Eine Schnur mit einem Kreuz und 59 Perlen, dazu Vaterunser, Ave Maria und immer wieder dieselben Worte. Während die Hände von Perle zu Perle wandern und die Lippen beten, richtet sich der Blick auf entscheidende Stationen im Leben Jesu – von seiner Menschwerdung bis zu seiner Auferstehung.
Der Oktober gilt in der katholischen Kirche als Rosenkranzmonat. Der Rosenkranz verbindet mündliches Gebet und betrachtende Stille. Maria steht dabei nicht anstelle Jesu im Mittelpunkt. Vielmehr begleitet sie die Betenden durch die sogenannten Geheimnisse des Rosenkranzes und hilft ihnen, das Leben Christi aus ihrer Perspektive zu betrachten.
„Dass die Kriege ein Ende finden!“
Papst Leo XIV. lud bei seinem Besuch in Lourdes am 27. September 2026 alle Gläubigen und christlichen Gemeinschaften eindringlich dazu ein, in diesem Monat den Rosenkranz besonders für ein Ende der Kriege und für Frieden zwischen verfeindeten Völkern zu beten:
„Deshalb lade ich heute alle Gläubigen und alle christlichen Gemeinschaften ein, im kommenden Oktober den Rosenkranz zu beten, mit dem besonderen Anliegen, dass die Kriege ein Ende finden und sich Friede zwischen den verfeindeten Völkern einstellt. Begleiten wir dieses Gebet mit konkreten Taten der Buße und der Barmherzigkeit und setzen wir uns stets für Dialog und Versöhnung ein.“
Wir laden alle Mitglieder und Freunde unserer Gemeinschaft zum Rosenkranzgebet mit Papst Leo XIV. für den Frieden ein!
Wie wird der Rosenkranz gebetet?
Ein Rosenkranz besteht aus einem Kreuz, einer einzelnen großen Perle, drei kleineren Perlen, einer weiteren großen Perle und einem Kreis aus fünf Gruppen mit jeweils zehn kleinen Perlen. Die Gebetsfolge hilft dabei, auch ohne Buch einen gleichmäßigen Rhythmus zu finden.
Zu Beginn machen die Betenden das Kreuzzeichen und sprechen am Kreuz das Apostolische Glaubensbekenntnis. Danach folgen:
● ein Vaterunser,
● drei Ave Maria um Glaube, Hoffnung und Liebe,
● das „Ehre sei dem Vater“.
Anschließend beginnen die fünf Gesätze. Jedes Gesätz besteht aus:
● der Nennung des jeweiligen Geheimnisses,
● einem Vaterunser,
● zehn Ave Maria,
● dem „Ehre sei dem Vater“.
In das Ave Maria wird nach dem Namen Jesu jeweils das betrachtete Geheimnis eingefügt, beispielsweise: „… und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus, den du, o Jungfrau, in Betlehem geboren hast.“
Nach jedem Gesätz kann zusätzlich das Fatima-Gebet gesprochen werden. Am Ende folgen je nach örtlicher Tradition etwa das „Salve Regina“, eine Lauretanische Litanei oder ein anderes Mariengebet.
Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Worte fehlerfrei aufzusagen. Die Wiederholung soll zur Ruhe führen und Raum für die Betrachtung schaffen. Papst Johannes Paul II. bezeichnete den Rosenkranz deshalb als ein Gebet, das zwar von Maria geprägt, seinem Wesen nach aber auf Christus ausgerichtet ist.
Die vier Gruppen der Rosenkranzgeheimnisse
Die Rosenkranzgeheimnisse greifen zentrale Ereignisse aus dem Leben Jesu und Mariens auf. Ursprünglich gab es drei Gruppen mit jeweils fünf Geheimnissen. Papst Johannes Paul II. ergänzte sie 2002 um die lichtreichen Geheimnisse. Dadurch werden auch wichtige Stationen aus dem öffentlichen Wirken Jesu betrachtet. Seine Gedanken dazu erläuterte er im Apostolischen Schreiben „Rosarium Virginis Mariae“.
Die freudenreichen Geheimnisse
Sie betrachten die Menschwerdung und Kindheit Jesu:
1. Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast.
2. Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabet getragen hast.
3. Jesus, den du, o Jungfrau, in Betlehem geboren hast.
4. Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast.
5. Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast.
