe Mitglieder des Regnum Christi, während dieser österlichen Bußzeit erbitte ich vom Herrn für uns zweierlei: Erstens, dass wir unsere Herzen für seine Gnade öffnen, damit das Vermächtnis, das wir bei der Revision der Statuten an die zukünftigen Generationen von Mitgliedern der Bewegung weitergeben werden, von Gott und nicht von Menschen stammt, sein Werk ist; zweitens, dass die Teilnahme aller am Revisionsprozess Gelegenheit bieten möge, um für alles Gute, das wir empfangen und gelebt haben, zu danken und uns die Begegnung mit dem Heiligen Geist ermögliche, der in uns den Eifer für das Heil der Seelen entzünden und das Antlitz der Erde und uns selbst erneuern möge.

 

Ich danke Ihnen sehr für Ihr Gebet und bete ebenfalls für Sie,

 

P. Eduardo Robles Gil LC

 

 

Übersetzung des spanischen Originals.

Additional Info

  • Untertitel:

    Brief von Pater Eduardo Robles Gil an die Legionäre Christi und die Mitglieder der Bewegung Regnum Christi zur Fastenzeit 2015.

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