Sie werden traditionell am Montag und Samstag gebetet.
Die lichtreichen Geheimnisse
Sie führen durch das öffentliche Wirken Jesu:
1. Jesus, der von Johannes getauft worden ist.
2. Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat.
3. Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat.
4. Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist.
5. Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat.
Für diese Geheimnisse ist besonders der Donnerstag vorgesehen.
Die schmerzhaften Geheimnisse
Sie betrachten das Leiden und Sterben Jesu:
1. Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat.
2. Jesus, der für uns gegeißelt worden ist.
3. Jesus, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist.
4. Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat.
5. Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist.
Traditionell werden sie am Dienstag und Freitag gebetet.
Die glorreichen Geheimnisse
Sie richten den Blick auf Ostern, Pfingsten und die Vollendung bei Gott:
1. Jesus, der von den Toten auferstanden ist.
2. Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist.
3. Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat.
4. Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat.
5. Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat.
Diese Geheimnisse werden besonders am Mittwoch und Sonntag gebetet.
Die Zuordnung zu bestimmten Wochentagen ist eine hilfreiche Tradition, aber keine verpflichtende Vorschrift. Je nach Anlass kann eine andere Gruppe gewählt werden – beispielsweise die schmerzhaften Geheimnisse beim Gebet für einen Verstorbenen.
Ein Gebet, das über Jahrhunderte gewachsen ist
Der Rosenkranz entstand nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt und geht auch nicht auf einen einzigen Verfasser zurück. Seine heutige Form entwickelte sich schrittweise über mehrere Jahrhunderte.
Bereits die frühen Mönche und Einsiedler kannten Gebete, bei denen kurze Worte oder Sätze aus der Heiligen Schrift häufig wiederholt wurden. In den Klöstern gehörte außerdem das regelmäßige Beten der 150 Psalmen zum Alltag. Menschen, die nicht lesen konnten oder keinen Zugang zu den Psalmen hatten, beteten stattdessen 150 Vaterunser. Um die Wiederholungen leichter zählen zu können, verwendeten sie Schnüre mit Knoten oder Perlen. Diese wurden als Paternosterschnüre bezeichnet.
Mit der wachsenden Marienverehrung trat ab dem Hochmittelalter zunehmend das Ave Maria an die Stelle des Vaterunsers. Aus den 150 Ave Maria entstand der sogenannte „Marienpsalter“. Das Ave Maria bestand zunächst im Wesentlichen aus den biblischen Grußworten des Engels Gabriel und Elisabets. Die Bitte „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder …“ wurde erst später ergänzt.
Eine verbreitete Überlieferung schreibt die Entstehung des Rosenkranzes dem heiligen Dominikus zu. Demnach soll Maria ihm zu Beginn des 13. Jahrhunderts das Gebet anvertraut haben. Historisch lässt sich diese Erzählung jedoch nicht eindeutig belegen.
Im 15. Jahrhundert verbanden vor allem Kartäuser und Dominikaner die einzelnen Ave Maria mit Betrachtungen über das Leben Jesu. Der Kartäuser Dominikus von Preußen formulierte um 1409 zahlreiche kurze Zusätze, die nach dem Namen Jesu eingefügt wurden. Daraus entwickelten sich die heute bekannten Rosenkranzgeheimnisse. Dominikaner wie Alanus de Rupe förderten das Gebet weiter und gründeten Rosenkranzbruderschaften.
Papst Pius V. regelte 1569 die Form des Rosenkranzgebets für die gesamte katholische Kirche. Seitdem bestand der vollständige Rosenkranz aus 15 Gesätzen mit insgesamt 150 Ave Maria – entsprechend den 150 Psalmen. Im Alltag wird meistens ein Rosenkranz mit fünf Gesätzen gebetet.
Warum heißt das Gebet „Rosenkranz“?
Das lateinische Wort „Rosarium“ bedeutet Rosengarten oder Rosenkranz. Im Mittelalter galt die Rose als Zeichen der Liebe und Verehrung. Jedes Ave Maria wurde sinnbildlich als eine Rose verstanden, aus der sich ein geistlicher Kranz für Maria zusammensetzt.
Gleichzeitig verweist der Name auf den meditativen Charakter des Gebets: Die einzelnen Gebete stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern bilden zusammen einen Kranz, der sich um die Geheimnisse des Lebens Jesu legt.
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